Interview mit Dr. Laura La Manna, Software Engineer bei TeamSystem.

Women in Tech: „Bekommt man keine Chance, muss man seine eigene schaffen“
Keine Kommentare

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Dr. Laura La Manna, Software Engineer bei TeamSystem.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere heutige Woman in Tech: Dr. Laura La Manna, Softwareingenieurin bei TeamSystem

Ich bin Softwareingenieurin, Expertin für DevOps sowie agile Methoden des Teammanagements und entwickle Cloud-Tech-Anwendungen. Seit 2010 entwerfe und entwickle ich zudem service- und Cloud-basierte Anwendungen. Ich gehöre zu den Mitbegründerinnen der OrangeDotNet Community und organisieren und führe Veranstaltungen sowie Seminare zu C#, Azure, ASP.net und ALM durch. Ich habe die Microsoft MVP-Auszeichnung von 2012 bis 2016 erhalten.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Die Technologie war eigentlich nicht mein erstes Interessengebiet, sondern die Mathematik, danach entdeckte ich die Programmiersprachen und dadurch die Computer.

Wie verlief dein Weg bis zum jetzigen Beruf? Welche Hindernisse musstest du überwinden?

Während ich meinen Abschluss an der High School machte, dachte ich darüber nach, Anwälting zu werden und ob das vielleicht der Weg für mich sein könnte. Doch der Gedanke daran, dass ich mich nie wieder mit Mathematik befassen würden, betrübte mich.

Daher schrieb ich mich, zum Ende des Sommers meines High-School-Examens, an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften ein. Nach meinem Abschluss, fing ich an im Softwarebereich für Design und Entwicklung zu arbeiten. Ich hatte das, was ich tat, so sehr genossen, dass ich eine Technologiegemeinschaft, OrangeDotNet, gründete, um Wissen aus der Softwareentwicklung über Live-Events in meiner Stadt, Catania, sowie über Onlineinhalte zu teilen. Und auf diesem Weg, nur aus der Leidenschaft heraus, begann meine Praxis als Speakerin.

Es war jedoch nicht immer einfach, die richtige Balance zwischen Arbeit und Leben zu finden, besonders nach der Geburt meines ersten Kindes. Allerdings hatte ich immer die Unterstützung meiner Mutter als ich noch Studentin war und dann die meines Mannes, der stets an mich und alle meine Entscheidungen geglaubt hat.

Vorbilder und Unterstützer

Wie bereits gesagt, unterstützte mich meine Mutter während des Studiums, indem sie mich nicht behelligte, sondern stattdessen eine ruhige Umgebung für mich schaffte, in der ich studieren konnte. Sie hat immer an mich geglaubt. Meine Mutter war ein wichtiges Vorbild. Sie war eine einfache sizilianische Hausfrau, aber die Entschlossenheit und Würde, mit der sie sich jeder Herausforderung des Lebens stellte, war für mich das beste Beispiel, dem ich folgen konnte.

Außerdem wäre es mir heute ohne eine richtige Familienorganisation mit meinem Mann nicht möglich, eine Vollzeitbeschäftigung zu haben, mit all den Aktivitäten, die damit verbunden sind.

Wurden dir in deiner Karriere auch bewusst Steine in den Weg gelegt?

Es war jedoch nicht immer einfach, die richtige Balance zwischen Arbeit und Leben zu finden, besonders nach der Geburt meines ersten Kindes.

Meiner Erfahrung nach, hatte niemand versucht, mein berufliches Wachstum zu stoppen, aber manchmal war es die Umwelt und Kultur um mich herum, die meine Ambitionen in gewisser Weise beeinflusst hatten, insbesondere nach der Geburt der Kinder.

Die Entscheidung, in einer Region wie Sizilien, unter dem Vulkan Ätna, zu leben, erschien mir anfangs wie ein Hindernis für meine berufliche Entwicklung. Aber ich betrachtete diese Herausforderung immer als Motivation, dort wo ich lebe, neue Möglichkeiten zu schaffen.

