Entwickler Magazin 4.16
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PICAXE: Mit Spaß und Spiel zum Embedded-Profi

Erhältlich ab: Juni 2016
Umfang: 100 Seiten
Autoren / Autorinnen:
Olena Bochkor, Carsten Eilers, Tam Hanna, Dr. Veikko Krypczyk, Martin Mohr, Peter Nehren, Danny Reinhold, Alexander Rudolph, Wolfgang Schmidt, Hartmut Schmitt, Martin Schmitz-Ohrndorf, Helmut Stoiber

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Magazin

Zahlen & Fakten

News

Work-Life-Balance: Der Koffeinkick
Teil 2: Tipps für ein gesundes Entwicklerleben

Methoden

Stillstand ist der Tod
Agilität – eine Grundvoraussetzung für funktionierende Digitalisierung

Usable Security and Privacy by Design
Teil 2: Anwendungsfälle und Musterlösungen für Unternehmenssoftware

Internet of Things

Der Regenmacher
Teil 3: Wetterdaten – aus dem Internet in LOGO!

Mit Spaß und Spiel zur Professionalität
Teil 1: Mikrocontroller und die Lernplattform PICAXE

Security

Internet of Targets
Die potenziellen Angriffsziele des IoT

Development

Endlose Weiten
Teil 9: Technische Realisation grenzenloser Spielewelten

Wie die Bilder laufen lernen
Teil 3: Implementierung eines Spiels auf Basis von JavaScript und HTML5

Nicht nur für Physiker
Erste Schritte mit dem Urgestein Pascal

Biometrische Technologien
Teil 2: Implementierung biometrischer Anwendungen

Web

PHP kompakt
Teil 2: Formularauswertung und objektorientierte Programmierung

„Gefangen zwischen Mut und German Angst.“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Zeiten ändern sich, und es scheint, als würde der Rest der Welt vormachen, in welche Richtung wir technologisch zu marschieren hätten. Dabei geht es mir nicht um großartige Ideen oder Neuerungen – die haben wir in Deutschland auch. Vielmehr geht es um den einen notwendigen Schritt, den wir nicht zu gehen bereit sind. Es scheint, als wären wir gefangen zwischen dem Mut, Neues zu wagen, und der uns irgendwie typischen German Angst, die uns stets einflüstert: „Ja, aber das kannst du so nicht machen, das nehmen die Nutzer nicht an.“

Doch ist das wirklich so? Wie viel kann man Nutzern zutrauen? Und wo ist der Punkt gekommen, an dem man sich selbst eine Grenze auferlegen muss?

Sind wir doch einmal ehrlich: Gerade wir Deutschen haben den Ruf, sehr bedacht auf unsere Privatsphäre zu sein. Das ist gut und wichtig. Dennoch müssen wir auch lernen, dass ein gewisser Teil unserer Daten genutzt werden kann, um unser Leben noch besser und angenehmer zu machen. Wenn wir zulassen, das ein Teil unserer Daten beispielsweise anhand von Uhrzeit, Standort oder anderen Verhaltensmustern dazu genutzt wird, dass uns eine Software oder ein Stück Hardware einen für uns optimierten Vorschlag präsentiert, können wir unsere Zeit und Ressourcen noch gezielter nutzen. Wie gut das wäre! Wenn wir gezielt einen Parkplatz finden könnten, der uns auf dem Weg nach Hause noch an einem Supermarkt vorbeiführt, wohl wissend, dass die Milch zur Neige gegangen ist, was dem morgendlichen Cappuccino im Wege steht – das wiederum sorgt für schlechte Laune, der Blutdruck steigt, was Herzkrankheiten begünstigt … na ja, ein wenig dramatisiert vielleicht, aber ich hoffe, Sie können mir folgen.

Dass das – optimistisch formuliert – nicht immer gut geht, beweist ein nicht ganz kleiner Grabenkrieg, der aktuell zwischen Nutzern und Werbetreibenden geführt wird. In einem nicht ganz unbedeutenden Mikrokosmos namens „Internet“. Dort hat sich schon seit langer Zeit das „Kostenlosprinzip“ etabliert:Mman liest an allen Ecken und Enden mehr oder weniger tolle Inhalte; vollkommen kostenlos natürlich. Das war schließlich schon immer so (Was, bei genauerer Betrachtung, so eigentlich gar nicht richtig ist. Aber das ist eine andere Geschichte). Das nervige daran ist jedoch die Tatsache, dass man von allen Seiten mit zum Teil höchst aggressiven Werbeeinblendungen bombardiert wird, von unauffällig am Rand platziert über bildschirmfüllend bis hin zu in Form eines Videos laut losplärrend, sobald die Seite geladen ist. Was aufgrund der immensen Anzahl an Werbebannern natürlich entsprechend länger dauert.

Nun ist das Netz nicht das eine – es unterteilt sich in viele kleine Gruppen: in getriebene Enthusiasten, die ihr Wissen oder ihre Meinung kundtun möchten, in Journalisten, die ihr täglich Brot damit verdienen, in Unternehmensseiten die per se ja als Aushängeschild herhalten, in soziale Netzwerke und vieles mehr. Und bis auf sehr wenige Ausnahmen können nur die wenigsten von Luft und Liebe leben, irgendeinen Preis hat man meistens zu bezahlen. Im Großteil aller Fälle sind das Daten, die über uns und unser Surfverhalten gesammelt werden; eben auch über die Werbeeinblendungen.

Diese Datensammelwut aber führt zum Teil zu kuriosen Ergebnissen. Zum einen ist es nur selten so, dass die gesammelten Daten dafür sorgen, dass uns die uns angezeigte und aus den mühsam gesammelten Daten „errechnete“ Werbung auch nur im Ansatz einen Mehrwert bietet. Ehrlich: Wenn ich mir einen Kaffeevollautomaten gekauft habe, brauche ich keine Werbung für noch mehr Kaffeevollautomaten, auch wenn die Vorstellung verlockend ist.

Das wahre Elend aber ist, dass man oft genug das Gefühl hat, dass gerade im Internet Werbung lauter und auffälliger ist. Sie blinkt und ist laut und manchmal nur mit viel Mühe und Zufall auszublenden. Kein Wunder, dass viele Nutzer mittlerweile zur Selbstjustiz in Form von Adblockern greifen. Was einige Contentanbieter nun so weit gebracht hat, danach zu suchen und den Nutzer mit mehr oder weniger freundlichen Landing Pages bei Verwendung eines solchen Adblockers darauf hinzuweisen, dass man ihn doch bitte zu aktivieren habe, um in den Genuss des Contents zu kommen.

Ich sprach gerade von Grenzen, die man sich selbst auferlegen müsse, doch vielleicht ist es der Mut, einen neuen, kreativen Schritt zu gehen, der uns antreiben muss. Das gilt nicht nur für den Kreis der Werbenden – das gilt auch für User, die bereit sein sollten, nicht allem sofort ablehnend gegenüberzustehen. In erster Linie gilt das aber für Entwickler, die neue, innovative Lösungen entwickeln, und das meist hinter verschlossenen Türen tun. Warum nicht einfach mal den mutigen Schritt unternehmen und offen kommunizieren, was unter der Haube geschieht, was mit all den gesammelten Daten passiert und welche Vorteile sich dem Nutzer daraus ergeben. Und zwar in genau dieser Reihenfolge – nicht irgendwo im Kleingedruckten.

Ich mein ja nur.

Ihr
Tom Wießeckel
@entwickler


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