Interview mit Roman Schacherl zum Thema Conversational User Interface und Cognitive Services

Künstliche Intelligenz: Sind Chatbots die Apps von morgen?
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Künstliche Intelligenz ist das neue Trend-Thema in der IT-Welt. So kündigte unter anderem Microsoft an, eine eine Reihe von Chatbots an den Start zu bringen, die mit Nutzern interagieren, wie ein echter Mensch. Wir sprechen mit Roman Schacherl darüber, wie sich die Bots von Apps unterscheiden, wie wir sie heute kennen, wo die Einsatzszenarien liegen und welche Rolle die Cognitive Services bei der Erstellung von Bots spielen.

Herr Schacherl, Microsofts CEO Satya Nadella läutete ein in die Welt der Chatbots mit der Prognose: Bots sind die neuen Apps. Wie bewerten Sie diese Aussage?

Ich glaube, wir stehen da erst am Anfang und müssen lernen, in welchen Szenarien Bots Vorteile gegenüber Apps bringen. Wenn ich mir eine Erinnerung an die auslaufende Parkzeit setzen möchte, finde ich einen kurzen Satz an Cortana viel praktischer als das Aufrufen der entsprechenden App. Bots sind das nächste Kapitel, sie werden aber sicher nicht alle Apps ablösen – schon gar nicht das große Feld der Games. Wobei… textbasierte Adventures gab es ja auch schon mal.

Wie genau würden Sie Bots definieren? Was sind die Unterschiede zu Apps, wie wir sie heute kennen?

Man spricht von einem „Conversational User Interface“ – also der Interaktion mittels Sprache. Nicht fünf Buttons, zwei Comboboxen und drei Textfelder, sondern ein Bot, der unsere Sprache spricht und überall dort ist, wo wir sind: Auf Skype, Facebook, Slack, etc.

Übrigens: Einen tieferen Einblick in die neuen Benutzeraktionen gibt Constantin Klein in seiner BASTA!-Session „Neue Benutzerinteraktionen durch Cortana Analytics und Perceptual Intelligence„.

Schätzen Sie Chatbots eher als nettes Lifestyle-Feature ein oder sehen Sie für bestimmte Berufsfelder gute Einsatzszenarien?

Spracheingabe hat immer auch einen Fun-Faktor. Siehe Siri, siehe Cortana. Es steht und fällt mit der Qualität der Erkennung: Nur wenn ich das Gefühl habe, dass fast alle meiner Anfragen korrekt verarbeitet werden, wird aus einer Spielerei ein ernstzunehmender Assistent. Ich glaube, es gäbe eine Menge an Apps, die durch Bots besser gelöst werden könnten – aber ein Button ist sicher einfacher umgesetzt. 

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Was genau steckt hinter dem Bot Framework?

Das Bot Framework besteht aus drei Komponenten: Dem Bot-Builder-SDK, einem Bot Directory und dem Bot Connector. Das SDK erleichtert die Erstellung eines Bots mit C# oder Node.js., beispielsweise kann mittels FormFlow aus einer simplen Klasse ein Bot „generiert“ werden – dieser fragt dann Property für Property ab. Mehr Infos dazu gebe ich in meiner Session „Microsoft Bot Framework„.

Ein fertiger Bot kann anschließend im Directory bereitgestellt werden und mittels existierender Konnektoren auf die verschiedenen Kommunikationsplattformen gebracht werden. Skype, Slack, Facebook, SMS, WebChat – die Integration ist wirklich einfach.

Welche Rolle spielen die Cognitive Services bei der Erstellung von Bots?

Grundlage für Bots ist die Erkennung von Sprache: Worum geht es, was will der Benutzer? Genau in diesem Punkt können Cognitive Services helfen, allen voran das „Language Understanding Intelligent Service“ (LUIS). Sehr faszinierend, was Microsoft hier den Entwicklern in die Hand gibt – unbedingt ansehen!

Zur Person:

schacherl_roman_swRoman Schacherl ist Gründer und Geschäftsführer der Firma softaware gmbh und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit moderner Softwareentwicklung vorwiegend im Microsoft-.NET-Umfeld. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er für seine Kunden individuelle Lösungen, wobei auf Benutzerfreundlichkeit und gute User Experience besonders Wert gelegt wird. Zusätzlich ist er Autor eines Buchs und mehrerer Fachartikel und nebenberuflich Sprecher auf Entwicklerkonferenzen. Roman Schacherl ist Microsoft MVP für Windows Platform Development.

Aufmacherbild: A small robot with human face von Shutterstock / Urheberrecht: Cylonphoto

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