Jobmarkt wird zu Bewerbermarkt

Stack Overflow IT-Recruiter Report: Unternehmen müssen um Entwickler werben
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Der IT-Stellenmarkt hat sich gewandelt, heute müssen sich Unternehmen bei Entwicklern bewerben. Jobs gibt’s nämlich genug, qualifizierte Fachkräfte nicht! Das und mehr zeigt der Stack Overflow IT-Recruiter Report.

Von Juni bis Juli 2017 hat Stack Overflow mehr als 200 deutsche IT-Recruiter und HR-Profis aus Unternehmen mit bis zu 5.000 Mitarbeitern zu ihren Erfahrungen mit der Besetzung von Entwickler-Jobs befragt. 41 Prozent von ihnen gaben an, nicht genug Kandidaten für offene Stellen zu finden; nur 5,8 Prozent waren zufrieden mit der Zahl der Bewerber auf IT-Jobs.

Stack Overflow IT-Recruiter Report

Aus Entwicklersicht steht es also gut um den Jobmarkt; Unternehmen müssen hingegen umdenken, wenn sie Jobs für IT-Fachkräfte zu besetzen haben. Der Stack Overflow IT-Recruiter Report zitiert dazu Sandra Romahn, HR Specialist Recruiting and People Development bei der msg life ag, wie folgt:

Gute Softwareentwickler können sich den Arbeitgeber aussuchen. Wir haben im Jahr 2017 einen Bewerbermarkt.

Diese Sichtweise bestätigte auch der im Frühjahr veröffentlichte Deutschland-Report des Stack Overflow Developer Surveys. 60 Prozent der dafür befragten Entwickler sind derzeit nicht auf Arbeitssuche, wären aber gegenüber guten Angeboten offen, nur neun Prozent sind aktiv auf Jobsuche. Die klassischen Jobbörsen sind dabei inzwischen von untergeordneter Bedeutung: 14 Prozent der Entwickler fanden ihre gegenwärtige Stelle darüber. Deutlich wichtiger waren jedoch Empfehlungen von Freunden und Bekannten.

Vom Stellenmarkt zum Bewerbermarkt

Die angespannte Situation für Unternehmen zeigen auch andere Daten auf. Die Bundesagentur für Arbeit berichtete kürzlich, dass bei ihnen ausgeschriebene Stellen für IT-Profis überdurchschnittlich lange unbesetzt bleiben. Auch wenn dort kein allgemeiner Mangel über alle IT-Bereiche hinweg festgestellt werden kann und die Situation sich regional stark unterscheidet, zeigt sich insgesamt, dass die Nachfrage nach Fachkräften größer ist als das Angebot. Der Branchenverband Bitkom bestätigt dies: Letztes Jahr gab es laut Bitkom-Bericht 51.000 unbesetzte Stellen in der ITK-Branche; für dieses Jahr wird ein weiteres Branchenwachstum erwartet. Im Fachkräftemangel sieht Bitkom-Präsident Achim Berg eine bedeutende Hürde für die Entwicklung der Branche:

Die Stimmung in der Branche könnte noch besser sein. Aber der sich zuspitzende Fachkräftemangel verhindert höhere Beschäftigungszuwächse und bremst das Wachstum aus.

Der Bedarf an Fachkräften wird auch weiterhin eher wachsen als sinken. 82 Prozent der Unternehmen in der ITK-Branche rechnen laut Bitkom mit steigenden Umsätzen in diesem Jahr. Die Zahl der Beschäftigten in der ITK-Branche soll bis Ende 2017 auf 1.051 Millionen anwachsen. Allerdings ist, das zeigt auch der Stack Overflow IT-Recruiter Report, die Nachfrage nach Fachkräften nicht über alle Teilgebiete der IT hinweg gleichermaßen hoch.

Großer Bedarf an Webentwicklern

Die größte Nachfrage besteht laut Stack Overflow IT-Recruiter Report an Full-Stack-Webentwicklern für Java (47,1 Prozent der Befragten suchen danach) sowie Webentwicklern für Backend (43,8 Prozent) und Frontend (37,4 Prozent). Dies sind allerdings auch die Bereiche der IT, auf die sich ein Großteil der Befragten des Stack Overflow Developer Reports spezialisiert hat: 64,4 Prozent der dafür Befragten bezeichneten sich als Webentwickler. Dennoch ist die Nachfrage größer als das Angebot. Knapp ein Viertel der für den neuen Recruiter Report Befragten sucht darum bereits weltweit nach geeigneten Fachkräften.

