Allrounder feiern ein Comeback und sind gefragter denn je

Webdesign vs Webentwicklung: Zeit für die Rückkehr der Unicorns!
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Unicorns waren lange Zeit von der Bildfläche verschwunden. Seitdem das Web aber im Zuge der mobilen Revolution seinen Kinderschuhen entwachsen ist, zeichnet sich ihr Comeback mehr und mehr ab. Verantwortlich für diesen Trend sind die sich immer weiter überschneidenden Kompetenzen von Webdesigern und Webentwicklern. Aber auch die Entwicklung effizienterer Tools für Webprofessionals hat ihren Anteil daran.

Es gibt einige Vorurteile, die sich hartnäckig halten, wenn es zum Vergleich zwischen Webdesignern und Webentwicklern kommt. So wird sich häufig darum gestritten, welche Profession schwieriger zu erlernen ist. Die eine Seite behauptet, dass der Einstieg in die Webentwicklung schwerer fällt, da mathematischen Grundlagen und Programmierkenntnisse erworben werden müssen. Die andere Seite erwidert, dass Kreativität auf Knopfdruck komplizierter ist als die Aneignung technischen Wissens.

Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Positionen setzt sich im Zuge des Streits um die Gehaltsaussichten fort. So hält sich nach wie vor das Gerücht, dass Designer deutlich weniger als Entwickler verdienen. Die einen finden das in Ordnung. Da Code nun mal die Grundlage des Netzes bildet, sind die meisten notwendig auf Developer angewiesen. Die anderen finden die Unterschiede in der Bezahlung unangemessen. Sie sind der Meinung, dass jede technische Umsetzung nur so gut sein kann wie ihr gestalterischer Entwurf.

Letztlich liegen beide Gruppen falsch. Ob einem der Beruf des Designers oder des Entwicklers einfacher fällt, lässt sich nicht verallgemeinern, sondern hängt immer von den individuellen Fähigkeiten ab. Ohne Vorwissen ist das Erlernen von Code mitunter genauso schwierig wie das Pauken von Design-Prinzipien.

Dasselbe gilt ebenfalls für die Bezahlung. Die Aussage, dass der durchschnittliche Developer mehr verdient als der gewöhnliche Designer, kann ebenso wenig pauschaliert werden. So liegt beispielsweise der Jahresverdiensts eines Interaktionsdesigners in Deutschland über dem Einkommen eines Webentwicklers.

Zwischen Webdesign und Webentwicklung

Wer seine Entscheidung zugunsten der Webentwicklung trifft, weil er viel verdienen möchte, liegt genauso falsch wie jemand, der für eine Karriere als Designer optiert, um Programmiersprachen aus dem Weg zu gehen. Als Gestalter muss man sich nicht nur im Webdesign auskennen, sondern auch grundlegende Kenntnisse in der Front-End-Entwicklung mitbringen. Das Gleiche gilt übrigens für Entwickler. Sie sollten sich nicht in ihrem Back-End verkriechen, sondern Gestaltungsgrundlagen erlernen.

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Personen, die das Skillset von Webdesignern und Webentwicklern vereinen, werden gemeinhin als Unicorns bezeichnet. Ihr Wissen deckt beide Aufgabenbereiche ab und erstreckt sich über eine Vielzahl verschiedener Disziplinen wie Photoshop, HTML, CSS, Typografie, Responsive Design, UX-Design, JavaScript und jQuery.

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Infografik: Unicorn, Quelle: Skillcrush.com

Da viele junge Unternehmen ihre digitalen Produkte möglichst schnell auf den Markt bringen wollen, sind sowohl Entwickler, die designen können, als auch Designer, die entwickeln können, in der heutigen Startup-Szene gefragter denn je. Gesucht werden Produktmanager, die sich in der Gestaltung genauso wohl fühlen wie in der Entwicklung. Personen, die kein breites Wissen in verschiedenen Disziplinen besitzen, werden in Zukunft kaum noch Teil eines erfolgreichen Teams sein.

Die Geschichte der Unicorns

Die Geschichte der Unicorns ist fast so alt wie das Netz selbst. Als das Web noch in den Kinderschuhen steckte, war nahezu jeder in der Lage, eine eigene Homepage zu programmieren. Man musste sich nur ein wenig mit Code und den gängigen Grafikprogrammen auskennen.

Im Zuge der zunehmenden Professionalisierung des Webs kam es jedoch zu einer ausdifferenzierten Arbeitsteilung. Da erprobte Technologien und Softwarepakete Mangelware waren, mussten sie erst in mühevoller Kleinarbeit in Expertenteams entwickelt werden. Eine einzelne Person war mit dieser Mammutaufgabe überfordert.

Die Karten wurden durch die Einführung der ersten Smartphones und Tablets neu gemischt. Die massenhafte Verbreitung mobiler Endgeräte hatte zur Folge, dass die Funktionalität optischer Bausteinen in den Vordergrund rückte. Responsive und minimalistische Designs kamen in Mode, da sie in der Lage waren, Inhalte geräteübergreifend darstellen zu können.

Die technischen Erneuerungen führten dazu, dass der Content gegenüber der Gestaltung mehr und mehr an Bedeutung gewann. Die Anwender rückten in den Mittelpunkt der Produktentwicklung und wurden zum entscheidenden Gradmesser über Erfolg und Misserfolg.

Mit dem Siegeszug der User Experience geriet die klare Arbeitsteilung zwischen Webdesigern und Webentwicklern ins Hintertreffen. Um den Nutzern ein möglichst positives und in sich geschlossenes Erlebnis liefern zu können, dürfen Design- und Entwicklungsentscheidungen nicht getrennt voneinander getroffen werden. Designer müssen sich deshalb mit den Workflows und Best Practices von Entwicklern auskennen – das Gleiche gilt auch für Developer.

Zeit für ein Comeback

Die Neuausrichtung in der Produktentwicklung macht ein Comeback unausweichlich. Fielen die ersten Unicorns noch der einsetzenden Goldgräberstimmung und Experimentierfreude zum Opfer, ist das Web heutzutage seinen Kinderschuhen entwachsen. Es hält mittlerweile eine Vielzahl erprobter und funktionaler Technologien bereit, die heutigen Unicorns in die komfortable Lage versetzen, dem umgreifenden Spezialisierungsdruck nicht ganz ohne Gegenwehr ausgesetzt zu sein.

Denn im Zuge des Erwachsenwerdens des Webs sind die Aufgaben von Webdesignern und Webentwicklern nicht einfacher geworden. Allerdings haben sich die Tools, die ihnen eine Menge Arbeit abnehmen, weiterentwickelt. Beiden Berufsgruppen fällt der Einstieg in die Materie des anderen deswegen so einfach wie noch nie.

Das Hauptziel eines jeden Unicorns liegt nach wie vor darin, so unabhängig wie möglich arbeiten zu können. Allerdings ist Selbstständigkeit nicht mit Isolation gleichzusetzen. So ist es im Produktionsprozess enorm wichtig, bei Bedarf das eigene Wissen mit anderen im Team zu teilen. Denn den sich aus der Zusammenarbeit ergebenden Vorteil für die Nutzer richtig zu erkennen, ist immer noch das beste Werkzeug, das breit ausgebildete Webprofessionals zur Hand haben.

 

Aufmacherbild: Beautiful card with a unicorn via Shutterstock / Urheberrecht: zyitaei

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