Interview mit Gladys Kong, CEO von UberMedia

Women in Tech: „Wir müssen die Umgebung für Frauen insgesamt weniger bedrohlich gestalten.“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Gladys Kong, CEO von UberMedia.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Gladys Kong

Gladys Kong ist CEO von UberMedia, einer Firma, die mit Standortdaten handelt. Sie ist Expterin für Mobile Technology und Datenlösungen. Gladys engagiert sich beim Finden und Umsetzen neuer Ideen bei Start-Ups aus dem Tech-Bereich. 2012 hat sie als Chief Technology Officer (CTO) bei UberMedia angefangen und ist seitdem zuständig für die Transformation des Unternehmens von einem Social Media App Publisher hin zu einem der führenden mobile Werbeunternehmen. 2015 wurde sie zum CEO befördert und hat die Firma abermals verändert, indem sie UberMedia um ein Team an Datenwissenschaftlern erweiterte, um Standortdaten und Standorteinblicken für Unternehmen aus einer Reihe an Industrien anbieten zu können, darunter Geschäftsimmobilien-, Verkaufs- und Tourismusfirmen.

Gladys Laufbahn im Tech-Bereich ist umfangreich: Sie war von 2007 bis 2012 CEO und Mitgründerin bei GO Interactive, einer Social-Gaming-Firma. Davor war sie Vice President des Engineering-Teams bei Snap.com und Vice President des R&D beim Tech-Inkubator Idealab. Dort hat sie geholfen, eine Vielzahl an Unternehmen zu gründen, darunter Evolution Robotics, Picasa, X1 Technologies und viele mehr.

Gladys hat einen Bachelor of Science in Engineering and Applied Science vom California Institute of Technology inne und einen Master of Science in Computerwissenschaften von der University of California in Los Angeles. Gladys hat im CoBase Projekt von der University of California teilgenommen, in dem sie intelligente und kooperative Zugriffsmethoden erforscht und entwickelt hat, um große Datenbanksysteme zu distributieren.

Im Moment ist sie Mitglied des Aufsichtsgremiums von Innovate Pasadena, einer Nonprofit Organisation, die technologische Neuerungen und Unternehemergeist fördert, indem die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bildung unterstützt wird, um Firmen, Unternehmer, Innovatoren und Kapital einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

2015 und 2015 wurde Gladys zu einer der „30 Most Powerful Women in Mobile Advertising“ des Business Insider ernannt. 2016 hat sie der Mobile Marketer zu einer der 25 „Mobile Women to Watch“ auserkoren. Ihre Erfahrung und ihre Hingabe zu Innovationen haben direkt dazu beigetragen, dass UberMedia mittlerweile als Nummer 16 der Top 50 Start-Ups des Wall Street Journals, als eine der „50 Most innovative Companies“ des Fast Company, eine der Top 100 Privatunternehmen von OnMedia und vom Entrepeneur Magazin als eine der „Best Entrepreneurial Companies in America“ gelistet wird.

Seit wann besteht Dein Interesse für Tech?

Ich habe mein Interesse für Tech nicht entdeckt, bis ich mit 14 Jahren aus Hong Kong in die USA immigriert bin.

Englisch zu lernen war kompliziert und so hat es mich zu Mathe und zur Wissenschaft hingezogen – zum Teil, weil es da weniger um Sprache ging, aber ich entdeckte bald, dass es auch besser zu meiner Persönlichkeit passte. Ich mochte die Exaktheit von Mathe und Wissenschaft. Es gibt eine exakte Antwort: Es ist nur eine Frage des Arbeitsaufwandes bis man die Antwort erhält.

Es war eine Zufallsentdeckung. Ich wüsste nicht, wo ich heute stehen würde, wenn ich in Hong Kong geblieben wäre.

Wie verlief Dein bisheriger Karriereweg?

Mathematik und Wissenschaft haben mich erkennen lassen, dass ich es liebe, Probleme zu lösen. Das hat mich direkt zur Caltech und meinem Studium in Computerwissenschaften geführt.

Die Einsen und Nullen haben wirklich zu mir gesprochen. Im Gegensatz zu Fächern wie Englisch und Geschichte habe ich bei den Mint-Fächern nie das Gefühl gehabt, hinterherzuhängen. In einem Sommer habe ich ein Praktikum bei einem Start-Up wahrgenommen und habe unter dem Gründer von Idealab, Bill Gross, gearbeitet. Nachdem ich meinen Abschluss gemacht hatte, hat mich Bill als Computerprogrammierer angestellt und wurde mein Mentor.

Eine der größten Herausforderungen, die ich meistern musste, liegt in den Anfängen meiner Karriere, als ich vom Computerprogrammierer zum Projektmanager wurde. Ich wollte nicht mehr allein arbeiten und coden, denn beim Programmieren verbringt man eine Menge Zeit allein. Ich wollte in einem Team arbeiten, mit anderen Menschen.

Aber ich hatte Schwierigkeit mit dem ersten Team, das ich managen sollte, zu kommunizieren. Ich habe sie gebeten, mich bei ihrer Arbeit auf dem Laufenden zu halten, aber sie haben mir nicht einmal geantwortet. Ich habe allerdings die falschen Fragen gestellt. Als ich mir die Zeit genommen und gelernt habe, woran sie arbeiten, konnte ich pointiertere und spezifischere Fragen stellen und dann haben sie sich mir gegenüber geöffnet. Beziehungen aufzubauen hat sich ausgezahlt.

