Zwei UX-Methoden zur Evaluierung und Verbesserung der Informationsarchitektur

Webseiten-Redesign: Wie Content auf User-Bedürfnisse zugeschnitten wird
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Viele Webseiten setzen im Zuge ihres Redesigns häufig nur auf eine neue Optik und behalten ihre alte Informationsarchitektur unverändert bei. Die Anpassung des Contents an die Bedürfnisse der User ist allerdings kein Teufelswerk, sondern kann mithilfe von zwei einfachen UX-Methoden angeschoben werden.

Als Designer ist man der Gefahr ausgesetzt, mit wachsender Berufserfahrung den User immer mehr aus dem Blick zu verlieren. Je selbstsicherer man im Entwerfen und Gestalten wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, Projekte nur noch auf den eigenen Entscheidungen und nicht mehr auf den Wünschen anderer basieren zu lassen.

UX-Methoden sind hilfreich, damit schlechte Angewohnheiten nicht die eigene Arbeit gefährden. Sie unterstützen Designer dabei, während des Gestaltungsprozesses das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und ihre Anstrengungen auf die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer zu richten.

Wie solche Techniken den Kontakt zum Anwender nicht abbrechen lassen, kann gut an bereits vorhandenen Designs und Produkten aufgezeigt werden. Wie ihr mittels zwei einfacher UX-Methoden den Content eurer Webseite im Zuge eines Redesigns auf die Wünsche und Bedürfnisse der User abstimmt, erklären wir in diesem Artikel.

1. Evaluierung: Content Audits

Der erste Schritt zur Überarbeitung der Inhaltsstruktur besteht in der Evaluierung des bestehenden Contents. Unter sogenannten „Content Audits“ versteht man die Tätigkeit, die Inhalte einer Homepage zu überprüfen und in einer Liste zusammenzutragen. Ob hierbei das gesamte Angebot oder nur bestimmte Teile berücksichtigt werden, ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich und muss situationsabhängig entschieden werden.

Content Audits sorgen in der Regel dafür, ein besseres Verständnis über den inhaltlichen Gesamtaufbau einer Homepage zu gewinnen. Man erhält nicht nur Einblicke in die Struktur des vorhandenen Inhalts, sondern kann ebenfalls ermitteln, welche Angebote von den Usern wie angesteuert werden können.

Die inhaltliche Architektur einer Webseite lässt sich am besten tabellarisch und je nach Einteilung in Form eines Baumdiagramms erfassen. Während Tabellen den Gesamtaufbau widerspiegeln, kann durch die zusätzliche Visualisierung der Pfade bestimmt werden, ob und wie einzelne Inhalte miteinander verknüpft sind.

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Die Erstellung von Content Audits ist sowohl mühselig als auch zeitintensiv und gehört daher nicht zu den Lieblingsaufgaben von Designern. Die Einblicke, die sie in die Gesamtstruktur einer bestehenden Webseite gewährleisten, sind die Mühen jedoch wert.

Die so ermittelten Daten machen es beispielsweise möglich, doppelte Inhalte identifizieren zu können. Außerdem kann abgeschätzt werden, ob bestimmte Bereiche aufgrund ihrer ungünstigen Gliederung den Blicken der User entzogen sind.

Content Audits stellen eine einfache Technik dar, um den Aufbau und die Anordnung der Inhalte einer Webseite bereits im frühen Stadium des Redesignprozesses aus der Perspektive der Nutzer zu evaluieren.

2. Verbesserung: Card Sorting

Nachdem die Content-Fehler per Content Audits ermittelt worden sind, können sie durch die Methode des „Card Sortings“ behoben werden. Das Card Sorting hilft dabei, die Informationsarchitektur einer Webseite mithilfe der direkten Einbindung der User zu verbessern.

Generell wird zwischen zwei Techniken des Card Sortings unterschieden, die sowohl analog per Karteikarte oder digital per Card-Sorting-Software durchgeführt werden können. Bei beiden Varianten werden die Teilnehmer ohne vorherige Gruppenzuordnung ausgewählt.

Bei der offenen Methode werden die Probanden gebeten, die Inhalte der eigenen Webseite gemäß ihrer eigenen Präferenzen in Gruppen zu unterteilen und sie jeweils mit einem Namen zu versehen. Bei der geschlossenen Variante hingegen werden die Teilnehmer dazu aufgefordert, den Content der eigenen Homepage in bereits vordefinierte Gruppen aufzuteilen.

Beide Varianten können miteinander kombiniert werden. Ein geschlossener Test kann beispielsweise dabei helfen, die im Zuge des offenen Verfahrens ermittelten Titel der unterschiedlichen Gruppen auf ihre Funktionalität hin zu überprüfen.

Aber ganz egal auf welche Technik zurückgegriffen wird: Der Vorteil des Card Sortings liegt darin, die evaluativen Ergebnisse von Content Audits mit den Erwartungen der Nutzer abzugleichen.

Designer können auf diese Weise klar festlegen, welche Inhalte weiterhin angeboten, gelöscht oder neu hinzugefügt werden müssen. Außerdem ist die Benennung und Anordnung der Themengruppen auf die Vorschläge der Nutzer zurückzuführen, was wiederum eine intuitive Navigation zur Folge hat.

Fazit

Durch Content Audits und Card Sorting sind Designer in der Lage, im Redesignprozess sowohl die vorhandene Contentstruktur als auch die Navigation im Sinne der User zu evaluieren und zu verbessern.

Allerdings hat die Sache einen Haken: Designer sollten nicht den Fehler machen, sich ausschließlich auf diese beiden UX-Methoden zu verlassen. Sie können zwar für eine erste Orientierung sorgen, ihre Ergebnisse sollten aber im weiteren Verlauf des Redesigns mit verlässlicheren Daten aus User-Stories, Personas und Consumer-Journey-Maps verifiziert werden.

 

Aufmacherbild: Content marketing concept via Shutterstock / Urheberrecht: mayrum

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