Medienkompetenz, Sicherheit und Privatsphäre

Millennials: aufgewachsen mit Social Media, aber unkritisch durch die digitale Welt
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Eine Welt ohne Facebook, Instagram und Snapchat? Es wächst eine Generation heran, die sich ein solches Szenario gar nicht mehr vorstellen kann. Üblicherweise nennt man sie Millennials oder die Generation Y. Eigentlich wäre davon auszugehen, dass gerade diese jungen Leute über das Internet und seine Fallstricke ganz genau Bescheid wüssten. Neue Studien bestätigen das jedoch nicht: In Sachen Medienkompetenz, Sicherheit und Privatsphäre gibt es teilweise erheblichen Nachholbedarf.

Heutzutage ist das Internet eine Selbstverständlichkeit. Mehr noch als für den gewöhnlichen Nutzer gilt das für die Millennials, also junge Menschen, die im ungefähren Zeitraum von Anfang der achtziger bis Ende der neunziger Jahre geboren wurden. Besonders die Teenager unter ihnen haben eine Welt ohne Internet und soziale Medien nicht mehr erlebt. Seit der Schule haben sie keinen Tag ohne Chatten, Liken und Sharen verbringen müssen. Als Digital Natives verfügen sie daher zwar über ein besseres, intuitiveres Verständnis der neuen Medien, lassen aber die oftmals berechtigte Distanz und Skepsis vermissen, die den Umgang der älteren Generationen mit dem Internet auszeichnet. Mittlerweile lässt sich das auch empirisch belegen.

A-Soziale Medien

Eine Studie der Virginia Tech University aus dem Jahr 2014 hat herausgefunden, dass die vom mobilen Internet ermöglichte, durchgängige Verfügbarkeit von sozialen Medien sich auf die Qualität unserer unmittelbaren sozialen Interaktionen auswirkt. Gespräche von Person zu Person werden tendenziell inhaltsleerer und emotional flacher, sobald ein Smartphone greifbar ist. Es muss dafür noch nicht einmal benutzt werden, die Präsenz allein reicht, um die Aufmerksamkeit vom Gesprächspartner abzuzapfen.

Gerade die Generation Y scheint, was wenig wundert, von dieser Entwicklung erfasst worden zu sein. Eine von der Photo-Sharing-App Flashgap durchgeführte Studie kam zu folgenden Ergebnissen: 87 Prozent der Millennials gaben an, Gesprächen nicht mehr folgen zu können, weil ihr Handy sie ablenken würde. 54 Prozent fühlen sich dazu genötigt, während sozialer Situation im „Real Life“ ihr Smartphone stets im Blick zu haben, damit ihnen online nichts entgeht. Soziale Medien haben sich also – der Gag muss jetzt leider kommen – in asoziale Medien verkehrt.

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Filterbubble

Soziale Medien übernehmen für Millennials eine wichtige Funktion als Nachrichtenquelle. Fast 90 Prozent der US-Bürger aus dieser Alterskohorte nutzen Facebook, um sich sowohl über Lifestyle-Themen als auch über das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen zu informieren. Obwohl sie ihren Feed eher dazu nutzen, die aktuellen Themen zu überblicken, um dann auf externen Newsseiten tiefer in die jeweilige Materie einzusteigen, besteht durchaus die Gefahr, dass sie Opfer der eigenen Filterblase werden.

Über die tatsächliche Existenz von Filterblasen gibt es derzeit noch Streit. Allerdings verdichten sich in letzter Zeit zumindest die Hinweise darauf, dass personalisierte Such- und Newsfeed-Algorithmen die einseitige Wahrnehmung der Außenwelt verstärken. Facebook-Forscher etwa kamen zu dem Schluss, dass Nutzer verstärkt Nachrichten angezeigt bekamen, die ihrer politischen Ausrichtung entsprachen. Diese Häufung entsprach aber nicht der tatsächlichen Verteilung von politischen Positionen in ihrem Freundeskreis.

Könnte die Filterblase auch ein Faktor bei der Radikalisierung junger Männer sein, die bspw. in Syrien für den IS kämpfen? Fakt ist, dass Internet und soziale Medien bei der Rekrutierung junger Islamisten eine entscheidende Rolle spielen. Aber ob sie ursächlich für die Radikalisierung sind, ist unwahrscheinlich. Erstens wird diese Erklärung den hochkomplexen psychodynamischen Prozessen und gesellschaftspolitischen Hintergründen nicht gerecht, die junge Menschen in extreme Milieus abdriften lassen. Zweitens gibt es derzeit keine Belege dafür, dass speziell Millennials dazu neigen, auf die Filterbubble hereinzufallen. Die oben bereits verlinkte Studie deutet eher darauf hin, dass die Generation Y durchaus in der Lage ist, sich bewusst, planvoll und vielfältig zu informieren.

Digital Naives

Dagegen gibt es Probleme beim Umgang mit Privacy und Security. Gerade letzteres macht Unternehmen zu schaffen. Studien konnten nachweisen, dass Millennials weitaus eher als Ältere dazu neigen, Sicherheitsstandards zu umgehen. Z.B. geben sie öfter Passwörter weiter oder ignorieren Richtlinien des IT-Departments. Generell zeigen sie weniger Initiative, wenn es um den Schutz ihrer Hardware oder von Daten, Accounts, usw. geht. Dahinter scheint ein regelrechtes Unverständnis für das Konzept Security zu stehen, über dessen Gründe man nur spekulieren kann.

Möglicherweise ist es einfach Naivität. Die Generation Yler stellen sich ihre Endgeräte offenbar schlicht als Werkzeuge vor, die ihnen schon ihr ganzes Leben lang gute Dienste leisten. Dass ihr Smartphone eine Einbruchstelle für Cyberkriminalität sein könnte, scheint ihnen nicht einzufallen. Ebenso wenig sehen sie die Gefahr, dass mangelnde Privacy-Einstellungen auf Instagram im späteren Leben ein Nachspiel haben könnten. Nicht nur Informationen, sondern auch Geräte zu teilen, ist für sie selbstverständlich. Überhaupt wird Technologie nicht nur als Hilfsmittel, sondern als zentraler Aspekt des Lebens begriffen, sodass ein nachlässiger Umgang damit regelrecht herausgefordert wird. Weder hat man die Zeit dazu, noch will man das nötige Misstrauen gegen etwas aufbringen, das integraler Bestandteil des Alltags geworden ist. Ungünstigerweise überträgt sich diese Haltung dann aufs Berufsleben.

Fazit

Die Millennials pflegen also einen Umgang mit Technologie, der Eltern und Vorgesetzte manchmal ratlos zurücklässt. Überraschend ist das nicht. Die Frage ist, wie man damit umgeht, insbesondere im professionellen Kontext. Das Problem scheint vor allem im mangelnden Bewusstsein für die Risiken moderner Kommunikationstechnologien zu liegen. Die Fähigkeit der Millennials zum reflektierten Umgang mit Informationsquellen zeigt aber, dass durchaus Potential vorhanden ist, um etwa die Sicherheitskompetenzen zu erhöhen, aber auch die Aufmerksamkeitsökonomie vernünftiger zu gestalten.

Aufmacherbild: Pretty girl taking a „selfie.“ von Shutterstock / Urheberrecht: Jayme Burrows

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