Interview mit Stefan Tilkov

Software-Architektur-Trends 2021: „Es wird immer wichtiger, dass Software sich schnell verändern kann“
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Der Software Architecture Summit stellt an drei konzentrierten Konferenztagen aktuelle Themen der Software-Architektur in den Fokus. Wir haben uns vorab mit Stefan Tilkov, Software-Architekt bei INNOQ und Program Chair des Summits, über seinen Begriff einer zeitgemäßen Architekturarbeit und die Architektur-Trends 2021 unterhalten.

Software-Architektur steht aktuell hoch im Kurs. Kein Wunder, hat die Cloud doch viele traditionelle Architektur-Muster auf den Kopf gestellt. Sind Microservices die Lösung? Was bedeuten die verteilten Backends fürs Frontend? Welche Trümpfe halten Event-getriebene und reaktive Anwendungen bereit? Und wie bringen wir die vielen Legacy-Anwendungen sinnvoll in diese Schöne neue Welt?

Der Software Architecture Summit diskutiert diese und weitere Fragen konzentriert an drei Konferenztagen. Program Chair Stefan Tilkov gibt uns im Interview Einblicke in aktuelle Architektur-Debatten und Themen jenseits der Trends.

Zeitgemäße Softwarearchitektur

Der Software-Architektur-Summit stellt verschiedene Ansätze für zeitgemäße Software-Architekturen in den Fokus. Wenn wir zunächst einmal beim Wort „zeitgemäß“ bleiben: Was macht eine zeitgemäße Architektur aus?

Stefan Tilkov: Es mag vielleicht wie ein Widerspruch klingen, aber zeitgemäß bedeutet für mich vor allem, dass die Architektur nicht einer Mode folgen, sondern zum einen zu den Anforderungen passen und zum anderen Raum für Veränderung lassen sollte. Wer glaubt, dass ein bestimmter Architekturansatz, der gerade populär ist, das auch bleibt, irrt in der Regel.

Welche Herausforderungen an Software-Architekturen sind in den letzten Jahren neu hinzugekommen?

Stefan Tilkov: Software wird immer wichtiger, und dass sie sich schnell verändern kann, um auf neue Rahmenbedingungen zu reagieren, wird für viele Unternehmen und Organisationen zu einem absolut kritischen Erfolgsfaktor. Ich nehme immer mehr wahr, dass die Zeit, die benötigt wird, um eine Idee vom Whiteboard über alle notwendigen Schritte in Produktion zu bringen – die Time to Market – das allerwichtigste Kriterium ist. Natürlich gab es diese Anforderung auch schon vorher, aber sie war in der gleichen Kategorie wie z.B. Kosteneffizienz oder Portierbarkeit. Neue Systeme so zu entwickeln, dass sie sich schnell ändern können, ist schon eine Herausforderung; es alten, bestehenden Systemen beizubringen, eine noch viel größere.

Was ist dein Thema auf dem Summit, und was findest du persönlich spannend daran?

Stefan Tilkov: Mein Kollege Johannes und ich werden gemeinsam vermitteln, wie man Qualitätsanforderungen als Treiber für Architekturentscheidungen praktisch verwenden kann – damit etwas herauskommt, das nicht nur abstrakt »gut« ist (was niemandem etwas bringt), sondern tatsächlich zum Kontext passt.

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Thilo Frotscher

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Architektur-Trends

Welcher Trend der Software-Architektur wird deiner Einschätzung nach im Jahr 2021 Fahrt aufnehmen?

Stefan Tilkov: Ich glaube, dass wir immer stärker spüren, dass Benutzer:innen in den Mittelpunkt oder vielleicht besser: an den Startpunkt gestellt werden. Software zu entwickeln, die deren aktuelle Bedürfnisse umsetzt und sich schnell an neue anpassen lässt, für alle gleichermaßen schnell, effektiv und effizient zugänglich ist, nicht enttäuscht, sondern begeistert, Technologie nicht als Selbstzweck nutzt, sondern so, dass ein besserer Zugang zu Daten und Funktionen möglich ist: Das sollte im Mittelpunkt stehen und tut es nach meinem Empfinden auch immer häufiger.

Welches Architektur-Thema abseits der Hypes und Trends sollte deiner Meinung nach eine größere Beachtung finden?

Stefan Tilkov: Barrierefreiheit! Ich bin maßlos enttäuscht, dass wir die Technologien, die uns heute zur Verfügung stehen, oft ohne nachvollziehbaren Grund so verwenden, dass sie eine Menge Menschen völlig unnötig ausschließen. Das ist nicht nur ethisch und moralisch falsch, sondern auch wirtschaftlich völlig unsinnig.

Was ist das wichtigste Take-away deines Workshops, das die Teilnehmer mit nach Hause nehmen sollten?

Stefan Tilkov: Nicht jedem Hype hinterherlaufen, aber auch nicht alles ablehnen, weil es gerade gehypt wird, sondern anforderungsgetrieben eine große Menge von Optionen, die man im Werkzeugkoffer hat, passend zur jeweiligen Situation einsetzen.

Vielen Dank für das Interview!

Stefan Tilkov ist Geschäftsführer und Principal Consultant bei INNOQ, wo er sich vorwiegend mit der strategischen Beratung von Kunden im Umfeld von Softwarearchitekturen beschäftigt. Er ist Autor des Buchs „REST und HTTP“, Mitherausgeber von „SOA-Expertenwissen“ (beide dpunkt.verlag), Autor zahlreicher Fachartikel und häufiger Sprecher auf internationalen Konferenzen.
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