Interview mit Maya Shavin, Senior Frontend Developer bei Cloudinary

Women in Tech: „Die Tech-Branche wird jeden Tag offener, vielfältiger und flexibler.“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Maya Shavin, Senior Frontend Developer bei Cloudinary.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Maya Shavin

Maya Shavin ist Web-Entwicklerin aus Israel und arbeitet als Senior Frontend Developer bei Cloudinary. Darüber hinaus ist sie Botschafterin für Nuxt.js, dem intuitiven Vue.js-Framework. Neben dem Programmieren schreibt sie JavaScript-Tutorials und Best Practices, spricht auf Konferenzen und organisiert die Vue.js-Community in Israel. In ihrer begrenzten Freizeit unterstützt sie OSS-Projekte. Im Moment ist sie Core Maintainer von StorefrontUI, einem UI Framework für E-Commerce und ebenfalls von Cloudinary Nuxt Modul, colorgen.dev zur Generierung von Farbpaletten aus Bildern und PokeGL für Pokemon GraphQL APIs.

Wie verlief dein Weg bis zum jetzigen Job in der Tech-Branche?

Ich habe mich zum ersten Mal für Tech interessiert, als ich etwa 15 Jahre alt war. Zu dieser Zeit lernte ich das Programmieren mit Pascal und liebte es. In meiner Schule in Vietnam, wo ich herkomme, wurden Mädchen jedoch nicht wirklich ermutigt, MINT-Fächer zu studieren, sondern eher wirtschaftliche und künstlerische Fächer. Ich entschied mich schließlich für Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Marktanalystin, weil ich dachte, ich wäre nicht gut genug für ein Informatikstudium.

Als ich von Singapur nach Israel zog, hatte ich die Chance, noch einmal zu studieren. Obwohl ich schon immer von Software fasziniert war, befürchtete ich aufgrund meiner früheren Erfahrungen, dass ich nicht schlau genug für ein Informatikstudium wäre und begann zuerst mit Design. Aber mein Mann und meine Freunde, die von meinem Mathematiktalent wussten, haben mich wirklich darin bestärkt, es noch einmal zu überdenken. Es hilft, dass Israel ein Start-up-Land mit vielen Hightech-Firmen ist, sodass ich hier klare Karrierechancen für mich sehen konnte.

Für mich hatten die größten Hindernisse eigentlich nichts mit Informatik zu tun. Meine Mathekenntnisse haben mir beim Studium sehr geholfen und ich habe es genossen, neue Dinge zu lernen, einschließlich Algorithmen. Die größten Hindernisse waren, sich in Hebräisch zurechtzufinden, um dem Unterricht folgen zu können, und sich in einer völlig neuen kulturellen Umgebung zu bewegen. Israel und Vietnam sind sehr unterschiedlich! Nach dem Studium hatte ich auch etwas Glück und habe ohne Probleme meinen ersten Job als Software Engineer bekommen.

Gibt es Personen, die dich unterstützt haben?

Mein Mann hat mich während meiner gesamten Karriere am meisten unterstützt. Er hat mich überhaupt erst ermutigt, Informatik zu studieren und auch später hat er sich um unsere Kinder gekümmert. Im Allgemeinen habe ich nicht wirklich ein Vorbild, sondern glaube fest daran, dass jeder Mensch ein Lehrer für einen anderen Menschen ist. Jeder hat etwas, zu dem ich aufschauen und von dem ich etwas lernen kann.

Hat man dir Steine in den Weg gelegt?

Während des Mutterschutzes versuchte der Chef sogar, mich aus dem Job zu drängen.

Die meiste Zeit hatte ich großes Glück und niemand hat versucht, mich am Weiterkommen zu hindern. Das änderte sich jedoch, als ich zum ersten Mal schwanger wurde. Mein damaliger Chef zeigte wenig Verständnis dafür, wenn ich einen Arzt aufsuchen musste oder drängte mich dazu, trotzdem länger zu arbeiten. Während des Mutterschutzes versuchte er sogar, mich aus dem Job zu drängen. Nach meiner Rückkehr wurde es dann schwierig, beruflich weiter zukommen. Also bin ich schließlich gegangen. Zum Glück gibt es in Israel viele Jobs für Entwickler. Das war wirklich die einzige negative Erfahrung für mich, alles andere verlief relativ reibungslos.

Ein Tag in Mayas Leben

Ich bin Senior Frontend Developer bei Cloudinary, einem Anbieter von Cloud-basierten Managementlösungen für Bild-, Video- und Digital Assets. Ich arbeite an allem, vom Design bis zur Fertigstellung neuer Features, Funktionalitäten und Produkte auf der Client-Seite unserer Webanwendung. In letzter Zeit beschäftige ich mich jedoch mehr mit den verschiedenen Frontend-Umgebungen und ihren jeweiligen Plug-ins. Das macht Spaß, da ich ständig neue Open-Source-Projekte kennenlerne. Ich bin auch ein Botschafter für Nuxt.js, dem intuitiven Vue.js-Framework und helfe, die Vue.js-Community hier in Israel zu organisieren.

Bei all den Lockdowns muss ich sagen, dass ich mich wirklich darauf freue, wieder im Büro zu arbeiten. Ich vermisse die Kaffeepausen mit meinen Kollegen sehr!

Worauf bist du besonders stolz in deiner Karriere?

Ich denke, worauf ich in meiner Karriere am meisten stolz bin, ist, dass ich, egal was ich auch gemacht habe, dabei nie versucht habe, in meiner Komfortzone zu bleiben. Ich mag es, immer nach vorne zu blicken und neue Dinge zu entdecken. Als ich in der Schule war, dachte ich, ich sei nicht schlau genug, um Programmiererin zu werden. Jetzt programmiere ich nicht nur, sondern habe mich auch überwunden, öffentlich auf Meetups und Konferenzen darüber zu sprechen.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche? Welche Hürden müssen Frauen heute immer noch überwinden?

Wir müssen uns hinstellen und sagen: Ja, wir sind gut genug. Frauen können alles schaffen.

Dafür gibt es eine Menge Gründe. In vielen Gesellschaften werden Frauen als emotionaler und weniger rational wahrgenommen, sodass einige Leute denken, sie seien nicht für eine Karriere in der Tech-Branche geeignet. Wenn man das von klein auf ständig hört oder gezeigt bekommt, beginnen Mädchen zu denken, dass sie nicht gut genug sind. Sie entwickeln, so wie ich es tat, ein geringes Selbstwertgefühl und trauen sich eine Karriere in der Tech-Branche nicht zu. Das ist natürlich nicht wahr. Wir müssen selbstbewusster sein und dürfen keine Angst haben, uns zu behaupten. Wir müssen uns hinstellen und sagen: Ja, wir sind gut genug. Frauen können alles schaffen.

Mit welchen Herausforderungen sind Frauen in der Tech-Branche konfrontiert?

Abgesehen von Schule und Ausbildung gibt es eine Menge anderer Aspekte bei der Diskriminierung, die sich ändern müssen. Zum Beispiel Mutterschutz und die Betreuung von Kindern. Solange dies als hauptsächlich weibliche Aufgabe angesehen wird, werden Frauen als eingeschränkter wahrgenommen und bei der Einstellung und dem beruflichen Fortkommen übergangen oder ungerecht behandelt.

Und warum sollten mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten?

Menschen sind unterschiedlich. Nicht nur, was das Geschlecht angeht, sondern auch die Kultur. Jede/r von uns hat seine/ihre eigenen Vorteile und Schwächen. Jede/r von uns sieht die Dinge anders. Je vielfältiger die Menschen in der Tech-Branche sind und je mehr sie ihre Ideen austauschen, desto ausgewogener wird unsere Welt werden. Das wirkt sich auf alles aus und wird unserer Wirtschaft, unserer Gesellschaft und der Umwelt viele Vorteile bringen und uns helfen, die soziale Kluft zu überbrücken.

Wie sieht die Zukunft aus – wird die Diversity-Debatte bald Geschichte sein?

Wir beginnen hier bereits, Veränderungen zu sehen. Natürlich geht es in einigen Ländern schneller als in anderen, aber im Allgemeinen sehen immer mehr Unternehmen die Vorteile, einer vielfältigen Belegschaft und einer fairen Behandlung und sind offener für Diskussionen und Veränderungen. Obwohl sich noch viele Dinge ändern müssen, ist Diversity heute zumindest auf der Agenda vieler Unternehmen und es werden erste Initiativen durchgeführt. Ich denke, innerhalb von 3–4 Jahren werden wir hier ersten Ergebnisse sehen.

Hast du Tipps für Frauen, die in die Tech-Branche einsteigen möchten?

Wenn euch eine Firma nicht gut behandelt, lasst euch davon nicht aufhalten

Tut es! Probiert es aus! Es gibt nichts, was Frauen nicht tun können. Nichts ist unmöglich. Außerdem ist die Tech-Branche noch sehr jung und verändert sich. Sie wird jeden Tag offener, vielfältiger und flexibler. Lasst euch von niemandem am Weiterkommen hindern. Die Branche ist groß genug und sucht immer nach Entwicklern. Es ist jetzt, wo immer mehr Unternehmen erkennen, dass sie mehr Frauen einstellen müssen, ein guter Zeitpunkt, einzusteigen. Und wenn euch eine Firma nicht gut behandelt, lasst euch davon nicht aufhalten. Move on!

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