Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Stefanie Hoffmann-Palomino

Women in Tech – „Diversity ist der Schlüssel zur Innovation“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Stefanie Hoffmann-Palomino, eine der weiblichen Mobile Pionieers in Europa und Gründerin von the red lab.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Stefanie Hoffmann-Palomino

Heute erzählt uns Stefanie Hoffmann-Palomino ihre Geschichte. Stefanie ist eine der weiblichen Mobile Pionieers in Europa. Sie gründete ihr erstes Start Up aka-aki, ein Mobile Social Network, bereits in 2006. Neben ihren eigenen App-Projekten berät sie Unternehmen zu den Themen Strategie, Digitalisierung, Social Media, Konzeption und Kommunikation. Sie wird regelmäßig als Speaker bei Firmenveranstaltungen und Konferenzen gebucht, um neue Impulse zur Digitalisierung zu setzen und von ihren Erfahrungen zu berichten. 2015 gründete sie zusammen mit Christine Kirbach und Bianca Praetorius the red lab.

Stefanie_Hoffmann_Palomino

Stefanies Interesse für Technologie begann sehr früh. Schuld daran waren vor allem ihre Eltern:

Als ich zwischen drei und sechs Jahre alt war, arbeitete meine Mutter in einer Videothek und meine Eltern waren absolute Sci-Fi Fans. Das hat sein Nötiges bei mir getan. Besonders angetan war ich von Battlestar Galactica, Star Trek und Star Wars. Ich wollte unbedingt einen dieser Tricoder haben, mit dem man mehr über seine Umgebung erfahren kann und weiß, welche Gefahr um die Ecke lauert, welche Krankheit jemand hat und über den man mit anderen kommunizieren kann. Ich bekam dann immerhin einen Taschenrechner zum fünften Geburtstag. I was so in love.

Diese Faszination für Technik hat Stefanie dann auch im weiteren Berufsleben nicht mehr losgelassen.

Mein erster Job bei Bertelsmann brachte mich schon 1998 in Kontakt mit der ersten Onlinewelle und ich war absolut fasziniert davon, dass man mit wissenschaftlichen Datenbanken schon damals sehr gut Geld verdienen konnte.

Nach sieben Jahren Verlag, ich war damals 25 Jahre alt, verließ ich dann die Heimat und ging nach Berlin. Ich studierte Gesellschaftskommunikation an der Universität der Künste – ein sehr interdisziplinärer Studiengang. Meine Hauptfächer waren Strategie und Film. Diversity war damals schon ein großes Stichwort im Zusammenhang mit Kreation und Innovation.

Während unseres Diplomprojekts 2006 lernte ich dann schließlich meine Mitgründer für unser erstes Start-up aka-aki kennen, ein mobiles soziales Netzwerk. Wir gewannen damit viele Preise, zum Beispiel zwei Webby Awards, den Bitcom Innovationspreis usw. Seit 2011 bringe ich regelmäßig iOS-Apps auf den Markt. Das sind entweder Eigenentwicklungen, oder Kreationen für Kunden. Gerade  arbeite ich an einem neuen Spiel.

2015 gründete Stefanie dann erneut, diesmal mit zwei anderen Frauen, Christine Kirbach und Bianca Praetorius, zusammen:

Bei the red lab beraten wir Menschen und Unternehmen/Organisationen, wie sie in Zeiten des digitalen Wandels erfolgreich sein können. Gleich zu Beginn unserer gemeinsamen Zusammenarbeit haben wir uns dann entschieden ein Buch herauszugeben: Die Lean Back Perspektive bietet eine Sammlung von Erfahrungen, Einsichten und Strategien von mehr als 38 Autorinnen und vier Autoren im internationalen Berufs- und Karriereleben, die Mut machen, das eigene Potenzial zu entdecken und auszuschöpfen.

Diversity ist der Schlüssel zur Innovation. Unternehmen und auch Gesellschaften, die das nicht erkennen und leben, werden ins Hintertreffen geraten. Dies gilt überall, daher haben wir uns auf die Reise gemacht und gezielt Frauen ausgewählt, mit denen wir gemeinsam die unterschiedlichsten Facetten der deutschen und internationalen Wirtschaft beleuchten.

