So steigert man die Benutzerfreundlichkeit von User Interfaces

Warum Usability-Tests in der Softwareentwicklung so wichtig sind
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In der Softwareentwicklung geraten Usability-Tests leider oft ins Hintertreffen. Der Fokus auf die Steigerung des Funktionsumfangs geht oft zu Lasten der Benutzerfreundlichkeit. Aber Interfaces, die nicht intuitiv von den Usern bedient werden können, haben erhebliche Nachteile für den Erfolg des gesamten Softwareprodukts.

Interfaces mit schlechter Usability verlängern nicht nur die Lernkurve der Nutzer, sondern führen auch dazu, dass sie mehr Fehler begehen. Fällt Anwendern das Erlernen neuer Software schwer, steigert das die Wahrscheinlichkeit, dass sie bestimmte Funktionen übersehen. Das führt oftmals zu der Annahme, dass die betroffenen Features überhaupt nicht in die Software integriert worden sind.

Das Aufwarten mit zahlreichen Funktionen ist daher nur dann gewinnbringend, wenn die User ihre Verwendung auf Anhieb verstehen. Ohne ein benutzerfreundliches User Interface ist das nicht zu leisten. Eine gute Usability sorgt dafür, dass die Anwender die Features eines Produkts intuitiv bedienen können. Dadurch wird verhindert, dass Kunden Software frustriert links liegen lassen.

Die Usability von Software verbessern

Das Problem bei Usability-Tests ist hierbei weniger das Sammeln aussagekräftiger Daten, die beispielsweise durch die Auswertung von Supportickets, SAT-Umfragen oder des E-Mails-Verkehrs gewonnen werden können. Vielmehr besteht die größte Schwierigkeit darin, aus der Fülle von Informationen die wesentlichen Beschwerden rauszufiltern.

Aber nicht nur die Frage der Dringlichkeit ist im Zuge der Verbesserung der Usability entscheidend. Wichtig ist zu wissen, wie viel Zeit, Budget und Aufwand investiert werden soll und welches System eingesetzt werden muss. Auf all diese Fragen gibt es keine Patentrezepte; der Usability-Prozess kann jedoch laut Richard Powell in wenigen Schritten optimiert werden.

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Ökonomisch Denken

In der Regel ist es gewinnbringender auf bereits vorhandene Komponenten zurückzugreifen. Die Erstellung neuer User Interfaces ist für gewöhnlich deutlich zeit- und ressourcenaufwendiger und verlangt neue Usability- und Unit-Tests, die wiederum zu einer gesteigerten Zahl von Supportickets führen. Bereits getestete Software hat diesen Entwicklungsschritt schon hinter sich und ist weniger fehleranfällig.

Am Puls der Zeit sein

Die Auswertung sämtlicher Daten, die zur Verfügung stehen, ist sinnvoll, um sich ein breites Bild über die Probleme und Frustmomente der Nutzer zu verschaffen. Es sollte daher jede Möglichkeit genutzt werden, um mit den Kunden in einen direkten Kontakt zu treten.

Neben Customer-Meetings und Telefonkonferenzen sind sowohl Support-Channels in Slack als auch automatisierte Zufriedenheitsumfragen probate Mittel. Die Ergebnisse des Austausches sollten nicht nur in die Roadmap des Produkts einfließen, sondern ebenfalls die tagtäglichen Entscheidungen anleiten.

Ständig Fragen stellen

Um zu wissen, ob die getroffenen Designentscheidungen zugunsten der Anwender ausgefallen sind, ist es wichtig, vor der eigentlichen Implementierung ihre Meinung einzuholen. Wie funktioniert die Interaktion mit diesem Feature? Was sollte geändert werden? Was gefällt gar nicht? Das Stellen der richtigen Fragen liefert Antworten auf mögliche Designfehler und hilft dabei, die Interaktion der Nutzer mit den UI-Elementen so einfach wie möglich zu gestalten.

Messbare Ziele festlegen

Neue Features sollten immer mit eindeutig messbaren Zielen verbunden werden. Die Usability einer neuen Komponente kann beispielsweise daran festgemacht werden, wie viele Anwender in welchem Zeitraum die Funktion benutzen. Bleiben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück, muss etwas am Interface geändert werden. Sollten die Ergebnisse positiv ausfallen, darf daraus der Schluss gezogen werden, dass die Bedienelemente einfach und intuitiv zu benutzen sind.

Drei Arten von Usability-Tests

Die Optimierung des Usability-Prozesses wird schlussendlich durch verschiedene Usability-Tests komplementiert. In der Softwareentwicklung kommen im Allgemeinen drei verschiedene Modelle zum Einsatz, die sich hinsichtlich ihrer Personengruppen unterscheiden. So soll sichergestellt werden, dass im Zuge der Tests möglichst alle Probleme der Nutzer entdeckt und ausgebessert werden.

Dogfooding

Der Begriff des „Dogfooding“ bezieht sich auf die Praktik, ein Produkt vor Release selbst zu testen. Zumeist wird einer stabilen Version ein neues Feature hinzugefügt und von den hauseigenen Entwicklern geprüft. Danach werden Schritt für Schritt weitere Funktionen ergänzt. Auf diese Weise können mögliche Design-Fauxpas bereits vor der eigentlichen Markteinführung ausgemerzt werden. Der Nachteil: Ist man mit der Materie zu vertraut, fallen einem manche Fehler, die unbeteiligten Personen unterlaufen, oftmals nicht auf.

Interne Usability-Tests

Um die Meinung der Nutzer einzuholen, werden gerne interne Usability-Tests herangezogen. Im Allgemeinen ist es sinnvoll, für solche Tests auf Teilnehmer zurückzugreifen, deren technisches Hintergrundwissen stark variiert. Technikaffine Probanden haben in vielen Fällen mit einigen Funktionen keine Probleme, an denen Personen mit weniger Erfahrung hingegen verzweifeln.

Auf Grundlage der Ergebnisse interner Reviews können die häufigsten Probleme der Anwender eingegrenzt und so eine Liste zur Verbesserung des User Interfaces aufgestellt werden. Sind alle Punkte abgearbeitet worden, sollte das Verfahren von Neuem begonnen werden. Interne Usability-Tests sind iterative Prozesse, die nie zum Stillstand kommen.

Externe Usability-Tests

Bei externen Usability-Tests werden Personen gezielt eingeladen, die bereits länger mit dem betreffenden Unternehmen zusammenarbeiten. Auf Grundlage der Daten vorangegangener Tests werden die Probanden in Zielgruppen eingeteilt, die je nach zu überprüfender Funktion den tatsächlichen Endusern möglichst stark ähneln. Auf diese Weise können unter Laborbedingungen aussagekräftige Aussagen darüber generiert werden, ob und wie die Nutzer voraussichtlich mit den neuen Features interagieren werden.

Der richtige Umgang mit Testpersonen

Bei den drei Usability-Tests sollte man einige Richtlinien im Umgang mit Testpersonen beachten. Zu Beginn ist es elementar, das Szenario und die zu bewältigende Aufgabe klar und möglichst neutral zu benennen. Nicht zu stark spezifizierte Aufgabenstellungen liefern in der Regel nützlichere Ergebnisse als bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Aufträge.

Tritt der Fall ein, dass die Probanden an einer Stelle nicht weiter wissen, sollte man ihnen nicht unter die Arme greifen, sondern sie dazu ermutigen, ihre Schwierigkeiten offen und ausführlich zu kommunizieren. Die auf diese Weise gewonnenen Erfahrungsberichte sind hilfreich, um den Ursachen ihrer Probleme auf die Schliche zu kommen. Die Methode des Screen-Sharings kann hierbei die Aussagen der Anwender sinnvoll unterstützen.

Außerdem ist es wichtig, sich nicht zu sehr auf Vorgaben zu versteifen. Oftmals ist es zielführender, bei der Überprüfung einen Blick nach links und rechts zu werfen. Wird etwa ein Formular auf seine Usability hin überprüft, sollte die Aufmerksamkeit nicht bloß auf die primären Aktionen der Nutzer gerichtet sein, sondern ihre gesamte Erfahrung mit dem Produkt in Augenschein genommen werden. Denn die beste Usability ist wenig wert, wenn die User beispielsweise ein Formular überhaupt nicht finden.

Allerdings ist auch Vorsicht geboten: Nicht jede Beschwerde der Tester ist sofort in Code zu übersetzen. So kommt es oft vor, dass die Probanden zwar nach einer bestimmten Sache fragen, aber eigentlich etwas ganz anderes im Sinn haben. Und manchmal gehen ihre Fragen an den anvisierten Zielen des Produkts schlicht vorbei. Das kann jedoch nur von Situation zu Situation entschieden werden.

Fazit

Eine gute Usability kann nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt werden, sondern ist das Ergebnis vieler kleiner deliberativer Schritte. Meistens müssen nur Kleinigkeiten verbessert werden; es kann aber auch vorkommen, dass ein Problem nur durch ein radikales Umdenken in der Entwicklung zu beheben ist.

Aber ganz egal welcher Fall eintritt: Ob und was zu einer Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit des User Interfaces führt, kann allein durch ausführliches Testen ermittelt werden. Dieser Schritt ist wichtig, da nur durch eine gute Usability sichergestellt werden kann, dass der gesamte Funktionsumfang eines Softwareprodukts den Anwendern zugutekommt.

 

Aufmacherbild: GUI design for Usability via Shutterstock / Urheberrecht: aurielaki

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