In drei Schritten die UX von RT-Technologien steigern
In drei Schritten die UX von RT-Technologien steigern
Der Siegeszug der Realtime-Technologien ist kaum zu bremsen. Egal ob WhatsApp, Facebook oder Co: Mittlerweile verarbeitet nahezu jede erfolgreiche Applikation ihre Daten in Echtzeit. Allerdings gibt es hierbei auch einen Haken: Falsch implementiert reduzieren Realtime-Technologien die User Experience eines digitalen Produkts. Wir erklären Euch, wie Ihr in drei Schritten die UX von RT-Anwendungen verbessern könnt.
1993 erblickten die ersten Browser das Licht der Welt. Das vorherrschende Paradigma lautete damals: Request-Response. Um Inhalte auf einer Webseite betrachten zu können, musste zunächst eine Anfrage an einen Server gesendet werden. Das eingehende Signal wurde verarbeitet und als Antwort die angeforderte Seite ausgegeben. Da das Netz damals vor allem zur Einsicht von Dokumenten genutzt wurde, war das Request-Response-System anfangs absolut ausreichend. Allerdings haben sich die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer seitdem enorm weiterentwickelt.
Das Bild des einsamen Nutzers, der nomadisch durch die Datenwüste zieht, ist ein Relikt vergangener Zeit. Das Netz hat sich in ein Multi-User-Environment gewandelt. Lineare Prozesse mussten einer Fülle von Interaktionen, die gleichzeitig ablaufen und sich überschneiden, Platz machen. Die Anwender erwarten heutzutage, dass ihre Applikationen miteinander vernetzt sind und in Echtzeit auf die Aktionen unterschiedlicher Benutzer reagieren.
Und dieser Anspruch wird eingelöst. Realtime-Technologien sind zu einem festen Bestandteil digitaler Produkte geworden. Facebook besitzt In-App-Notifications, Uber lokalisiert die Nutzer in Echtzeit und Google Docs lässt User gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. Groß geworden ist diese Technologie jedoch in einem ganz anderen Bereich: der Börse.
Der Einsatz von Echtzeit-Systemen revolutionierte den Finanzsektor, da Händler nun in der Lage waren, ihre Geschäfte mit niedriger Latenz durchzuführen. Richard Martin zufolge kann bereits der Vorteil einer Millisekunde einer Maklerfirma einen Gewinn von 100 Millionen Dollar bringen. Der Hochfrequenzhandel macht heutzutage in den USA nahezu die Hälfte aller getätigten Transfers aus.
In der schnelllebigen Finanzwelt entscheiden nur wenige Millisekunden über Erfolg oder Misserfolg. Es ist wenig verwunderlich, dass die Realtime-Technologie ebenfalls Einzug in den hart umkämpften Markt um die Aufmerksamkeit der Nutzer gehalten hat. Auch hier ist es eine Entscheidung von Sekunden, ob Angebote und Services bei den Usern punkten oder von ihnen links liegen gelassen werden.
Eingesetzt hat der Trend mit der massenhaften Verbreitung mobiler Endgeräte. Zu Beginn wurden die Möglichkeiten mobiler Devices noch nicht vollständig ausgenutzt, sondern nur mithilfe von responsiven und adaptiven Techniken für eine geräte- und plattformübergreifend richtige Darstellung gesorgt. Zunehmend wurde jedoch der Wunsch der Nutzer nach einer gewissen „physischen“ Präsenz im Netz lauter.
Dies hatte zur Folge, dass die Skalierbarkeit ihren Status als ausschlaggebender Faktor einer guten mobilen User Experience einbüßte. Um den Usern die bestmögliche Erfahrung im Umgang mit digitalen Inhalten zu ermöglichen, rückte die kontext- und personengebundene Auswertung mobiler Meta- und Echtzeitdaten mehr und mehr in den Mittelpunkt.
Heutzutage haben die meisten populären Apps Realtime-Funktionen standardmäßig in ihr Angebot integriert. Sie stellen einen wichtigen Teil ihrer digitalen Interaktionsstruktur dar. Kaum jemand würde heute noch freiwillig – bei allem Unmut gegenüber modernen Technologien – auf die In-App-Notifications von Twitter, Facebook und Co verzichten. Sie sind ein natürlicher Teil des App-Ökosystems geworden.
Die Auswertung von Meta- und Echtzeitdaten scheint das frühere Paradigma der Netzwelt von Request und Response endgültig zu Grabe zu tragen. Im Zeitalter von sozialen Netzwerken sind Anwender nicht mehr auf der Suche nach Informationen. Die Logik hat sich vielmehr umgekehrt. Informationen finden und erreichen die User in Echtzeit auf unterschiedlichsten Kanälen und Geräten.
Nicht zuletzt haben also die sozialen Netzwerke dafür gesorgt, dass Inhalte, die nicht in Echtzeit synchronisiert werden, eine schlechte User Experience besitzen. Niedergeschlagen hat sich dieser Trend in einer Fülle von Libraries und Frameworks, wie Firebase, Signalr, Parse, oder Meteor, mit denen sich Realtime-Funktionen innerhalb kürzester Zeit schreiben und in die eigene Applikation integrieren lassen.
Die abwechselnde Interaktion von Mensch und Maschine ist passé. Viele Anwender benutzen nun simultan ein System, das mit den gleichen Daten arbeitet und dessen Interface auf die Aktionen der unterschiedlichen Teilnehmer reagiert. Die in solchen Netzwerken in Echtzeit generierten Datenmassen sprengen jedoch das kognitive Vermögen der User. Sie sind einfach nicht mehr in der Lage, alle auf sie einprasselnden Informationen zu verarbeiten.