In dieser Situation müssen Unternehmen also neue Wege beschreiten, um passende Kandidaten zur Besetzung freier Stellen zu rekrutieren. Das Gehalt ist nicht der primär ausschlaggebende Faktor bei der Entscheidung für eine Stelle. Fachliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten, die verwendeten Technologien und Programmiersprachen im neuen Job, das Büro und die Art des Projektmanagements sind ebenfalls von großer Bedeutung für Entwickler. Kurz gesagt: Ein Job muss spannend sein und gut präsentiert werden. Unternehmen auf der Suche nach Entwicklern können keine Wunschzettel mit Anforderungen mehr formulieren und auf Bewerber warten; wichtiger ist es, darzustellen, was sie dem Bewerber zu bieten haben.

Akquise passiver Kandidaten statt Stellenanzeige

Immer häufiger bewerben sich Unternehmen darum bei den Entwicklern und nicht umgekehrt. Wo früher galt, dass es wenig erfolgversprechend ist, passive Kandidaten durch Recruiter kontaktieren zu lassen, empfiehlt der Stack Overflow IT-Recruiter Report dieses Vorgehen. Auch sollte nicht nur auf eine Strategie gesetzt werden. Würden Kandidaten angesprochen, solange sie noch keine neue Stelle suchen, könne ein positives Bild vom Unternehmen geschaffen werden. Das helfe dann dabei, eine Motivation zur Bewerbung zu schaffen, wenn der Kandidat auf Jobsuche sei oder zufällig eine klassische Stellenanzeige sehen sollte, so der Report. Die direkte Ansprache von passiven Kandidaten, die also nicht selbst das Unternehmen kontaktieren, wird als Active Sourcing bezeichnet. 39 Prozent der von Stack Overflow befragten Recruiter gaben an, dass mehr als die Hälfte ihrer Recruiting-Maßnahmen inzwischen dieser Art ist.

Wie soll diese Kontaktaufnahme aber gestaltet werden? Entwickler telefonieren offenbar nicht gern; nur 13 Prozent sehen darin einen geeigneten Weg zur Kontaktaufnahme durch Recruiter, ganze 53 Prozent gaben im Developer Survey an, dass sie diesen Kommunikationsweg hassen. Auch LinkedIn schneidet mit 17 Prozent Popularität unter den Entwicklern eher weniger gut ab. Immerhin knapp ein Viertel würde es gut finden, über Xing kontaktiert zu werden. Mit 30,3 Prozent liegt die E-Mail als Kontaktinstrument in Führung; ein Drittel wünscht sich außerdem ein persönliches Treffen mit dem Recruiter.

IT-Recruiting: Moderne Methoden für mehr Kandidaten

In deutschen Unternehmen zeigt sich jedoch auch noch ein gewisser Nachholbedarf im Rahmen des Einsatzes neuer Methoden und Technologien für das Recruiting. Employer Branding finden zwar 96 Prozent der befragten Recruiter wichtig, schöpfen das Potential aber nicht wirklich aus. So wird primär auf Karriereseiten und Social Media gesetzt; Blogs und Events für Entwickler, die das Image des Unternehmens unterstreichen und somit Interesse erzeugen könnten, werden aber selten genutzt.

Methoden aus dem Gebiet der HR-Analytics, mit denen der Erfolg von Recruiting-Maßnahmen gemessen wird, werden von 60 Prozent der Befragten zumindest teilweise genutzt. Gemessen werden hier aber vor allem die klassischen Metriken der realen Bewerberzahlen, die Time to Hire und Klicks.

Auch im Rahmen der Nutzung moderner Techniken für das Recruiting zeigt sich, dass moderne Optionen noch nicht überall angekommen sind. So führen zwar dreiviertel der Recruiter Bewerbungsgespräche auch per Videokonferenz durch und optimieren Stellenausschreibungen und Karriereseiten für Mobilgeräte; SEO-Optimierungen werden aber nur von 42,5 Prozent vorgenommen. Die Verfolgung von Candidate Journeys und Abbruchraten von Bewerbungsprozessen werden nur von 44,5 Prozent im Recruiting-Prozess genutzt.

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