Künstliche Intelligenz auf dem Vormarsch

AlphaGo schlägt weltbesten menschlichen Go-Spieler
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Es war abzusehen, jetzt haben wir die Bestätigung: Künstliche Intelligenzen sind klüger als wir. Nach fünf Go-Spielen, die Googles KI AlphaGo mit 4:1 gewinnen konnte, ist der Pfad für eine Übernahme der Computer-Herrschaft geebnet.

Im Go gibt es mehr mögliche Züge als Atome im Universum, das ist auch der Grund, weshalb das Spiel noch immer als ultimative Herausforderung für jede künstliche Intelligenz gilt. Um in diesem Spiel zu gewinnen, braucht es nämlich viel Übung, Kreativität und vorausschauendes Denken – etwas, was trotz intensiver Rechenleistungen bislang keine Vorabberechnung aller möglichen Spielzüge kompensieren konnte. Bislang…

AlphaGo dominiert

Denn nun hat AlphaGo, eine künstliche Intelligenz aus dem Hause Google, es tatsächlich geschafft, den derzeit weltbesten menschlichen Go-Spieler zu schlagen. Der KI gelang nicht nur ein Sieg, sondern sie konnte Lee Sedol gleich viermal besiegen. Nur im vierten Spiel musste sich AlphaGo nach einem Fehler beim 79. Zug geschlagen geben. Dieses Ereignis ist ein Triumph der künstlichen Intelligenz und markiert einen wichtigen Meilenstein in deren weiteren Entwicklung.

Im vierten Spiel zeigte AlphaGo erstmals so etwas wie Nerven, was zu einer Fehleinschätzung führte: Erst acht Züge nach ihrem Fehler fiel der künstlichen Intelligenz dieser auf; da war es allerdings bereits zu spät. Lee Sedol meinte in der anschließenden Pressekonferenz, dass er auf eine Schwäche von AlphaGo gestoßen sei: Die KI spiele schlechter, wenn sie auf unerwartete Probleme stoße.

Allerdings konnte Sedol seine Glückssträhne nicht fortführen und verlor heute dann auch das fünfte und letzte Spiel gegen AlphaGo. Die künstliche Intelligenz hingegen bekam ehrenhalber den neunten Dan-Titel verliehen; laut südkoreanischem Go-Verband die höchste Stufe, die zu vergeben ist und die „nahezu an Göttlichkeit“ grenze.

AlphaGo has demonstrated beyond doubt its superiority over one of the world’s best Go players, reaffirming a major milestone for artificial intelligence in the process.

Alle Spiele lassen sich übrigens im YouTube-Kanal von DeepMind noch einmal anschauen.

Neuronale Netze und künstliche Intelligenzen – was versteht man eigentlich darunter?

Hinter künstlicher Intelligenz (KI, AI) versteckt sich ein Teilgebiet der Informatik, das sich mit der Automatisierung von intelligentem Verhalten befasst. Ziel einer KI ist die Nachbildung der menschlichen Intelligenz, sodass Computer eigenständig Probleme bearbeiten können. Zum Training solcher künstlicher Intelligenzen werden künstliche neuronale Netze eingesetzt, die ein biologisches Vorbild und als Ziel eine Abstraktion von Informationsverarbeitung haben.

Bereits 1943 wurde über eine Art neurologisches Netz berichtet, das jede logische Funktion berechnen kann. Darauf aufbauend formulierte Donald O. Hebb 1949 seine Hebbsche Lernregel, auf der fast alle neuronalen Lernverfahren basieren. Schon 1951 wurde ein Neurocomputer realisiert, der allerdings nicht praktisch einsetzbar war. Vor allem in den 1970er- und 80er-Jahren erlebte die Forschung eine Blütezeit mit der Entdeckung der Lösbarkeit von nicht-linear separierbaren Problemen. Zwei der bislang größten Erfolge einer KI sind der Sieg im Schach von IBMs Deep Blue gegen Garri Kasparov 1997 und der Sieg im Jeopardy-Quiz von IBMs Watson 2011.

Lesen Sie hier mehr zum Thema Neuronale Netze

DeepMind & AlphaGo

Googles KI-Forschungsprojekt DeepMind setzt auf eine Kombination aus neuronalen Netzen und Kurzzeitspeicher, um die Fähigkeit eines künstlichen Gedächtnisses zu simulieren. 2015 veröffentlichte das Unternehmen die Ergebnisse eines Forschungsprojektes, bei der die künstliche Intelligenz alte Atari-Spieleklassiker selbstständig erlernen sollte. Nach Angaben von Google DeepMind gelang es der KI, sowohl die Spielregeln zu erlernen als auch Erfolgstaktiken selbstständig zu entwickeln.

Hier finden Sie weitere Infos zu AlphaGo

Mit dem Programm AlphaGo, hervorgegangen aus den DeepMind-Forschungen, ist Google ein bedeutender Schritt auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz gelungen. AlphaGo wurde zunächst solange im Test gegen andere KIs eingesetzt, bis es die Muster des Go-Spiels gelernt hatte. Im Test schlug AlphaGo dann die anderen künstlichen Intelligenzen in 499 von 500 Spielen. Im Januar stand die erste Bewährungsprobe mit dem Einsatz gegen einen Menschen an: AlphaGo besiegte auch hier den dreimaligen europäischen Go-Meister Fan Hui in jeweils fünf Spielen zu Null.

Steht uns das nächste Skynet bevor?

Schenkt man Eric Schmidt, Executive Chairman von Alphabet, Glauben, ist der Sieg von AlphaGo zwar ein historisches Ereignis, aber kein Grund zur Sorge:

The winner here, no matter what happens, is humanity. Humanity wins because the advances in artificial intelligence and machine learning will make each, and every other, human being in the entire world smarter, more capable – just better human beings.

Auch wenn eine künstliche Intelligenz erstmals einen Menschen in einem Spiel geschlagen hat, das nicht nur Wissen, sondern auch Kreativität und Intuition braucht, ist es (zumindest derzeit) recht unwahrscheinlich, dass die Maschinen die Macht an sich reißen.

Denn was man auch beachten sollte: AlphaGo hat zwar gegen einen Menschen gewonnen, aber eben auch jedes Mal gegen den gleichen Gegner. Sich immer wieder auf einen neuen menschlichen Gegenspieler mit seinen spezifischen Eigenheiten einzustellen, erfordert noch wesentlich mehr Finesse. Die künstliche Intelligenz konnte auf diese Weise nämlich die Charakterzüge von Lee Sedol studieren und sich so auf seine Spielweise einstellen. Dennoch ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass wir uns in absehbarer Zeit gegen autonome künstliche Intelligenzen zur Wehr setzen müssen:

[Maschinen] neigen im Erfolg zur Risikovermeidung. Sie bringen den Sieg sicher ins Ziel, ohne ihn maximieren zu wollen. Go-Computer spielen wie Bayern München früher.

 

Aufmacherbild: Android holding a holographic Earth von Shutterstock / Urheberrecht: Mopic

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