Agile & DevOps

Der Scrum Master: Teil 8

Der Scrum Master: Hey, Du – mit Selbstreflexion ans Ziel
Keine Kommentare

Ein Scrum Master muss sich nicht nur um seine Teams kümmern, sondern auch um sich selbst. Diese Erfahrung hat unser Scrum Master Jürgen Knuplesch gemacht, und schildert in diesem Teil seiner erfundenen, aber doch sehr realen Geschichte, wie man neuen Perspektiven auf Herausforderungen finden kann.

Kurz vor Weihnachten war ich aus der Spur geraten. Ein Team wollte nicht, wie ich wollte. Der Scrum Master hat nicht nur die Aufgabe dem Team zu helfen und es zu mehr agiler Arbeitsweise zu führen. Seine wichtigste Aufgabe ist, sich selbst zu führen. Benjamin Franklin war es, der sagte: „Many people die at twenty-five and aren’t buried until they are seventy-five.” – „Viele Menschen sterben mit 25 und werden nicht beerdigt bevor sie 75 geworden sind.“

Böser Spruch! Wenn wir aufhören uns selbst weiter zu entwickeln, sind wir also nach Ansicht von Franklin so tot wie ein Schweinebraten im Eisfach. Sich selbst zu führen, ist darum nicht nur die wichtigste, sondern auch die persönlich gewinnbringendste Aufgabe. Ein guter Scrum Master will lernen. Er lernt täglich Neues über sich, lacht über sich, er reflektiert sich und entwickelt seine Fähigkeiten weiter. Er vermeidet immer mehr Waste, also „Mist“ in seinem Leben. Er sucht nach den Aufwinden und vermeidet die Sturzwinde. So kann er sich, wenn er Mal am Boden ist, selbst helfen, wieder aufzustehen und weiterzumachen.

Das Kino macht uns inzwischen deutlich, dass es den „unverletzlichen“, „immer coolen“, „immer gut gelaunten“ Helden nicht gibt. Er ist für die meisten von uns auch langweilig geworden. Ein Held mit Abgründen und Dämonen, trotz oder gerade deretwegen er zu großartigen Leistungen fähig ist, macht einen Film spannend. Darum sind meine und deine Dämonen ein wichtiger Teil jeder Persönlichkeit, die nach einer Auseinandersetzung rufen. Auch Charakterentwicklung ist etwas, das Bücher und Filme erst so richtig interessant macht. Und das ist meiner Meinung nach so, weil es mit dem wahren Leben übereinstimmt. Leider sind der Wunsch und die Fähigkeit sich selbst zu erforschen und weiterzuentwickeln in unserer Gesellschaft eher so unterentwickelt wie eine Bananenrepublik im Mittelalter. Wenn man aber darüber nachdenkt, ist Selbstreflexion sehr natürlich und vernünftig.

Selbstreflexion: Fehler erkennen…

Und so lief meine Selbstreflexion ungefähr ab:

O.K. ich habe es etwas verhauen bei meiner Vorstellung im Team Ui. Ich habe mal wieder gepredigt. Aber dank Tim und Nadja weiß ich wieder, dass ich nicht komplett auf dem Holzweg bin. Nadja hat mir gesagt, dass mein Enthusiasmus etwas Positives ist. Sie hat ja Recht. Es macht Spaß, enthusiastischen Leuten zuzuhören, denn ihre Begeisterung steckt entweder an oder gibt einem wenigstens Stoff zum Nachdenken. Die Kehrseite bei meiner Art des Enthusiasmus ist zum einen, dass ich mich ganz schnell ablöschen lasse und zum anderen, dass ich damit andere Menschen überfordere. Und genau das ist passiert. Autsch! Das tat weh. Aber Schmerzen bedeuten nicht, dass alles falsch war, was ich gesagt habe und schon gar nicht, dass ich nicht etwas daraus lernen kann. Im Grunde ist es ja logisch, dass der Scrum Master anderes im Sinn hat als das Team. Wenn er nicht etwas agil voraus ist, wie soll er dann das Team führen? Der Fehler war nicht, dass ich viel vorhabe und Ideen mit dem Team umsetzen will. Der Fehler war offensichtlich, dass ich das Team überfordert habe und dass nicht alles was ich will, auch das Richtige für jedes Team ist. Und natürlich auch, dass ich Applaus kriegen will.

