Zu viele Programmiersprachen verderben den Brei

Bremst die enorme Vielfalt an Programmiersprachen die Kreativität? [Gastbeitrag]
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Wie viele Arten von Programmiersprachen kennen die meisten Entwickler? 15? 20? Und das sind nur die gängigsten, eben die, die einem sofort einfallen. Eigentlich ist es immer gut, möglichst viele Optionen zu haben, um kreativ gestalten zu können. Doch die ungeheure Vielfalt an Programmiersprachen kann womöglich auch die Stabilität der IT negativ beeinflussen.

Als ich vor über 20 Jahren in der IT anfing, gab es nur ein paar aktiv verwendete Sprachen, jetzt sind es Dutzende. Eigentlich ist es immer gut, möglichst viele Optionen zu haben, um kreativ gestalten zu können. Und die steigende Zahl neuer Programmiersprachen trägt sicherlich dazu bei. Meiner Meinung nach kann diese ungeheure Vielfalt aber auch die Stabilität der IT negativ beeinflussen.

Ich habe mal bei einem Projekt mitgearbeitet, das wir nur mit C++ realisieren konnten. C++ war nicht nur die beste Sprache für die Anwendung; es war auch die einzig passende, wenn man APIs und andere Faktoren berücksichtigt. Das Problem war, dass ich der einzige Entwickler in der Abteilung war, der C++ konnte.

Auf der einen Seite war mein Wissen hilfreich, weil wir dem Geschäftsbereich, für den wir arbeiteten, eine Lösung liefern konnten. Auf der anderen Seite konnte niemand anderes aus unserem Team die Lösung unterstützen. Als ich das Unternehmen verließ, gab es in-house keinen Mitarbeiter, der sie weiterentwickeln konnte, und das Unternehmen wollte keinen C++-Entwickler für den Support einer einzigen Lösung einstellen.

Viele Sprachen liefern ähnliche Ergebnisse

Für dieses spezielle Projekt brauchte man unbedingt einen C++-Entwickler. Die meisten IT-Projekte heutzutage erfordern allerdings keine spezifische Sprache. Zwar hat jede Programmiersprache ihre Stärken und Schwächen sowie das Potenzial, zu den sowohl besten als auch schlechtesten Use Cases zu führen.

Unternehmen haben heute aber die Möglichkeit, aus einer Vielzahl von Sprachen auszuwählen, die annähernd das gleiche Ergebnis liefern. Die Herausforderung ist, die Sprache zu wählen, die am „nachhaltigsten“ ist, sprich, die sowohl in der Entwickler-Community als ganze als auch beim eigenen Personal weit verbreitet ist.

Sprachen unterliegen Trends

Das Problem ist, dass Programmiersprachen heutzutage fast wie Mode-Trends sind, heute hip und morgen veraltet. Vor ein paar Monaten war ich bei einem Unternehmen zu Besuch. Die Führungskräfte erzählten, dass sie große Schwierigkeiten hätten einen Entwickler für eine vor fünf Jahren entwickelte Anwendung zu bekommen, weil kaum jemand diese Sprache noch beherrsche. Das Unternehmen kam zu der Erkenntnis, dass sie die Anwendung wahrscheinlich umschreiben müssen.

Diese Situation ist kein Einzelfall und kann die Produktivität in der IT drastisch reduzieren. Die Fachabteilung wird nie verstehen, warum eine funktionierende Lösung neu geschrieben werden muss – und das kann man ihnen auch nicht verübeln. Anwender sehen nur das fertige Produkt und sehen oder kümmern sich beispielsweise nicht um den Unterschied zwischen einer .NET- oder Java-Version von ein und derselben App.

Programmiersprache sorgfältig auswählen

Im Gegensatz zur Modernisierung, Neuentwicklung oder Überarbeitung ist das Überführen einer App in eine andere Sprache wie das Rad neu zu erfinden – verschwendete Liebesmüh. Da gibt es keine messbare Entwicklung, Verbesserung oder Differenzierung. Deshalb sollte die IT, wenn eine Sprache für ein Projekt ausgewählt wird, die folgenden Fragen beantworten:

  • Was ist unsere derzeitige Standardprogrammiersprache? Bei einem Standard zu bleiben erhöht die Stabilität und Langlebigkeit der Apps.
  • Nimmt ihre Relevanz derzeit zu oder ab? Wie lange gibt es sie schon? Dabei muss man nach übergreifenden und plattformspezifischen Sprachen unterscheiden und natürlich noch einen Blick auf die spezifischen Features werfen. Die weite Verbreitung einer Sprache spricht zwar für Zuverlässigkeit und Kontinuität, kann aber auch heißen, dass sich neue Features nicht mehr gut damit umsetzen lassen und diese Sprachen nur deshalb noch sehr relevant sind, weil es noch viele Anwendungen gibt, die unterstützt werden müssen.
  • Kennen und können Ihre Entwickler (ja, plural) die ausgewählte Sprache? Außer wenn Sie Ihre App modernisieren oder grundlegend neu aufsetzen wollen, müssen Sie sicherstellen, dass Sie Mitarbeiter haben, die die App unterstützen und weiterentwickeln können.
  • Wie sehen die Nutzungszahlen aus?* Es ist nicht so einfach, die Popularität einer Sprache zu messen, weil man viele verschiedene Parameter dafür heranziehen kann wie beispielsweise die Anzahl der gesuchten Programmierer, Anzahl der angebotenen Fortbildungen etc. Weiter unten finden Sie zwei Links zu Plattformen, die jeweils andere Bewertungskriterien zu Grunde legen. Unter den Universalsprachen sind Java, C, Phyton und C++ nach wie vor sehr beliebt.
  • Welche Vorbehalte und persönlichen Interessen haben Ihre Entwickler, die eine Sprache empfehlen? Entwickler haben vielleicht persönliche Vorlieben oder wollen ihr Repertoire ausbauen. Deshalb sollten Sie mit verschiedenen Entwicklern sprechen, um das Problem von möglichst vielen Seiten zu beleuchten.

Am Ende ist die Auswahl der richtigen Programmiersprache nicht so kompliziert wie der Kauf der richtigen Aktie. Mit ein wenig Sorgfalt und Recherche bei der Auswahl sorgen Sie dafür, dass Ihr Unternehmen agil und produktiv bleibt.

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