Werden Realtime-Technologien daher blind implementiert, ist in Sachen User Experience noch nicht viel gewonnen – im Gegenteil. Da Echtzeitdaten dazu neigen, die Nutzer zu überfordern, kann das den User Flow negativ beeinflussen. Außerdem dürfen technische Hürden, wie die unverhältnismäßige Auslastung von Netzwerken oder mobilen Datenvolumina, nicht aus dem Blick geraten.
Bevor RT-Technologien implementiert werden, sollte also nach möglichen Alternativen Ausschau gehalten werden. So haben sich das automatische Laden von Inhalten bei aktiver WLAN-Verbindung und das Herunterladen von Daten auf Nachfrage bewährt. Wer aber nicht auf RT-Technologien verzichten möchte, sollte auf folgende drei Regeln, die Dominic Nguyen in seinem Artikel anhand einer Vielzahl von instruktiven Illustrationen erklärt, einen Blick werfen.
Transparente Kommunikation: Der wichtigste Punkt im Umgang mit Echtzeit-Technologien ist der Einbezug der Nutzer. Das gilt nicht nur für die Generierung und Ausgabe von Daten, sondern trifft auch auf die visuelle Kommunikation zwischen System und User zu. Die Anwender müssen zu jedem Zeitpunkt genau wissen, was geschieht. Da aufgrund der Komplexitätsreduktion nicht jede Aktion des Systems den Nutzern einzeln angezeigt werden kann, ist es erforderlich, die Hintergrundabläufe transparent zu machen. Werden die Anwender beispielsweise sofort über Verbindungsabbrüche oder lange Ladezeiten informiert, wirkt sich das positiv auf die User Experience aus. Ebenfalls ist es für eine gute UX förderlich, wenn das System auf die Aktionen der Nutzer unmittelbar reagiert und antwortet.
Veränderungen antizipieren: Die Nutzer sollten nicht nur jederzeit wissen, was geschieht, sondern ebenfalls erahnen können, was sie erwartet. Veränderungen sollten nicht plötzlich und unangekündigt eintreten, sondern von den Anwendern antizipiert werden können. Werden die Inhalte beispielsweise manuell aktualisiert, kann den Nutzern die Anzahl der neuen Ergebnisse im Vorhinein angezeigt werden. Eine weitere Methode ist das Vorladen von Blanko-Elementen, die nach und nach mit Informationen gefüllt werden. So wissen die User vor Abschluss des Ladevorgangs bereits, was sie erwartet.
Einheitlicher Kontext: Kein Anwender ist in der Lage, die Flut an Realtime-Daten in Echtzeit nachverfolgen zu können. Dafür ist die Datenmenge einfach zu groß. Um den Nutzern dennoch eine gewisse Stabilität im unablässigen Datenstrom zu ermöglichen, ist eine einheitliche Aufbereitung und Anordnung der Inhalte unerlässlich. Transparenz und Antizipation spielen auch bei der Interaktion mit dem Content eine wichtige Rolle. Es sollte für die Anwender vorhersehbar sein, wo neue Inhalte im App-Design geladen werden. Ein in sich kohärenter Aufbau und eine konsistente Platzierung sorgen für eine einfache Orientierung. Im Zweifelsfall kann das Aufpoppen neuen Contents per Animation verdeutlicht werden. Ebenfalls ist es sinnvoll, beim Zurückkehren auf eine bereits besuchte Seite die alte Scrollposition wieder aufzugreifen.
Die Integration von Realtime-Funktionen wirkt sich dann positiv auf die UX auf, wenn die komplexen Daten sinnvoll gefiltert und für die Nutzer angemessen aufbereitet werden. Erst so kann sichergestellt werden, dass die Anwender aus der Verknüpfung der einzelnen Punkte, die vom System geliefert werden, einen informativen Mehrwert ziehen können und nicht von der Flut an Daten erschlagen werden.
Die von Nguyen präsentierten Prinzipien geben Auskunft darüber, wie die Form der Inhalte beschaffen sein muss, damit sich die User im „Echtzeit-Dschungel“ zurechtfinden. Über die Inhalte selbst geben sie keine Auskunft – das können sie aber gar nicht leisten. Es ist äußerst schwierig, allgemeine Richtlinien hinsichtlich der inhaltlichen Gestaltung für Realtime-Technologien aufzustellen. Lauren Plews hat in ihrem Artikel eine Fülle von Beispielen zusammengetragen, die zeigen, in welch unterschiedlichen Bereichen diese Technik gewinnbringend zum Einsatz kommen kann.
Realtime-Technologien sind in der heutigen digitalen Landschaft überall im Einsatz und aus den modernen Interaktionsstrukturen kaum noch wegzudenken. Realtime-Funktionen, wie In-App-Notifications oder das Geo-Location-Tracking, tragen dazu bei, die User Experience eines digitalen Produkts durch die Anhebung der Kundenzufriedenheit zu steigern.
Dennoch sollte diese Technologie nicht blind in das eigene Angebot integriert werden. Erst wenn RT-Technologien einen informativen Mehrwert für den Nutzer generieren, können sie die UX positiv beeinflussen. Hierbei ist es weniger entscheidend, welche Angebote offeriert werden. Wichtiger ist es, dass der Content derart aufbereitet wird, dass die Anwender im Echtzeit-Geschehen nicht den Überblick verlieren.
Aufmacherbild: World Map. Mobile GPS Navigation via Shutterstock / Urheberrecht: DRogatnev