Raspberry Pi; Raspbian, Windows 10 IoT Core, Ubuntu & Co.

Raspberry Pi Betriebssysteme – die Top 10

Raspberry Pi Betriebssysteme – die Top 10

Raspberry Pi; Raspbian, Windows 10 IoT Core, Ubuntu & Co.

Raspberry Pi Betriebssysteme – die Top 10


Der Raspberry Pi hat mittlerweile in so gut wie jedes Tinkerer-Wohnzimmer Einzug gehalten. Denn mit dem kleinen Einplatinencomputer lassen sich nicht nur ziemlich coole Projekte umsetzen, sondern man kann ihn auch als handlichen, leichtgewichtigen Universal-PC nutzen. Im Folgenden stellen wir euch zehn Raspberry Pi Betriebssysteme vor, die ihr auf eurem Raspi installieren könnt.

Die hier vorgestellten Raspberry Pi Betriebssysteme repräsentieren bei weitem nicht alle OS, die auf dem Markt existieren. Bei der Fülle an Distributionen haben wir uns an dieser Stelle auf die zehn bekanntesten und nützlichsten Betriebssysteme für den Raspberry Pi beschränkt. Sie alle bringen wichtige Apps und einige ziemlich coole Features mit sich. Übrigens: Falls nichts anderes erwähnt ist, lassen sich alle Betriebssysteme via SD-Karte installieren.

Raspberry Pi Betriebssysteme – die Top 10

1 NOOBS

Für Einsteiger im Umgang mit Raspberry Pi bietet sich der offizielle Installationsassistent NOOBS an. NOOBS steht für „New Out Of Box Software“ und lehnt sich an das in Gamer-Kreisen gebräuchliche Wort für Anfänger an. Der Installationsassistent beinhaltet das OS Raspbian (2) sowie eine Auswahl an weiteren Drittanbieter-Betriebssystemen, die dann über das Internet heruntergeladen und installiert werden können. Alternativ kann auch auf NOOBS Lite zurückgegriffen werden, das ohne Raspbian daherkommt.

Die Raspberry-Pi-Foundation bietet eine ausführliche Installationsanleitung für alle NOOBS an – entweder kauft man eine SD-Karte mit bereits vorinstalliertem NOOBS oder man lädt sich die ZIP-Datei auf eine SD-Karte mit mindestens 8 GB Speicher.

2 Raspbian

Beim Raspbian handelt es sich um das offizielle Betriebssystem für den Raspberry Pi. Dadurch wird das Debian-basierte OS quasi zum Standardbetriebssystem für den Raspi. Vorteil der von Debian angepassten OS-Variante ist ihre Verbreitung auf Serversystemen und als Desktop-Distribution. So können Nutzer auf rund 35.000 Software-Pakete zurückgreifen. Installiert wird Raspbian entweder über NOOBS oder als ZIP-Datei. Zusätzlich zum Betriebssystem ist weitere Software wie Python, Scratch, Java und Sonic Pi enthalten.

Die aktuelle Raspbian-Variante Jessie wurde im März 2016 auf Kernel-Version 4.1 aktualisiert und ist nun noch ein Stück benutzerfreundlicher: Jessie startet direkt im Desktop-GUI und nicht wie zuvor in der Linux-Kommandozeile. Zudem wurde das User Interface auf Version 3 des GTK+ UI-Toolkits aufgewertet, was die Benutzeroberfläche moderner erscheinen lassen soll. Auch Office-Applikationen wurden verbessert, um dem Raspberry Pi mehr Eigenschaften eines Standard-Computers zu verleihen: Ein Textverarbeitungsprogramm (LibreOffice) und ein E-Mail-Client (Claws Mail) wurden hinzugefügt.

3 Pidora

Bei Pidora handelt es sich um eine an den Raspberry Pi angepasste Version der Linux-Distribution Fedora. Anfangs war sogar angedacht, dieses OS als Standard-Distribution anstelle von Raspbian einzusetzen. Allerdings waren die ersten Versionen zu langsam und fehlerhaft, weswegen Raspbian der Vorzug gegeben wurde. Mittlerweile sind die Probleme aber behoben. Trotzdem sollte Pidora besser nur auf Pis mit mindestens 512 MB RAM eingesetzt werden, da es ziemlich viele Ressourcen verbraucht.

Pidora richtet sich eher an fortgeschrittene Nutzer. Fast alle Software-Pakete für Fedora stehen –mit Ausnahme einiger Audio- und Video-Codecs – auch für die Raspi-Distribution zur Verfügung. Bei einer geplanten Multimedia-Nutzung empfiehlt sich deshalb eher Raspbian (2) oder LibreELEC (7) bzw. OSMC (8). Ein besonderes Schmankerl von Pidora ist der Headless-Modus, mit dem man das OS auch auf Geräten ohne Monitor oder Display installieren kann. Eine ausführliche Installationsanweisung findet sich auf der Projektwebsite.

4 Ubuntu MATE

Auch andere Debian-basierte Linux-OS-Varianten lassen sich auf den Raspberry Pi portieren. Eine davon ist Ubuntu MATE, eine Ubuntu-Variante für den Raspberry Pi 2 und Raspberry Pi 3. Die aktuelle Version trägt den schönen Namen Wily Werewolf (Ubuntu MATE 15.10). MATE hat bereits wichtige Apps an Bord, darunter zum Beispiel Dateimanager, Texteditor, Bildanzeige, Systemüberwachung und Terminal.

Das Betriebssystem läuft relativ flüssig, allerdings können bestimmte microSD-Karten zu Problemen mit der Geschwindigkeit führen. Die Ubuntu-Entwickler empfehlen daher eine microSDHC-Karte der Klasse 6 oder 10. Eine Installationshilfe findet sich auf der Projektwebsite; das Betriebssystem wird von der Raspberry-Pi-Foundation als Alternativ-OS empfohlen.

[Update 05.07.2016] Übrigens: Auch Xubuntu ist einen Blick wert. Dabei handelt es sich um ein Derivat des Betriebssystems Ubuntu, das wiederum von Debian abstammt. Xubuntu verwendet die Xfce-Desktopumgebung, die vor allem für ihre Stabilität und ressourcenschonende Arbeitsweise bekannt ist. Xubuntu liegt derzeit in Version 16.04 vor und eignet sich für eine Installation auf Raspberry Pi 2 sowie Raspberry Pi 3.

5 Windows 10 IoT Core

Versuche, Windows-Betriebssysteme auf einem Raspberry Pi zum Laufen zu bringen, gab es bereits einige – allerdings ohne wirklichen Erfolg. Doch mit der Veröffentlichung von Windows 10 IoT Core ist der Traum von Windows auf Raspberry Pi Realität geworden: Seit letztem Jahr unterstützt die Windows-Distribution den Raspi. Vor allem auf dem Raspberry Pi 3 lohnt ein Einsatz von Windows 10 IoT Core, denn dieser ist „Out-of-the-Box“ fürs IoT vorbereitet. Auch hier läuft die Installation über microSD-Karte; Windows 10 IoT Core steht auf der Microsoft-Developer-Website zum Download bereit. Die Raspberry-Pi-Foundation empfiehlt Windows 10 IoT Core als offizielle Alternative zu Raspbian.

6 RISC OS

Eine weitere Alternative zu den Linux-Betriebssystemen auf dem Raspberry Pi ist RISC OS. Die ursprüngliche Variante von RISC OS wurde bereits in den 1980er-Jahren entwickelt und fand vor allem auf dem Archimedes-Rechner von Acorn Anwendung. Seit 2006 wird das OS in einer (nicht ganz) freien Version weiter vertrieben und läuft durch seine Auslegung auf ARM-Architekturen nun auch auf dem Raspi.

Im Unterschied zu anderen OS birgt RISC OS eine Besonderheit: Statt Dateien direkt aus einem Programm zu öffnen, muss zuerst das jeweilige Verzeichnis geöffnet und die Datei dann in das Programm gezogen werden. Allerdings wirkt das Betriebssystem im Vergleich mit anderen Distributionen leicht veraltet, obwohl es von der Raspberry-Pi-Foundation noch immer als Alternative zu Raspbian empfohlen wird.

