Wie man ohne Programmierkenntnisse trotzdem auf dem Softwaresektor arbeiten kann

IT-Skills jenseits von Programmiersprachen
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Man könnte fast glauben, dass die Tech-Branche das neue „was mit Medien“ geworden ist, wenn es um die Berufswünsche junger Menschen geht. So gut wie jeder möchte irgendwie mit dem Internet arbeiten, und das ist durchaus verständlich. Immerhin wächst die IT-Branche unaufhaltsam und bietet so beste Chancen auf eine erfolgreiche Karriere.

Allerdings liegt nicht jedem das Programmieren – zum Glück ist das auch gar nicht notwendig, um einen guten Job in der Tech-Branche zu bekommen. Es gibt ja noch viele andere gefragte Fähigkeiten in dieser Branche! Und auch denjenigen, die einfach genug von der Programmierung haben oder schlicht und ergreifend ihre Fähigkeiten erweitern möchten, bieten sich hier tolle Chancen.

Methoden und Entwürfe, Tests und SEO: Das alles sind Dinge, die notwendig sind um ein Webdevelopment- oder Softwareprojekt erfolgreich abzuschließen, aber nur wenig mit Programmierung zu tun haben. So können die meisten Entwickler wahrscheinlich nicht gut zeichnen. Gute Entwürfe können aber im Webdesign viel wert sein, wenn der Kunde für eine Idee begeistert werden soll. Und Agile, das ist ja fast eine Wissenschaft für sich! Insofern bieten sich innerhalb des IT-Sektors viele Jobchancen auch jenseits der Programmierung. Auch Entwickler können so ihre Fähigkeiten gut erweitern oder ganz neue berufliche Herausforderungen ausprobieren, wenn sie mit ihrem aktuellen Job nicht zufrieden sind.

Agile Methoden

Die agile Arbeitsweise wird inzwischen sogar auf vielen Gebieten angewendet, die überhaupt nichts mit Softwareentwicklung zu tun haben, beispielsweise im Marketing. Aber selbst in der IT handelt es sich bei Agile um eine Arbeitsmethode, für die es erst einmal nicht notwendig ist, programmieren zu können. Darum stellt dieser Bereich eine gute Option für diejenigen dar, die eher mit Menschen als mit Maschinen umgehen können, aber trotzdem im Technologiebereich arbeiten wollen.

Die Aufgaben können dabei unterschiedlich aussehen. Einerseits braucht es Spezialisten, die Teams initial an die agile Arbeitsweise heranführen und Unternehmen hinsichtlich der agilen Transformation beraten. Dafür können betriebswirtschaftliche Kenntnisse hilfreich sein. Andererseits hat Scrum aber auch eine kontinuierliche Beratung agiler Teams fest im Konzept verankert: Der Scrum Master gehört zum Team, begleitet den Arbeitsprozess und achtet darauf, die Arbeitsweise des Teams auf dem richtigen Kurs zu halten. Hier sind Social Skills und ein psychologisches Grundlagenwissen eine gute Arbeitsgrundlage, während Kenntnisse in einer Programmiersprache eher als Bonus zu verstehen sind.

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Nützlich können diese Kenntnisse aber durchaus sein, sodass ehemalige Entwickler hier gute Chancen auf einen rein auf Agile fokussierten Job haben könnten. Und auch, wer zwar weiterhin programmieren, aber sein Portfolio zusätzlich erweitern möchte, ist mit Agile gut beraten. Die Methodik verbreitet sich immer weiter und ist so sehr gefragt!

Kreative Köpfe

Auch künstlerisch veranlagte Menschen können in der Tech-Branche Geld verdienen und so dem Schicksal des brotlosen Künstlers entgehen. Wie bereits erwähnt, können gute Entwürfe eines noch nicht umgesetzten Designs viel wert sein. Auch Prototypen lassen sich oft ohne Programmierkenntnisse erstellen, dafür stehen inzwischen nämlich diverse Tools und Programme zur Verfügung. Ein grafisches Gespür ist dabei also wichtiger als die Kenntnis einer Programmiersprache.