Ansonsten hat mich nie jemand gehindert – außer meiner eigenen Angst. Der Angst vor Unsicherheit und der Angst, Arbeit zu investieren.

Vorbilder

Meine Vorbilder sind meine Mutter und meine Schwestern. Meine Mutter hat uns beigebracht, dass uns alles offensteht. Ich bin nie mit dem Gedanken aufgewachsen, dass es Beschränkungen für mich gäbe, weil ich ein Mädchen war. Ich bin die dritte von drei Schwestern und wir alle sind starke Karrierefrauen.

Ein Tag in Gladys Leben

Ich bin der CEO von UberMedia, einer Analysefirma für mobile Standortdaten. Wir sammeln Daten von Smartphones und analysieren diese und helfen so den verschiedensten Marken dabei, sich selbst besser zu vermarkten und ihre Kunden zu bedienen.

An einem typischen Arbeitstag fahre ich meine Kinder zur Schule und bin um 8 Uhr im Büro. Die ersten Stunden sind ruhig – keine Meetings und es sind kaum Leute unterwegs. Ich nutze diese Zeit, um E-Mails und meine persönliche To-Do-Liste abzuarbeiten. Der Rest des Tages ist normalerweise voller Meetings. Die Hälfte davon ist intern und die andere Hälfte mit Klienten oder Partnern. Und dazwischen kümmere ich mich entweder um alles, was anfällt, kommuniziere oder manage das Team. Ich bin meistens um 18 Uhr zu Hause. Ich esse mit meiner Familie zu Abend und danach checke ich vielleicht nochmal meine E-Mails.

Ich glaube an eine Work-Life-Balance. Wir verbringen keine 15 Stunden am Tag an unseren Schreibtischen und das hilft uns auch, neue Arbeitnehmer anzulocken.

Worauf bist Du stolz?

Am stolzesten bin ich darauf, wie ich das Unternehmen durch einige schwere Zeiten gelenkt habe. Wir haben unser Geschäft zwei Mal umgelagert und manchmal war es nicht sicher, dass wir erfolgreich sein würden. Aber ich konnte das Geschäft am Laufen halten und jetzt blüht es auf. Wir sind 2019 das erste Mal seit dem zehnjährigen Bestehen des Unternehmens profitabel geworden.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

Frauen fühlen sich so immer etwas als Außenseiterinnen.

Da gibt es ein paar Gründe: Erstens werden Mädchen ganz früh in der Schule von den MINT-Fächern eingeschüchtert. Bis sie also ins College gehen, gibt es nur wenige, die sich bei MINT-Programmen im College einschreiben. Zweitens ist die Tech-Branche männlich dominiert und das kann ebenfalls einschüchternd wirken auf Frauen, die dort hineinwollen.

Die größte Hürde besteht darin, dass Frauen immer eine Minderheit in Tech-Firmen sind. Frauen fühlen sich so immer etwas als Außenseiterinnen. Mein Unternehmen, UberMedia, ist eine Seltenheit, weil wir zwei weibliche Datenwissenschaftlerinnen und eine Vielzahl an Managerinnen haben. Als ich die zweite Datenwissenschaftlerin angestellt habe, sagte sie mir: „Ich war noch nie bei einer Tech-Firma, bei der mehr Frauen als Männern im Vorstellungsgespräch waren. Das hat mich entspannt.“ Frauen fühlen sich in einer Organisation wohler, wenn sie merken, dass es für sie Raum für Aufstiege gibt.

Wir müssen die Umgebung für Frauen insgesamt weniger bedrohlich gestalten.

Frauen in MINT-Fächern

Wann immer es eine größere Diversität in einem Team gibt, erweitert sich auch die Perspektive.

Die Tech-Welt wäre weltoffener und experimenteller, wenn mehr Frauen in MINT-Fächern arbeiten würden. Wann immer es eine größere Diversität in einem Team gibt, erweitert sich auch die Perspektive. Man trifft Entscheidungen aufgrund verschiedener Standpunkte. Gleichzeitig sind diese Entscheidungen durchdachter und weniger vorurteilsbehaftet.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Frauen müssen sichtbarer werden, […]

Das wird ein langwieriger Prozess. Eine Menge Unternehmen stellen gerne Frauen an, aber der Kandidaten-Pool bleibt begrenzt. Frauen müssen sichtbarer werden, um das zu überwinden. Genauso müssen sie jungen Mädchen zeigen, dass sie einen Platz im Tech-Bereich haben können und, dass sich innerhalb der nächsten zehn Jahre etwas ändern wird.

Sobald Frauen sich in den MINT-Fächern wohler fühlen, werden wir sehen, dass sich die Zahlen allmählich angleichen werden. Aber es könnte bis zu 20 Jahre dauern bis wir das Maß an Gleichberechtigung erreicht haben, das wir gerne möchten.

Tipps & Tricks

Seid mutig, wenn ihr euch auf den Job bewerbt, den ihr haben wollt. Selbst dann, wenn ihr nicht 100% qualifiziert seid.
Tech ist im stetigen Wandel, also ist Erfahrung kein allzu großer Vorteil. Wenn man den Personalmanagern beweist, dass man immer bereit ist, zu lernen, wird man schnell eine Expertin auf dem Feld – auch wenn man zu Anfang nicht alles weiß. Das macht eine zur wertvollen Kandidatin.

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