7 & 8 LibreELEC & OSMC

Gerade als Mediacenter wird der Raspberry Pi gerne eingesetzt, da sein hardwarebeschleunigter Grafikchip Musik und Videos ruckelfrei und energiesparend wiedergibt. Zudem lässt sich der Raspi schnell und einfach an größere Bildschirme oder Fernseher anschließen. Vor allem die beiden Distributionen LibreELEC und OSMC haben sich etabliert und bieten in Kombination mit dem Raspberry Pi ein preisgünstiges Mediacenter.

LibreELEC ist eine Weiterentwicklung des bekannten OpenELEC, das vor allem durch seine gute Performance punkten kann. Zudem wird es von der Raspberry-Pi-Foundation als Drittanbieter-OS empfohlen. OSMC setzt zusätzlich auf Debian Linux und bietet mehr Feintuning-Möglichkeiten am System als LibreELEC. Beide basieren auf XBMC (Xbox Media Center), das heute unter dem Namen Kodi bekannt ist. XBMC kann Medieninhalte nicht nur lokal oder vom Netzlaufwerk abspielen, sondern auch Webstreams wiedergeben. Außerdem lassen sich externe Programme starten und Skripte einbinden. Darüber hinaus stehen sowohl für LibreELEC als auch für OSMC Add-ons zur Verfügung.

9 RetroPie

Der Raspberry Pi kann auch als Emulationsmaschine für alte Spieleklassiker dienen: Dank RetroPie lassen sich Spiele von Konsolen wie NES, Mega Drive, SNES, Game Boy oder Playstation ganz einfach auf den Raspi bringen. Das Raspberry Pi Betriebssystem setzt auf Raspbian, EmulationStation, RetroArch und einige weitere Projekte auf. Entweder installiert man RetroPie auf ein bestehendes Raspbian-System oder startet mit dem RetroPie-Image und fügt später zusätzliche Software hinzu.

RetroPie vereinheitlicht die Installation und Konfiguration der verschiedenen Emulatoren und Treiber für Controller. Zudem bietet das OS eine ganze Reihe an Konfigurationsmöglichkeiten, um das System an die eigenen Wünsche anzupassen. RetroPie steht derzeit in Version 3.8.1 zur Verfügung; eine Installationsanleitung steht auf GitHub bereit.

Screenshot: https://retropie.org.uk/

Screenshot: https://retropie.org.uk/

10Android

Noch gibt es Android zwar noch nicht offiziell auf dem Raspberry Pi, doch existieren bereits einige Versuche, das mobile OS auf dem Einplatinencomputer zum Laufen zu bekommen. So hat zum Beispiel das Community-Projekt Razdroid bereits in mehreren Projekten versucht, diverse Android-Versionen zu installieren. Aufgrund von fehlender Hardware-Beschleunigung laufen diese aber bislang weder flüssig noch fehlerlos.

Wesentlich erfolgreicher ist hingegen Arne Exton mit seinem RaspAnd-Projekt. Aus diesem Projekt stammt ein stabiler Android-5.1-Build, der sowohl auf Modellen der Raspberry-Pi-2-Familie als auch auf dem Raspberry Pi 3 stabil läuft. Allerdings ist beim aktuellen Dreier-Modell noch mit einigen Einschränkungen zu rechnen. So können etwa die meisten Apps nicht via Google Play Store installiert werden, sondern es muss auf den Aptoide App Manager zurückgegriffen werden. Außerdem ist es nicht möglich, WiFi und Bluetooth zu nutzen. Wie die Installation funktioniert, erklärt Exton ausführlich in seinem Blogbeitrag.


Nutzt ihr den Raspi auch als Allzweck-Rechner? Welche Raspberry Pi Betriebssysteme habt ihr auf eurem Raspberry installiert? Wir freuen uns auf eure Kommentare! 

Aufmacherbild: Delicious first class fresh raspberries isolated on whiteVector concept OS operating system on the screen of computer tablet laptop smartphone von Shutterstock / Urheberrecht: Will Thomass & irin73bal

Mascha Schnellbacher studierte Buchwissenschaft und Deutsche Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seit Juni 2015 arbeitete sie als Redakteurin in der Redaktion des Entwickler Magazins bei Software & Support Media. Zuvor war sie als Lektorin in einem Verlag sowie als freie Editorin tätig.


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