Auch die Beherrschung der passenden Grafiksoftware ist eine gefragte Fähigkeit. Adobe Photoshop, InDesign und Illustrator sind aus dem Designprozess einer Software oder einer Website nicht wegzudenken. Wer gut damit umgehen kann, hat also schon einen Fuß in der Tür der Tech-Branche.

UI/UX

Wenn nun aber erst mal ein Entwurf vorliegt, muss noch in Erfahrung gebracht werden, wie gut er beim Endnutzer ankommt. Dafür sind Tests und Befragungen notwendig. Die hier benötigten Fähigkeiten liegen wieder auf der Ebene des zwischenmenschlichen Kontakts sowie der Organisation und Erstellung von Test-Materialien. Testnutzer müssen akquiriert, ihre Antworten ausgewertet und dem Team präsentiert werden.

Auch gibt es beim Design eines guten User Interface einiges zu beachten. Wie werden Websites korrekt lokalisiert, welche sozialen Überlegungen müssen in das Design mit einbezogen werden, was ist gerade in Mode bei der Zielgruppe? All diese Fragen sollte jemand innerhalb des Design-Teams beantworten können!

Analysen

Sobald dann Daten in irgendeiner Form erhoben wurden, müssen diese außerdem ausgewertet werden. Oft gibt es auch so einiges mit dem Kunden zu besprechen, das eher betriebswirtschaftlicher Natur ist – oder es braucht eine Übersetzung genau solcher Informationen in eine Sprache, die auch Entwickler verstehen. Wer soll das also machen? Richtig, auch hier braucht die Tech-Branche Menschen mit technischem Verständnis, aber ohne Informatik-Abschluss. Und wer zusätzlich in der Informatik versiert ist, kann gleich noch besser mit dem Entwicklerteam kommunizieren.

Egal, ob es um die Auswertung von Nutzerdaten im Big-Data-Umfeld geht, oder darum, einen Business-Bericht zu schreiben: Mathematische und betriebswirtschaftliche Fähigkeiten sind gefragt. So wird unter anderem gewährleistet, dass das Entwicklerteam wirklich das tut, was der Kunde sich wünscht. Eine Fortbildung in Sachen BWL ist also auch für Entwickler keine schlechte Wahl, um die eigenen Kenntnisse abzurunden. Das Wissen kann auch in eine mögliche Selbstständigkeit eingebracht werden.

Marketing & SEO

Marketing-Maßnahmen müssen geplant und durchgeführt werden, Social-Media-Seiten gepflegt, das Produkt oder die Dienstleistung muss verkauft werden. Nur so können Unternehmen Geld damit verdienen. Und auch das ist nicht Aufgabe der Softwareentwickler, aber trotzdem nicht wegzudenken aus einem erfolgreichen IT-Unternehmen.

Besonders gefragt sind hier SEO-Spezialisten. Wie genau Content gestaltet sein muss, damit Suchmaschinen ihn besonders gut ranken, ändert sich regelmäßig. Was heute gut und richtig ist, kann in einem halben Jahr wieder veraltet sein: Darum braucht es jemanden, der hier auf dem Laufenden bleibt und immer das richtige Gespür dafür hat, wie Google und Co. den Content gern hätten. Allerdings sind dafür dann manchmal doch ein paar Programmierkenntnisse von Nöten, um geeignete SEO-Tools gut in eine Website zu integrieren. Aber da kann man ja mit den Kollegen zusammenarbeiten, nicht wahr?

Auch das Testen von zwei Website-Versionen gegeneinander gehört zum Marketing. Die Seiten werden natürlich vom Entwicklerteam erstellt; der so genannte A/B-Test fällt aber in den Aufgabenbereich der Marketingspezialisten. Dabei wird sowohl betrachtet, welche Version mehr Traffic generiert als auch, welche Variante schneller lädt oder zu mehr Conversionen führt. Ein technisches Verständnis ist an dieser Stelle durchaus hilfreich, aber nicht zwingend notwendig, um sich darauf zu spezialisieren.

