Vol #07 mit Fundstücken aus Grafik, Design, Typografie, Web & Responsive Webdesign

Textualität – die Top-Fonts 2015 und eine neue Webtypografie
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In dieser Artikelserie präsentieren wir einen abwechslungsreichen Mix aus ebenso spannenden wie interessanten Fundstücken aus Grafik, Design, Typografie, Web und Responsive Webdesign. In der heutigen Ausgabe: die neue serifenlose Schrift Fabrikat, das Redesign von DENIC, die besten Fonts 2015 und Gedanken zu einer neuen Webtypografie.

Darf ich vorstellen? Fabrikat.

Die Fabrikat ist eine neue Schrift, die von Christoph Koeberlin entworfen wurde, kreativer Input kam von Hannes von Döhren. Die serifenlose Schrift besteht aus 14 Schnitten und ist selbstverständlich auch als Webfont erhältlich. Die geometrische Gestaltung geht auf technische Schriften aus dem 20. Jahrhundert zurück, erscheint klar und definiert und hat dennoch etwas Eigenes. Bemerkenswert ist z.B. das kleine a, dessen Bogen auffällig weit nach vorne geführt wird.
Die Schrift bietet überraschende Details in Headlinegrößen, funktioniert aber dennoch gut für Mengentext. Sie kommt mit jeder Menge OpenType-Features für komplexe typografische Anwendungen und unterstützt unterstützt auch andere Zeichensysteme wie z.B. Kyrillisch.

Fabrikat

So sieht Fabrikat aus (Quelle: http://www.myfonts.com/fonts/hvdfonts/fabrikat/gallery.html).

DENIC im neuen Gewand

DENIC betreibt nach eigenen Angaben mit 16 Millionen Domains eine der größten Top-Level Domains der Welt und überraschte uns mit einem neuen Erscheinungsbild. In ihrem Jubiläumsjahr hat die Genossenschaft den Anspruch, die Zukunft auch weiterhin aktiv mitzugestalten. Mit dem Schriftenwechsel von der Officina zur frei erhältlichen Montserrat schließen sie sich einem Trend an, der in letzter Zeit häufiger zu sehen ist. Ob dabei monetäre Argumente eine Rolle spielen, oder die Logoschrift mit der Textschrift auf der Webseite einheitlich erscheinen soll, bleibt Spekulation. Sicher aber ist, dass die Marke an Individualität verliert und sich in die generischeren Gestaltungsansätze einreiht. Die Logofarbe ändert sich von schwarz-grün zu einem monochromen Blauton. Ebenso wurde die komplette Webseite überarbeitet und hat einen zeitgemäßen Look erhalten.

denic_Logovergleich

Die DENIC-Logofarbe ändert sich von schwarz-grün zu einem monochromen Blauton (Quelle: denic.de)

Die besten Fonts 2015

Auch dieses Jahr hat Christoph Koeberlin seine Liste mit den besten Fonts des vergangenen Jahres auf Typefacts veröffentlicht. Seine Kollegen Norman Posselt und Sven Fuchs haben ihm bei der Auswahl geholfen. Der Fokus bei dieser Zusammenstellung liegt auf einem Überblick über alle beachtenswerten Schriften des Jahres 2015, mit einigen Spotlights auf persönliche Favoriten. Kriterien für die Auswahl waren u.a. Sprachausbau, technische Umsetzung, Form, Anmutung und Originalität. Die Auswahl der Fonts reicht von Handgeschriebenem über expressionistische Holzschnittinterpretationen bis hin zu soliden Textschriften für den täglichen Gebrauch. Eine umfangreiche Übersicht und tolle Inspiration!

best fonts 2015

Quelle: http://typefacts.com/news/die-besten-fonts-2015

Die neue Webtypografie: Sandburgen aus Code und typografische Schlösser

Robin Rendle hat den erhellenden Artikel „The New Web Typography“ veröffentlicht und beruft sich dabei auf Ideen von Jan Tschichold, einen Gestalter aus dem 20. Jahrhundert. Tschichold war der Ansicht, dass Bücher jeweils für den Puls der Zeit gestaltet werden und nicht auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten späterer Generationen abgestimmt sind. Rendle stellt sich dabei den Fragen, warum wir fasziniert sind von typografischen Regeln; ferner geht er der Frage nach, welche Form diese Regeln annehmen würden, wenn wir sie selbst aufstellten. Rendle stellt gedruckte und damit typografische kontrollierbare Texte der unkontrollierbareren aber leicht verbreitbaren Onlinevariante gegenüber. Anschließend teilt er den Graubereich dazwischen weiter auf in einzelne Segmente. Die Navigation darin beschreibt er als komplexen Prozess mit verschiedenen Vorzügen. Sein Wunsch ist es, die vorhandenen Möglichkeiten auszunutzen und bis an die Grenzen auszureizen. Dafür stellt er Regeln auf, die eine neue Form der Typografie im Web darlegen:

  1. Der Wert des Textes steht über der Schrift.
  2. Lösungen einsetzen, die die Konsequenz typografischer Entscheidungen unterstützen.
  3. Webtypografie ist nur so gut wie ihr schwächstes Element.

Er erwähnt Lösungsansätze wie font stacks und spricht über das Ladeverhalten von Webfonts. Er fordert Werkzeuge, die das Verhältnis von Code und Design besser visualisieren. Und er zeigt Fehler in der Programmierung und der Gestaltung auf und wie sich diese gegenseitig beeinflussen. Interpolation und dynamische Schriftenbreiten sind beispielsweise Optionen, die sich mit den aktuellen Herausforderungen beschäftigen. Der Wunsch nach Regeln, an denen man sich orientieren kann, ist mindestens genauso groß wie die Hoffnung auf technische Lösungen für die Zukunft. Der englische Artikel taucht tief in das Thema ein und lässt Raum für Hoffnungen, so dass aus gecodeten Sandburgen keine typografischen Luftschlösser werden.

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