Neue Spielwiese mit emotionalen Likes für Unternehmen und User

Emotionale Like-Buttons: Facebooks neue Reactions und ihr Effekt
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Facebook-Posts können nun mit fünf weiteren Emotionen versehen werden. Die Alternativen zum Like bieten den Usern viel Spielraum – und erlauben Facebook, seine Nutzer noch genauer einzuschätzen. Die einen fordern noch mehr Reaction-Buttons, manch andere dürften schon mit der jetzigen Auswahl (emotional) überfordert sein. Denn was ist ein Like noch Wert, wenn es Herzen gibt?

Die Social-Media-Plattform hat ihren Like-Button um fünf weitere emotionale Ausdrücke, sogenannte Reactions, erweitert. Neben der bloßen Zustimmung per Like lässt sich nun auch Liebe, Erstaunen, Belustigung, Trauer und Wut als Emoji-Face ausdrücken – und zwar weltweit. Die neuen Buttons können aufgerufen werden, indem man den Cursor über den Like-Button bewegt oder per mobile Device länger auf den Button drückt.

Wo ist der Dislike abgeblieben?

Facebook berichtete via Newsroom, dass man sich mehr als ein Jahr für die neuen Reactions Zeit gelassen habe. Gemeinsam mit Unternehmen seien während der Testphase Studien und Umfragen durchgeführt worden, um die bestmöglichen Reaktionen zu definieren. Immer wieder, zuletzt im September letzten Jahres, wurde gemunkelt, dass Facebook den Dislike einführt. Stattdessen kursierte ein schadhafter Drittanbieter-Button, der Usern Abos und Malware unterjubelte. Dass es überhaupt gefälschte Dislike-Buttons gibt, ist einem einfachen Bedürfnis geschuldet: User wollen ihre Ablehnung ausdrücken. Anlass dazu gibt es dieser Tage wegen Hetze und Hasskommentaren auf Facebook genug. Doch Facebook scheint ein solcher Button nicht zu gefallen.

Der Zweck der neuen Reactions

Stattdessen können Facebook-Mitglieder nun ihr Missfallen durch ein Wut- oder Trauer-Emoji ausdrücken. Der Empfänger solcher Reactions hat also noch einen Interpretationsspielraum: Ein trauriges Gesicht kann auch die Verzweiflung ausdrücken, eine wütende Reaktion vielleicht noch weiter anspornen. Und auch den Unternehmen tritt man damit nicht direkt auf den Schlips, falls mal etwas nicht gefallt – und das ist wohl auch der eigentliche Anlass, dass man auf den Dislike verzichtet hat. Facebook teilte mit, dass man mithilfe der neuen Reactions den Newsfeed des Users optimieren wolle. Darüber lasse sich besser herausfinden, welche Nachrichten die User angezeigt bekommen wollen und welche nicht. Das beträfe natürlich auch die Anzeigen der Werbetreibenden.

Einfluss auf den News-Feed

Wie die neuen Reactions konkret für gezieltere Werbemaßnahmen und Auswertungen genutzt werden, hat Facebook natürlich nicht öffentlich verraten. Dennoch wird man kommerzielle Nutzer mit solcherlei Daten zukünftig versorgen. Wer also von nun an Herzen verteilt, zeigt damit besondere Wertschätzung beziehungsweise eine Vorliebe. Einen kommerziellen Beitrag mit einem Herz zu versehen, wird also auch dazu führen, dass man mehr Beiträge aus diesem Bereich im Newsfeed angezeigt bekommt. Beiträge, die Wut-Reaktionen auslösen, sollen im Vergleich dazu im Feed reduziert werden.

Weitere Alternativen auf der User-Warteliste

Doch die User stören sich weniger an der Auswertung ihrer Emotionen als an dem Mangel an Ausdrücksfähigkeiten. Im Netz tummeln sich bereits die Top-Anwärter für die kommende Generation von Facebook-Reactions. The Wall Street Journal (WSJ) hat etwa vorgeschlagen, noch einen Neid-Button einzuführen, wenn wieder mal jemand mit Fotos aus der Karibik oder seinem Sportwagen protzt. Ein Ugh!-Button als „Nicht schon wieder!“ soll zum Ausdruck bringen, dass der zwanzigste Kätzchenfoto-Post irgendwann mal nervig wird. Auf Imgur präsentieren andere Nutzer, darunter auch die Satire-Website The Oatmeal (siehe unten), weitaus drastischere, aber auch humorvollere Reactions: Neben dem klassischen Stinkfinger könnte der beliebte Pile of Poo-Button für Erheiterung unter den Facebook-Nutzern sorgen – „I read this while pooping“.

I created some new Facebook reactions

Der psychologische Effekt

Noch interessanter wird es sein, wie die Facebook-User auf die Reaction-Buttons selbst reagieren werden. Thomas Bradbury, Psychologie-Professor an University of California, hat seine Einschätzungen gegenüber dem WSJ abgegeben. Er geht davon aus, dass einige der neuen Reactions in den nächsten Jahren ein Upgrade brauchen. Wer in nächster Zeit fleißig Liebes-Likes austeilt, wird irgendwann eine Ausdrucksform brauchen, die nochmals eins oben drauf setzt. Scherzhaft merkt er an, dass der “I really, really, really love this”-Button in ein paar Jahren kommen wird. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang auch an den Superlike für Tinder.

Anders herum könnte es durch die neuen Emotionen auf Facebook auch zu neuen Formen von Missverständnissen kommen: Etwa wenn jemand „nur“ einen Like, aber kein Herz bekommt. Heißt das dann etwa, dass ich weniger gemocht werde oder mein Beitrag weniger wert ist? Da es keine Definition gibt, welche Bedeutung die Reactions genau tragen, wird die Community sich mit der Zeit einpegeln müssen – auch über Missverständnisse und andere unbeabsichtigte Kommunikationspannen. Das könnte wiederum überaus spannend werden. Vor allem, wenn eine der Reactions eine andere Bedeutung erlangt, als anfänglich angedacht.

 

Aufmacherbild: Emoji Head Woman. Woman wearing tears of joy emoji masks while looking at her phone. This emoji is laughing so much that it is crying tears of joy via Shutterstock, Urheberrecht: photototo

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