Die Wikimedia Foundation scheint nun doch ein Projekt im Stil von Google zu betreiben

Wikimedia Foundation plant Suchmaschine im Stil von Google und Co.
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Das Projekt „Knowledge Engine“ war der Wikipedia-Community schon lange ein Dorn im Auge. Zu viele Unklarheiten rankten sich darum, zu intransparent war der Informationsfluss. Sollte es nur eine interne Suchfunktion für Wikimedia-Inhalte werden oder doch eine Suchmaschine im Stil von Google und Co.? Die Community des Open-Source-Projekts erwartet Transparenz von der Wikimedia Foundation – und diese beteuerte immer wieder, dass es sich bei der „Knowledge Engine“ nur um eine Suchfunktion für eigene Inhalte handele. Nun kam jedoch heraus, dass die Wikimedia Foundation schon lange eine große Suchmaschine für das gesamte Internet plant und dafür sogar die Frontpage der Enzyklopädie überarbeiten will. Das führte in den vergangenen Tagen zu Unmut in der Community.

Zwischen der Wikimedia Foundation (WMF) und der freiwilligen Autoren-Community ist ein heftiger Streit um die Transparenz der gemeinnützigen Organisation entbrannt. Auslöser sind nun veröffentlichte Dokumente über die Suchmaschinen-Pläne der Wikimedia-Foundation, die offenbar mit 250.000 US-Dollar durch die Knight Foundation gefördert werden sollen und insgesamt mit einem finanziellen Aufwand von 2,5 Millionen US-Dollar veranschlagt werden. Das brisante an diesem erst einmal alltäglichen Vorgang: Aus den Dokumente geht hervor, dass die Wikimedia Foundation anders als bisher behauptet unter dem Namen „Knowledge Engine“ eine Suchfunktion für das gesamte Internet plant. Das wurde noch vor wenigen Tagen von Jim Wales dementiert.

Erste Fördergelder für Wikipedia-Suchmaschine bewilligt

Das nun vorgelegte Dokument ist auf den September 2015 datiert; die Unterschrift durch Lila Tretikov, Executive Director der Wikimedia Foundation, trägt das Datum des 20. Novembers 2015. In den Papiern ist explizit die Rede davon, dass mit Hilfe der bewilligten Förderung eine Suchmaschine für verlässliche und vertrauenswürdige Informationen im Internet entwickelt werden soll („a system for discovering reliable and trustworthy information on the Internet“). Der Förderungszeitraum vom 1. September 2015 bis zum 31. August 2016 stelle laut dem Dokument die erste Projektphase dar, innerhalb der ein Prototyp entwickelt werden solle.

Die Förderung durch die Knight Foundation sorgte schon zuvor für Unstimmigkeiten innerhalb der Wikimedia Foundation. So sollen schon im April Gespräche mit der Knight Foundation über die Förderung einer Suchmaschine aus dem Hause Wikimedia stattgefunden haben; auch soll der Ausschluss James Heilmans aus dem Board of Trustees im Dezember 2015 im Zusammenhang mit diesen Vorgängen stehen, weil dieser auf der Bekanntgabe von Details aus den Verhandlungen beharrt haben solle. Damals wurde der Rauswurf nicht begründet – auch diese Intransparenz gegenüber der Community steht nun erneut im Zentrum der Diskussionen.

Entwürfe für die Suchmaschine. Screenshot: https://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikipedia_Signpost/2016-02-03/Op-ed

Ein angeblicher Teil der Präsentation im April. Zu sehen: Konzepte für die Suchfunktion, die über Wikimedia-Inhalte hinaus gehen. Screenshot: https://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikipedia_Signpost/2016-02-03/Op-ed

Jimmy Wales ungünstige Reaktion

Noch kurz vor der Veröffentlichung der Dokumente wurde jedoch von Jim Wales deutlich verneint, dass Wikipedia mit einer eigenen Suchmaschine in Wettbewerb zu Google treten wolle – bereits 2009 gab es erste Versuche dahingehend, die jedoch wieder ad acta gelegt wurden. Gründer Wales dementierte: „To make this very clear: no one in top positions has proposed or is proposing that WMF should get into the general “searching” or to try to be google”. Zudem stellte er klar, dass es keinerlei Förderung für ein solches Projekt gäbe. Die nun veröffentlichten Papiere, die zwischen WMF und der Knight Foundation ausgetauscht wurden, zeigen jedoch, dass es sich dabei um eine falsche Aussage handelte. Immerhin wird hinter der Suchmaschine aus dem Hause Wikimedia jedoch keine kommerzielle Absicht stehen.

Als möglicher Grund für die Intransparenz wird diskutiert, dass es sich dabei um ein strategisches Vorgehen hinsichtlich befürchteter Konkurrenz aus Richtung Google, Yahoo und Co handeln könne. So scheint es zu den Plänen der Wikimedia-Foundation zu gehören, Inhalte nach ihrer Güte zu gewichten und sich dadurch von anderen Plattformen abzuheben.

Auch zeigte sich zumindest Lila Tretikov bereits in den vergangenen Tagen reumütig hinsichtlich des schlechten Informationsflusses gegenüber der Community. So äußert sie, dass es ihr zwar im vergangenen Jahr sinnvoll erschien, Details zum Projekt unter Verschluss zu halten, sie aber nun sehe, dass es sich dabei um einen Fehler gehandelt habe. Sie gelobt Besserung für zukünftige Projekte.

Aufmacherbild: CIRCA MARCH 2014 – BERLIN: the logo of the brand „Wikipedia“, Berlin via Shutterstock, Urheberrecht: 360b

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