Testen der Software

Softwaretests sind eine zweischneidige Sache. Einerseits müssen Testfälle geschrieben werden, andererseits geht es auch um die Durchführung und Auswertung der Tests. Auch hier können Mitarbeiter ohne Kenntnisse in der Programmierung durchaus mitarbeiten. Sie können mit dem Produkt aus Endnutzersicht interagieren und mit vorgegebenen Testfällen arbeiten. Auch lässt sich das Schreiben von Tests für spezifische Anforderungen erlernen, ohne gleich eine komplette Programmiersprache beherrschen zu müssen. Technisches Verständnis sollte dafür allerdings durchaus vorhanden sein. Dieser Bereich bietet sich auch als Spezialisierung für Entwickler an, die einfach keine Lust mehr darauf haben, ständig etwas ganz neues zu machen. Tests stellen ein überschaubares, aber enorm wichtiges Feld der Softwareentwicklung dar!

Support und Infrastruktur

Kandidaten mit Vorkenntnissen im Bereich der IT, die aber nicht programmieren möchten, haben allerdings noch viele weitere Optionen, um in diesem Sektor tätig zu werden. Der Kundenservice ist dann am hilfreichsten, wenn die damit betrauten Mitarbeiter verstehen, wovon sie sprechen. Dann können sie den Kunden nämlich effektiv weiterhelfen. Dazu sollten Bewerber dann aber doch recht kommunikationsfreudig sein und darüber hinaus wissen, wie sie Inhalte an nicht so technisch versierte Menschen vermitteln können. Gute Nerven sind ebenfalls von Vorteil!

Die braucht es auch als System-Administrator. Je nach Ausrichtung unter Unternehmen sollte der Bewerber hier doch ein paar Grundkenntnisse in der Programmierung mitbringen und zumindest mit Kommandozeilen umgehen können. Oft sind aber auch andere Fähigkeiten gefragt: Arbeitsplätze einrichten, Software installieren und so weiter. Das kann durchaus der richtige Arbeitsplatz für technisch denkende Menschen sein – und jedes Unternehmen hat Bedarf an solchen Mitarbeitern.

Schreiben

Und dann besteht natürlich auch noch die Möglichkeit, über technische Themen zu schreiben. Dokumentationen und Handbücher, Fachartikel und Werbetexte, all das muss erstellt werden. Für manche Themen braucht es mehr, für andere weniger Vorkenntnisse aus dem Bereich der Informatik, am Ende ist aber vor allem das Verständnis für technische Themen wichtig. Und das besitzen ja auch Menschen, die etwas anderes studiert haben. Wer als Entwickler genug Freude am Schreiben hat, kann sich aber auch in diese Richtung orientieren, wenn es um eine berufliche Veränderung geht.

Wer diese Fähigkeit mitbringt, kann sie außerdem sinnvoll um weitere Skills ergänzen. SEO-Wissen hilft dabei, Content richtig zu planen; Kenntnisse in der Grafikbearbeitung sind nützlich, um Artikel optisch ansprechend gestalten zu können. Grundkenntnisse in Sachen Google Analytics helfen dabei, die eigenen Maßnahmen zu überprüfen. So bieten sich viele Wege, um auf diese Weise in die IT-Branche einzusteigen.

Fazit

Die Tech-Branche ist ein weites Feld, das viel mehr Jobchancen bietet, als viele glauben. Nicht jeder, der hier Geld verdienen möchte, muss programmieren können. Immerhin wäre das Entwicklerteam ohne Marketing, Support und Spezialisten aus anderen Fachrichtungen doch aufgeschmissen. Veränderungen gehören heute zum Berufsalltag dazu. Nicht jeder, der einmal mit der Softwareentwicklung begonnen hat, möchte diese Richtung bis zur Rente weiter verfolgen. Und wer sich weiterbilden möchte, muss nicht immer die nächste Programmiersprache erlernen. Auch darüber hinaus stehen viele Optionen zur Verfügung, um die eigenen Kenntnisse zu erweitern und sich beruflich neu auszurichten!

 

Aufmacherbild: Close up macro shot of color pencil pile pencil nibs via Shutterstock / Urheberrecht: Levente Fazakas

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