IT Security Summit 2019

Sichere Logins sind doch ganz einfach!

mit Arne Blankerts (thePHP.cc)

Hands-on workshop – Hansel & Gretel do TLS

mit Marcus Bointon (Synchromedia Limited)

 

Auch Teams sind sehr verschieden. Hier habe ich es offensichtlich mit mehr nüchternen Techies zu tun als in den bisherigen Teams. Der wichtigste Scrum-Wert ist Respekt und daher muss ich die Menschen im Team Ui auch dann respektieren, wenn sie keine „zwischenmenschliche Weiterentwicklung“ wünschen und dies als „Ringelpiez mit Anfassen“ interpretieren. Irgendwie lustig, dass man Menschen nicht respektiert, wenn man Ihnen vorwirft, dass sie einen nicht respektieren. Um ein Coach für das Team Ui zu sein, sollte ich an mein Team glauben, sonst sollte ich die Rolle aufgeben. Ich gehe in Gedanken die Teammitglieder durch und stelle fest, dass ich sie alle schätze und als fähige Mitarbeiter einstufe. Ich kann das Team auf jeden Fall durch meine Moderationsfähigkeiten unterstützen und die Meetings leiten. Ich werde mich auch um die Einzelnen kümmern und beim täglichen Arbeiten werden mit Sicherheit genügend Impediments auftauchen, bei denen ich helfen kann. So langsam bekomme ich wieder Lust das Team als Scrum Master zu begleiten. Gut, dass ich meine Frustration wahrgenommen habe und auf dem besten Weg bin, den Frust konstruktiv zu verarbeiten. Als Scrum Master bin ich immer auch Pragmatiker und kein Dogmatiker. Gemacht wird nicht, was theoretisch richtig ist, sondern was auch machbar ist.

…und daraus lernen

So. Jetzt habe ich meine eigene Kolumne bis hierher noch Mal gelesen. Auweia! Das klingt ja wirklich wie eine Predigt. Das scheint wohl eine meiner Stärken zu sein: Ich predige gerne. Und es ist auch alles so ernst, was ich schrieb. Da muss jetzt noch was Kreatives dazu. Genau! Ich übersetze ein Lied von den Beatles, das genau unterstreicht, was ich schreibe. Das Lied heißt „Hey Jude“ und bei mir und auf Deutsch „Hey Du“, also „Hey Du, lieber Leser“. Leider kann ich es für diese Kolumne nicht singen, aber das erspare ich euch auch lieber und dann hätten wir auch noch mit der GEMA Trouble. Also hier ist der Text:

Hey, Du
Lass doch den Mist
Hör auf ein Lied
Und mach es besserDenk daran
Du hast doch dein Potential
Und Dann fang an
Und es wird besser

Hey, Du
Hab keine Angst
Es steckt in dir
Nun gib es weiter

Denk daran
Und sei jetzt für dich da
Und dann beginn
Und mach es besser

Und wenn der Schmerz
Dich niederdrückt
Hey, Du
Denk dran
Trag nicht diese Welt auf deinen Schultern.

Beschimpfen tut da nix dazu
Das weißt du gut
So wird diese Welt nur etwas kälter

NaNa…

Hey, du
Enttäusch mich nicht
Du bist bei dir
Auf, komm und zeig dich

Und endlich
Wird alles bei dir so klar
Und du fängst an
Und machst es besser besser….

Nanana… heyeyey du

Die nächsten Tage und Wochen bei WabelTech liefen gut ab. Ich fand meinen Respekt für das Team wieder und konnte so manches Impediment in die Richtung einer nachhaltigen Lösung steuern. Aber insbesondere war ich wieder mit mir im Reinen. Vielleicht ist es das Wichtigste als Scrum Master, für sich selbst da zu sein. Wenn es dir, lieber Leser, also gerade schlecht geht, dann mach eine Pause und denk nach, was los ist. Sei für dich da und nimm dein inneres Kind kurz in den Arm. Was ist es, was du brauchst? Finde es heraus. Gerne helfen Pierre oder ich dir dabei.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -