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Interview mit Peter Müller

WordPress und der Editor Gutenberg: Ist jetzt wirklich alles besser?
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Mit der Anfang Dezember 2018 veröffentlichten Version WordPress 5.0 und dem neuen, blockbasierten Gutenberg-Editor möchte WordPress ein neues Bearbeitungserlebnis für den Nutzer schaffen. Doch hält das große Release was es verspricht? Wir haben den ausgewiesenen WordPress-Experten, Autor und Dozenten Peter Müller zu seiner praktischen Erfahrung mit WordPress 5.0 befragt.

Entwickler: Wie gefällt Dir der neue Gutenberg Editor? Ist jetzt wirklich alles besser wie vorher?

Peter Müller: Die Idee der Blöcke ist gut, aber es sind einfach noch viel zu viele Böcke drin. Der Release von WordPress 5.0 war einfach zu früh, denn trotz einer Entwicklungszeit von zwei Jahren macht der Block-Editor alles andere als einen ausgereiften Eindruck.

Und nein, es ist lange nicht alles besser. Neuigkeiten wie „Wiederverwendbare Blöcke“ sind Klasse, aber das Schreiben und besonders das Bearbeiten von einfachem Fließtext empfinde ich momentan eher schwieriger als vorher.

Das sind zum Teil simple Sachen. So verdeckt besonders bei Texten mit vielen kurzen Absätzen die Toolbar oft den Absatz darüber, was beim Schreiben nervt, weil man dann zum Lesen immer irgendwo hinklicken muss, um die Toolbar weg zu kriegen, und dann wieder irgendwo hinklicken muss, um weiter zu schreiben. Es gibt ja die „Top Toolbar“, aber dann ist der Mausweg so weit. Und die Tastenkürzel sind, mmh, zahlreich und kryptisch.

Und nein, es ist lange nicht alles besser.

Der Block für simple Listen zum Beispiel. Das ist schlechter als vorher. Man kann momentan in einem Listenpunkt nicht einmal mit Shift+Enter eine neue Zeile beginnen, nur im HTML mit <br>. Nummerierte Listen, die nicht mit 1. anfangen, ab ins HTML.

Beim Speichern verdoppelt sich bei den Listen zumindest bei mir manchmal der Zeilenabstand, wodurch die Listen sich quasi aufblähen. Nach einem Klick geht die Luft dann wieder raus und der Zeilenabstand stimmt, aber das vermittelt nicht gerade den Eindruck von ausgereifter Software.

Und die hellgrüne Aktualisierungsmeldung oben im Beitrag. Einfach nur blöd. Die bleibt einfach stehen bis man sie weg klickt, und steht genau über dem Permalink.

Diese kleinen Macken nerven einfach, werden aber (hoffentlich) im Laufe der Zeit verschwinden, und dann wird es vielleicht angenehmer.

Entwickler: Du schreibst in Deinem Blog „Vorsicht beim Update auf WordPress 5.0“. Auf was müssen die WordPress-Nutzer aus Deiner Sicht besonders achten?

Das Konvertieren der Inhalte. Nur probieren, wenn man viel Zeit hat und vorher Backup machen.

In neuen Sites ist der Block-Editor trotz der oben erwähnten Macken okay, aber in vorhandenen Sites wäre ich sehr vorsichtig beim Bearbeiten der alten Inhalte. Die werden in einem Classic Block geöffnet, aber das ist nicht 1:1 dasselbe wie der alte Editor. Je komplexer der Inhalt und die Gestaltung desto wichtiger das Backup.

Entwickler: Hast Du Dich schon mit den neuen Themes vertraut gemacht. Ist es jetzt z. B. einfacher geworden ein Multipurpose-Themes zu entwickeln?

Twenty Nineteen habe ich mir angeschaut, aber das ist ehrlich gesagt nur mit viel gutem Willen ein Theme, das man in der Praxis einsetzen würde, wenn man nicht gerade Matt Mullenweg ist. Es dient ja wohl in erster Linie dazu, zu zeigen, dass ein Beitrag in WordPress 5 im Backend so ähnlich aussehen kann wie im Frontend. Deshalb ist es ja auch einspaltig, denn mehr kann der Block-Editor ja kaum.

Mit dem Block-Editor braucht ein Laie nur noch den richtigen Block, um komplexe Inhalte einzufügen.

Ob es einfacher geworden ist, Multipurpose-Themes zu entwickeln, weiß ich nicht. Aber Multipurpose-Themes à la Avada werden es denke ich auf Dauer schwer haben.

Mit dem Block-Editor braucht ein Laie nur noch den richtigen Block, um komplexe Inhalte wie Preistabellen oder sowas einzufügen. Im Lieferumfang ist da nicht viel enthalten, aber da wird es einen richtigen Markt geben. Stackable, Atomic Blocks und Co sind da wahrscheinlich nur der Anfang.

Dann braucht man die Pagebuilder in den Multipurpose-Themes nur noch für das Layout der Seiten, und da wird Phase 2 des Gutenberg-Projektes ansetzen. Blöcke sollen ja nicht Teil des Themes sein, sondern als Plugin daher kommen, und dann ist das Theme nur noch ein solides Fundament mit vernünftigem HTML und hübschem CSS. Ein relativ simples Theme wie GeneratePress ist auf so eine Zukunft wahrscheinlich besser vorbereitet als ein Feature-Monster.

Entwickler: Wird Gutenberg die bestehenden Pagebuilder ersetzen? Und ist Deiner Einschätzung nach Gutenberg eine Alternative für individuelle, „pixelgenaue“ Layouts?

Dazu müssen wir dann mal abwarten, was Phase 2 von Gutenberg bringt. Momentan ist der Block-Editor sicher kein Ersatz für Pagebuilder, wenn man „individuelle, ‚pixelgenaue‘ Layouts“ möchte.

Entwickler: Wie siehst Du die Zukunft von WordPress? War das jetzt, aus Deiner Sicht, das bahnbrechende Release für die nächsten Jahre?

5.0 war sicher nicht „das bahnbrechende Release für die nächsten Jahre“, eher der erste Schritt einer langen Reise. Und wo die hinführt? Keine Ahnung. Wir werden sehen.

Vielen Dank für dieses Interview!

Peter Müller arbeitet seit vielen Jahren als Dozent und Autor von Büchern und Videokursen zu HTML, CSS und WordPress-Themen. Seine Spezialität ist es, eher trockene und komplizierte Sachverhalte auf einfache und unterhaltsame Weise darzustellen.
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