„Diversity ist der Schlüssel zur Innovation.“

Ich bin eine von zwei Geschäftsführerinnen bei the red lab. Mein Arbeitstag ist sehr unterschiedlich, ich arbeite viel konzeptionell und bin mit vielen Menschen in Kontakt. In meinem Job geht es darum, kreativ zu arbeiten und neue Ideen zu entwickeln. Ich bin viel unterwegs und man trifft mich oft am Flughafen. Einmal im Monat bin ich in Brüssel im Studio für die YouTube-Show „Moco Moments“ über mobile Technologie. Hier interviewe ich zum Beispiel die wunderbare Joana Pic über ihre Karriere Geschichte in der Branche oder befrage Lisa Lang zur Zukunft von Technologie in der Modeindustrie.

Außerdem moderiere ich eine Webinar-Reihe von She’s Mercedes, eine Initiative für Business-Frauen von Mercedes Benz.

Dementsprechend ist es Stefanie auch ein besonderes Anliegen, dass mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten:

Es wäre absolut fantastisch, wenn mehr Frauen in Bereichen wie AI und Robotics arbeiten würden. Besonders diese beiden wichtigen Felder sind extrem von Männern dominiert. Empathie und emotionale Intelligenz – Qualitäten, die im allgemeinen mehr den Frauen zugesprochen werden – würden entscheidende Impulse für die Entwicklung der wohl wichtigsten Technologien der Zukunft der Menschheit bringen.

Allerdings wird die Diversity-Debatte noch lange bestehen, glaubt Stefanie:

Es geht bei Diversity vor allem um die Anerkennung und Wertschätzung von Unterschiedlichkeiten. Da ist die Geschlechterfrage ja nur eines der Diskussionsfelder. Wir sind dazu konditioniert, das Andere im ersten Moment abzulehnen und anzuzweifeln, das steckt tief in unseren natürlichen Verhaltensmustern. Vorurteile abzubauen und das Andersartige und Neue stattdessen als Chance und Bereicherung zu empfinden, hat viel mit der Arbeit an sich selbst und dem eigenen Ego zu tun.

Trotzdem sollten Mädchen und Frauen nicht aufhören, nach einer Karriere in der Tech-Branche zu streben:

Es ist wichtig, stolz darauf sein, auf was man gut ist und das dann beharrlich weiter auszubauen. Sich nicht anpassen, sondern seiner Intuition folgen. Je authentischer man ist, desto größer sind die Chancen, ernst genommen zu werden – vielleicht besonders in der Tech-Szene.

„Je authentischer man ist, desto größer sind die Chancen, ernst genommen zu werden.“

Denn gerade die Technologiebranche hat viele Karrierechancen für Frauen, da es eben so wenige Frauen gibt und händeringend nach ihnen gesucht wird. Das wird durch die Diversity-Diskussion natürlich noch befeuert.

Ich kann also nur empfehlen, sich einer der vielen Frauen-Organisationen anzuschließen, um sich schnell ein Support-Netzwerk aufzubauen, mit dem man sich intensiv austauschen kann. Besonders wichtig ist, dass wir beginnen, uns gegenseitig beruflich zu unterstützen. Männer tun das deutlich selbstverständlicher und professioneller und profitieren davon demnach auch erheblich mehr.

Mein Tipp: Wenn ihr einen Job, der euch angeboten wird, nicht machen wollt, empfehlt an dieser Stelle immer jemanden anderen aus eurem Netzwerk, statt ihn einfach abzulehnen. Macht euch keine Sorgen, ob diese Person die Aufgabe dann auch zu 100 Prozent so machen wird, wie ihr es selbst tun würdet. Das ist nicht eure Aufgabe mehr. Ein weiterer Tipp ist, dass es besonders in großen Organisationen sehr wichtig ist, sich einen Support-Circle aufzubauen – oft sieht man, dass Frauen die Karriereleiter in Tandems aufsteigen und sich gegenseitig hochziehen.


Wie sind eure Erfahrungen als Frauen in der Tech-Branche? Und wie seht ihr Männer das – fehlen euch qualifizierte Frauen als Kollegen? Schickt uns eure Erfahrungen, Meinungen, Wünsche per Mail an redaktion@entwickler.de!

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