Die Pandemie als Digitalisierungstreiber

Mensch und Maschine: Ein nachhaltiger Mittelweg für die digitale Transformation
Keine Kommentare

Die Corona-Pandemie hat die Notwendigkeit der digitalen Transformation auf ein neues Level gehoben. Was viele Unternehmen bei der Suche nach den passenden Experten und Technologien übersehen, ist allerdings die Rolle, die die Mitarbeiter selbst in diesem Transformationsprozess spielen. Sie sind der Schlüssel, damit aus großen Datenmengen und smarten Tools ein echter Mehrwert entstehen kann.

Schon seit Langem hängt die digitale Transformation wie ein Damoklesschwert über der deutschen Wirtschaft. Zwar war allgemeinhin klar, dass sich der Wandel über alle Branchen und Abteilungen hinweg nicht vermeiden lässt, dennoch fehlte es vielen Unternehmen am nötigen Anstoß, den passenden Strategien – und schlimmstenfalls sogar an beidem. Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat dem ein jähes Ende gesetzt. Im Rahmen einer Bitkom-Umfrage gaben mehr als acht von zehn der befragten deutschen Unternehmen an, dass die Digitalisierung im Kontext der Pandemie für sie noch einmal deutlich an Bedeutung gewonnen habe. Und so hat das Virus in der Unternehmenslandschaft dazu beigetragen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Wer bereits frühzeitig in digitale Alternativlösungen investiert hatte und in der Lage war, sich schnell den neuen Gegebenheiten anzupassen, konnte nicht nur geschäftsfähig bleiben, sondern in manchen Fällen sogar von der Situation profitieren. Andere Unternehmen, denen dies nicht im selben Maße gelang, gerieten innerhalb kürzester Zeit ins Straucheln oder verschwanden sogar komplett von der Bildfläche. Unterstrichen wird dies auch durch die Ergebnisse von Bitkom: 70 Prozent der Unternehmen, die bereits über ein digitalisiertes Geschäftsmodell verfügen, sagten hier, besser durch die Pandemie zu kommen. Bei Unternehmen, deren Prozesse schon seit Längerem digital ablaufen, sagten dies ebenfalls 65 Prozent.

Doch Digitalisierung ist nicht gleich Digitalisierung und für den Großteil der Unternehmen scheint es nur die Wahl aus zwei Extremen zu geben. Während die einen händeringend nach den passenden Digitalexperten suchen, um diese dauerhaft einzustellen, setzen andere darauf, die von ihren Mitarbeitern ausgeführten Aufgaben durch neue Technologien zu ersetzen und ihre Teams dadurch zu dezimieren. Dabei gibt es allerdings einen wesentlichen Faktor, den beide Seiten übersehen – und das ist der Mensch. Keine Digitalisierungsstrategie der Welt kann tatsächlich nachhaltige Erfolge erzielen, wenn die wichtige Rolle, die die Mitarbeiter spielen, außer Acht gelassen wird.

Ein Wandel auf allen Ebenen

Fakt ist: Daten sind das wichtigste Gut eines jeden Unternehmens. Dabei kommt es längst nicht mehr darauf an, große Mengen anzuhäufen. Viel wichtiger ist es inzwischen, in der Lage zu sein, diese zu analysieren und entsprechende Konsequenzen daraus ableiten zu können. In der Praxis kann das aber nur funktionieren, wenn neue Technologien mit der Intelligenz der Mitarbeiter eine Symbiose bilden. Ohne smarte Tools wäre es schlichtweg unmöglich, derart große Datenmengen auszuwerten, doch nur mithilfe der menschlichen Analytik können aus den Ergebnissen konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. Die größte Herausforderung der Unternehmen besteht deshalb jetzt darin, ihre eigenen Mitarbeiter in Datenanalytiker zu verwandeln. Nur wenn beispielsweise ein Vertriebsmitarbeiter selbstständig auf die verfügbaren Daten zugreifen, sie analysieren und aufgrund der Ergebnisse etwaige Schwachstellen identifizieren kann, hat das Unternehmen auch im Großen die Möglichkeit, alle Prozesse zu optimieren und sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.

Damit das funktionieren kann, gibt es für die Unternehmen zunächst aber noch einige Hürden zu meistern. Tatsächlich sitzt die Angst, in Folge der zunehmenden Digitalisierung den Job zu verlieren, nämlich tief: Im Rahmen des Edelman Trust Barometers 2020 gaben drei von vier der Deutschen Arbeitnehmer an, eben diese Sorge zu verspüren. Bei der Annahme, man müsse selbst ein Programmierungsexperte sein, um komplexe Datenanalysen durchzuführen, handelt es sich allerdings um einen Irrglauben. Der Mensch verfügt von Natur aus über eine äußerst analytische Denkweise. In der Praxis geht es deshalb vielmehr darum, den Mitarbeitern beizubringen, ihre Fragen als Modellierungsprobleme zu formulieren, damit sie Probleme mithilfe der verfügbaren Daten selbstständig lösen können. Dies zu vermitteln, Ängste zu nehmen und stattdessen das notwendige Selbstvertrauen aufzubauen, ist deshalb eine wesentliche Aufgabe, die es für Arbeitgeber, aber auch für HR und IT jetzt zu bewältigen gilt. Nur wenn dieser Wandel über alle Abteilungen und Positionen hinweg vollzogen wird, können die Angestellten lernen, aufkommende Herausforderungen durch eine analytische Linse zu betrachten und smarte Tools zielgerichtet einzusetzen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Erfolgsfaktor Mensch

Von großen, internationalen Unternehmen wie PwC über Händler wie Gymshark bis hin zum Münchner Flughafen: Sie alle haben verstanden, dass es nicht nur große Datenmengen und moderne Technologien braucht, um die digitale Transformation erfolgreich zu meistern. Um erfolgreich sein zu können, haben sie einen Mittelweg gewählt, der den Faktor Mensch in dem Maße berücksichtigt, der ihm gebührt. Daten und Tools alleine sind nicht die Lösung, sie helfen ihnen lediglich dabei, analytischer zu denken und dadurch ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Nur Unternehmen, die diese Tatsache bei ihrer digitalen Transformation beachten, können es schaffen, das nachhaltige Fundament zu legen, das sie brauchen, um erfolgreich zu sein und aus der Masse herauszustechen – und das nicht nur während sondern auch nach der Pandemie.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -