Mobile-Video-Marketing: Firmen entdecken Snapchat

Snapchat und Facebook auf Augenhöhe: Videos und das Werbegeschäft
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Der Messenger Snapchat hat mit acht Milliarden Video-Views am Tag genauso viele Zugriffe wie Facebook. Allerdings erreicht die App mit den Videos anteilig mehr User – und eine sehr beliebte Zielgruppe. Während sich bisher YouTube und Facebook um genau diesen Markt stritten, hat mit Snapchat ein dritter Player den Markt betreten. Erste Videowerbeformate sind bereits in der Mache.

Investoren und Werbepartner von Snapchat dürften nach folgender Bekanntmachung hellhörig geworden sein: Acht Milliarden Video-Views habe der Messenger täglich zu verbuchen, verkündete CEO Evan Spiegel auf der Morgan Stanley Technology Conference am Montag. Bei durchschnittlich 100 Millionen aktiven Usern pro Tag seien fünf Mal so viel Videos geschaut worden wie noch zu Beginn 2015, heißt es auf der Nachrichtenseite Bloomberg. Damit hat Snapchat den einstigen Kaufinteressenten Facebook eingeholt.

Facebook setzt auf das Geschäft mit Videos

Ich glaube, Video ist ein Megatrend, fast so groß wie Mobile“, sagte Mark Zuckerberg vor kurzem erst in einem Interview mit der Welt am Sonntag in Berlin. Facebook konnte bereits 2014 vier Milliarden Views vorweisen und betonte gegenüber seinen Werbepartnern das enorme Potenzial – auch um sich von Youtube abzugrenzen. Davon seien Facebook-Managerin Sheryl Sandberg zufolge 75 Prozent allein auf mobile Zugriffe zurückzuführen.

Ende 2015 konnte die Social-Media-Plattform ihre Views auf acht Milliarden steigern. Allerdings entfällt diese stattliche Zahl auf 500 Millionen aktive Nutzer. Ein oft wiederholter Kritikpunkt: Facebook setzt auf Autoplay und verbucht einen View bereits nach drei Sekunden. Snapchat-Videos sind hingegen nur 24 Stunden verfügbar und in der Regel deutlich kürzer. Unter welchen Kriterien ein View verbucht wird, hat das Unternehmen nicht öffentlich gemacht. Trotzdem könnte Snapchat für seine Geschäftspartner die vergleichsweise bessere Ausgangslage für Video-Marketing vorweisen.

Snapchat hat die besseren Karten

Insgesamt 16 Milliarden US-Dollar konnte der Instant-Messaging-Dienst 2015 von Investoren einsammeln. Da die App besonders in der Altersgruppe zwischen 13 und 34 Jahren beliebt ist, deckt Snapchat eine Zielgruppe ab, die Facebook nur noch schwerlich erreichen kann. Die Frage, ob Snapchat 2013 die richtige Entscheidung traf, als man sich gegen ein milliardenschweres Übernahmeangebot von Facebook entschied, ist längst beantwortet. 60 Prozent der Smartphone-Nutzer in den USA würden bereits Snapchat nutzen, sagt das Unternehmen über sich selbst. Und auch hierzulande wird die App unter Jugendlichen immer beliebter.

Beispiele für Snapchat-Video-Marketing

In einem kurzen Videobeitrag hat die Deutschen Welle (DW) die Funktionsweise der Snapchat-Stories vorgeführt. Darin wird auch der norwegische Künstler Ove Pedersen vorgestellt, der mit seinen kurzen und nur einen Tag lang verfügbaren Videos 50.000 Fans auf Snapchat erreicht. Der 34-Jährige hat bereits mit Disney, Starbucks und AirFrance gemeinsame Marketing-Konzepte umgesetzt. Die deutsche Autovermietung Sixt will nun ebenfalls nachziehen und bevorzugt Videowerbeformate für Snapchat entwickeln. Der Grund: Das Format würde deutlich weniger ablenken als etwa der News-Feed von Facebook. Via Snapchat seien die User deutlich fokussierter auf die Inhalte. Mit den Stories könnten gezielt Zielgruppen erreicht werden.

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Werbung auf Snapchat

Ähnlich wie bei Facebooks Instagram nutzen Unternehmen längst das Influencer-Prinzip auf Snapchat. Doch dabei allein soll es nicht bleiben. Im vergangenen Jahr stellte der Instant-Messaging-Dienst bereits erste Werbemöglichkeiten vor, darunter auch Anzeigen, die über Fotos eingeblendet werden. Für Videos sollen weitere Werbeplatzierungen folgen. User können schon jetzt verschiedene Masken für kurze Clips nutzen, um etwa einen Regenbogen zu versprühen oder enorm gealtert auszusehen. Diese zusätzlichen Tools sollen in Zukunft auch gemeinsam mit Unternehmen entwickelt werden.

Tracking und Hollywood

Laut FAZ seien bereits Hollywood-Studios an der Umsetzung beteiligt. „Gesponserte Masken erlauben es den Snapchattern, sich auf eine wirklich kreative und dynamische Weise auszudrücken und mit einer Marke zu verbinden,“ sagte eine Sprecherin von Snapchat der FAZ. Außerdem befinde sich das Unternehmen bereits in Verhandlungen mit Nielsen Holdings Plc, dem US-amerikanischen Tracking-Service von Zuschauerzahlen für Fernsehformate, berichtete Bloomberg. Scheinbar hat sich Snapchat die Kritik an Facebook zu Herzen genommen und will seinen Werbepartnern genauere Zuschauerdaten für seine Videos bieten. Zudem sollen weitere Tools folgen, damit Unternehmen nachvollziehen können, welche Kampagnen auf Snapchat effektiv waren.

Fazit

Was den persönlichen Austausch anbelangt, egal ob mit Fotos oder Videos, ist Snapchat deutlich näher an seinen Nutzern dran als YouTube oder Facebook – vor allem mobil. Das Prinzip der automatischen Löschung schafft mehr Intimität, die zusätzlichen Effekte bieten eine spielerische Atmosphäre. Auch deshalb ist Snapchat bei der jüngeren Generation so beliebt. Allerdings könnte diese Intimität durch gezielte Werbung verloren werden. Einige Negativschlagzeilen aufgrund von Datenschutzproblemen und Leaks hatten dem Messenger bereits medial zugesetzt. Wenn Snapchat auch dazu genutzt wird, um peinlichere oder intimere Inhalte zu verschicken, ist es fraglich, ob man eingeblendete Werbung nicht als Eingriff in diese Privatsphäre begreift.

Mark Zuckerberg dürfte recht behalten, dass Videos neben Mobile der Megatrend bleiben – für User wie für Werbepartner. Videos und Mobile zusammen gedacht – dieser Ansatz findet momentan durch Snapchat und Instagram seine beste Symbiose. Im Vergleich zu Facebook hat Snapchat mit acht Milliarden Views und einer größeren Verbreitung bei den aktiven Nutzern eine bessere, weil gebündelte Ausgangsposition für Werbeformate – allerdings „nur“ für eine jüngere Zielgruppe. Doch auch das könnte sich als Vorteil erweisen.

Aufmacherbild: tanuha2001 / Shutterstock.com

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