Ein Tag in Hannas Leben

Heute arbeite ich als Softwareingenieurin bei TeamSystem. An meinem typischen Arbeitstag habe ich einige Besprechungen, viel zu untersuchen und, wenn alles gut geht, viel zu programmieren.

Auf was bist Du am meisten stolz in deiner Karriere?

Das, worauf ich meisten stolz in meiner Karriere bin, muss erst noch eintreten. Ich denke, dass wir immer den Ehrgeiz haben müssen, zu wachsen und uns zu verbessern. Was mich glücklich macht, ist die perfekte Balance, die ich zwischen Familie und Arbeit habe.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich denke, dass die größten Hindernisse von der Familie ausgehen, vor allem dann, wenn sich eine Frau dazu entscheidet, Kinder zu bekommen. Wenn der Mann, mit dem man zusammen ist, nicht dazu bereit ist, einen bei den beruflichen Herausforderungen zu unterstützen, denen man täglich gegenübersteht sowie nicht dazu in der Lage ist, ihrem Traum und Ehrgeiz durch Unterstützung bei der Handhabung der Familie zu folgen, dann muss sich eine Frau für Arbeit oder Familie entscheiden.

Ein weiteres großes Problem sind Unternehmen, die viel über Inklusion reden, aber deren Manager alles Männer sind. Wie also soll eine Frau denn den richtigen Platz in einem Umfeld finden, das nur von Männern bestimmt wird? Sie kann nur versuchen mehr zu leisten und besser zu sein als ihre Kollegen und Kolleginnen, und all das, während sie versucht eine gute Mutter zu sein, die im Leben ihrer Kinder immer anwesend ist.

Welche Hürden müssen Frauen heute immer noch überwinden?

Zunächst einmal sind wir das Haupthindernis, denn wir schaffen uns unsere eigenen Grenzen.

Dann gibt es einige kulturelle Hürden beispielsweise die Tatsache, dass manche Art von Arbeit auch in einem technischen Umfeld traditionell nur für Männer bestimmt ist.

Die größte Herausforderung, vor allem in der Region, in der ich lebe, besteht darin, die richtige Balance zwischen Familie und Beruf zu finden. Italienische Politiker sprechen oft von Chancengleichheit, aber es gibt keine Unterstützung durch die Wirtschaft oder Gesetze, die Familien unterstützen, in denen beide Elternteile arbeiten. Normalerweise ist die Frau diejenige, die sich dafür entscheidet, zu Hause zu bleiben oder ihre Karriere aufzugeben.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen im MINT-Bereich arbeiten würden?

Ich hoffe, dass die Mädchen von heute in Zukunft Führungspersönlichkeiten werden können.

Mehr Frauen im MINT-Bereich zu haben, könnte bedeuten, eine andere Perspektive zu haben. Das bedeutet also nicht nur für uns, sondern für die Gesellschaft im Allgemeinen, mehr Wachstumschancen zu haben. Und es wird sicherlich besser für Frauen, Zugang zu Bereichen zu bekommen, die neue Räume und die Möglichkeit versprechen, die Welt zu beeinflussen.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Ich hoffe, dass die Mädchen von heute in Zukunft Führungspersönlichkeiten werden können. Ich hoffe, dass meine Tochter in einer Welt leben kann, in der Chancengleichheit real ist und nicht nur eine Diskussion, in der Männer entscheiden, was das Beste für Frauen ist.

Tipps & Tricks

Eine professionelle Karriere in einem wissenschaftlichen oder technischen Bereich ist voller Chancen und kann erfüllend sein. Aber man sollte wissen, dass man einen Weg eingeschlagen hat, bei dem man nicht nur clever sein muss, sondern auch dazu in der Lage ist, dass auf eine unanfechtbare Weise zu demonstrieren. Und wenn einem niemand die richtige Möglichkeit gibt, sich weiterzuentwickeln, muss man sie alleine schaffen. Der Wert wird durch die Vielfalt zwischen Frauen und Männern geschaffen. Frauen müssen sich also nicht an die Arbeit in dem Bereich anpassen, aber sie müssen den richtigen Kompromiss finden.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -