So steigert man die UX der eigenen Webseite mithilfe von drei VR-Best-Practices

Was UX-Designer von Virtual-Reality-Entwicklern lernen können
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War es lange Zeit nur möglich als passiver Beobachter in virtuelle Realitäten abzutauchen, ist man heute durch spezielle Ausgabegeräte in der Lage, direkt mit der fingierten Welt zu interagieren. Die Perspektivenverschiebung hat eine intensivere VR-Erfahrung zur Folge, die sich in vielen Punkten mit dem überschneidet, was wir heute unter einer guten User Experience verstehen.

Die Vorstellung virtueller Realitäten fasziniert die Menschen schon seit Langem. Bereits 380 v. Chr. stellte Platon in seinem Höhlengleichnis die Frage, ob unsere wahrgenommene Umwelt nicht nur ein Schatten einer höheren Realität sei. In ihrem 1999 erschienen Film „Matrix“ arbeiten die Wachowski-Geschwistern die Thematik cineastisch auf und untermauerten die anhaltende Aktualität der Frage.

Was Platon von den Wachowski-Geschwistern indes trennt, ist die visuelle Umsetzung ihrer Geschichte. Während der Philosoph notgedrungen allein auf mündliche Überlieferungen und geschriebene Worte vertrauen musste, versetzte der technische Fortschritt die beiden Regisseure in die Lage, auf bewegte Bilder setzen zu können. Doch egal ob mündlich, schriftlich oder visuell: Es wird immer nur von einer virtuellen Welt berichtet – der Zuhörer ist stets passiver Beobachter und niemals aktiver Teilnehmer.

Artikelserie
Teil 1: Was UX-Designer von Architekten lernen können
Teil 2: Was UX-Designer von Virtual-Reality-Entwicklern lernen können
Teil 3: Was UX-Designer von Marktforschern lernen können

Virtual Reality: 3 Best Practices

Die Forschung rund um das Thema der Virtual Reality ist mittlerweile weiter vorangeschritten. Durch spezielle Ausgabegeräte, wie zum Beispiel das Oculus Rift, ist es möglich geworden, die User direkt mit einzubeziehen. Im Unterschied zur filmischen Immersion erlaubt die VR eine direkte Interaktion mit der virtuellen Umgebung und sorgt so für eine deutlich intensivere Erfahrung.

Hierbei überschneidet sich das Eintauchen in eine virtuelle Realität mit der Erwartungen an eine gute User Experience eines digitalen Produkts. In beiden Fällen muss der Gegenstand so gestaltet sein, dass er den Nutzern eine in sich geschlossene und konsistente Erfahrung vermittelt. Diesbezüglich können sich UX-Designer ein paar Tricks von Virtual-Reality-Entwicklern abschauen. Worin diese genau bestehen, erklären wir euch im Folgenden am Beispiel von drei VR-Best-Practices.

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1. Präsenz

Ein wichtiger Baustein für eine gute VR liegt in der realistischen Simulation von Präsenz. Je besser sie umgesetzt wird, desto weniger zweifelt der Nutzer an der Authentizität der vorgefundenen Welt. Eine gute virtuelle Präsenz zeichnen sich dadurch aus, dass die Mechanismen ihrer Instandsetzung so weit wie möglich vor den Usern verborgen werden und im Hintergrund ablaufen. Hierfür notwendig sind eine ausgefeilte Head-Tracking-Technologie sowie geringe Latenzen und hohe Auflösungen. Virtuelle Umgebungen müssen nicht nur gut gerendert sein, sondern ebenfalls in Echtzeit auf die Interaktionen der Anwender reagieren.

Auch wenn beim Browsen durch die Inhalte einer Homepage kaum einer vergessen wird, dass er sich auf einer Webseite befindet: Die Präsenz ist für die Steigerung der User Experience wichtig. Damit die Benutzer ein digitales Produkt intuitiv bedienen können, müssen die Interaktionen reibungslos und ohne Irritationen über die Bühne gehen. Bei Designentscheidungen ist daran zu denken, den Nutzer an die Hand zu nehmen und ihn mithilfe des Einsatzes visueller Bausteine zielsicher durch die verschiedenen Inhalte zu navigieren.

Ein wichtiger Faktor, um die Präsenz des eigenen Auftritts zu stärken, liegt beispielsweise in der Verwendung universell verständlicher Elemente. Durch den Einsatz des Einkaufswagens auf E-Commerce-Webseiten oder die Verwendung des Hamburger-Icons als Menüersatz fällt dem Anwender die Interaktion mit den Inhalten leichter. Gestalterische Experimente sind durchaus erlaubt: Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass ein noch so schönes User Interface nutzlos ist, wenn die Nutzer nicht wissen, was sie damit anfangen sollen.

2. Details

Im Gegensatz zur passiven Umsetzung in Film und Computerspielen müssen sich Virtual-Reality-Entwickler darauf einstellen, dass sich die Endnutzer in der virtuellen Realität nahezu frei bewegen können. Sie bestimmen selbst, was sie sich wie lange und zu welcher Zeit anschauen. Die Virtual Reality lädt Spieler dazu ein, alles genau zu erforschen und nach eigenem Belieben zu untersuchen. Damit die virtuelle Präsenz darunter nicht leidet, müssen sämtliche Texturen und Geometrien bis ins kleinste Detail ausgearbeitet werden.

Der Kontrollverlust lässt sich eins zu eins auf das User Interface von Apps und Webseiten übertragen. So kann das Verhalten der Nutzer im Umgang mit visuellen Elementen nicht im Vorhinein festgelegt werden. Als Designer ist man nicht in der Lage, die Handlungen der Anwender direkt zu kontrollieren. Wichtig ist es, ein angemessenes und funktionales Umfeld zu schaffen, dass ihre Interaktionen bestmöglich antizipiert. Diesbezüglich müssen die visuellen Bausteine vor, während als auch nach Projektabschluss kontinuierlich gestestet und so mit den Wünschen der User abgeglichen werden.

3. Interaktivität

Die Möglichkeit der Nutzer, sich interaktiv mit der Welt auseinandersetzen zu können, ist das Hauptmerkmal von VR. Um in eine virtuelle Welt wirklich abtauchen zu können, muss man aktiver Teilnehmer und nicht bloß passiver Beobachter sein. Die eigenen Bewegungen sind meistens das erste Element, die eine virtuelle Realität interaktiv erscheinen lassen. Selbst bei linearen Erzählstrukturen steht es den Usern in der Regel frei, sich während des Geschichtsverlaufs autonom in der Welt zu bewegen.

Eine weitere Methode, die von VR-Entwicklern zur Erzeugung von Interaktivität herangezogen wird, sind von den Nutzern ausgelöste Aktionen. Als Richtlinie gilt, dass jedes interaktive Objekt auf sämtliche Bewegungen der Protagonisten in bestimmter Weise reagieren sollte. Wird beispielweise ein Button nicht komplett runtergedrückt, muss das Objekt dennoch auf die Aktion ansprechen. Richtig umgesetzt führt dieser Effekt dazu, dass die Welt von den Anwendern als taktiles Erlebnis wahrgenommen wird.

Interaktionen, die den Benutzern die Inhalte und Ziele einer Webseite transparent vermitteln, sind ein wichtiger Bestandteil jeder guten User Experience. Methoden wie das Storytelling oder das Parallax-Scrolling reagieren auf die Interaktionen der Nutzer und vermitteln ihnen den Eindruck, durch die eigenen Bewegungen den Verlauf und die Präsentationen der Inhalte steuern zu können. Zwar herrschen hier lineare Erzählstrukturen vor, dennoch ist es den Anwendern teilweise auch möglich, sich nach links und rechts umschauen zu können. Vielen Seiten fördern ein solches Verhalten beispielsweise durch den gleichzeitigen Einsatz von vertikalen und horizontalen Scrollens.

Immer häufiger werden zur Vermittlung von Zielen Mikrointeraktionen herangezogen. Solche Interaktionen beziehen sich auf ein einzelnes Element und können von den Usern in kurzer Zeit ausgeführt werden. So binden mehr und mehr Webpräsenzen Social-Media-Elemente wie zum Beispiel Like-Buttons in den eigenen Auftritt ein. Durch ihre Implementierung wirken Seiten weniger statisch, da auf die Aktionen der Nutzer visuelle Antworten erfolgen.

Fazit

Präsenz, Details und Interaktivität bilden nur der Anfang: Je tiefer man in die Welt der Virtual Reality eintaucht, desto mehr Inspirationen für die Steigerung der User Experience hält sie bereit. Wer diesen Schritt wagen möchte, kann schon für knapp 15 Euro das eigene Smartphone in eine Virtual-Reality-Brille verwandeln und selbst die Grenzen austesten.

Aufmacherbild: Many people wearing virtual reality helmet via Shutterstock / Urheberrecht: Julia Tim

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