Das Entwickler-Nähkästchen: Teil 4

Das Entwickler-Nähkästchen: Trends in JavaScript und .NET
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Was sollte sich an .NET ändern und wie geht es bei JavaScript weiter? Erwartet uns eine Konsolidierung oder eher die nächste Disruption? Auch diese Fragen beantworten unsere Autoren im großen Entwickler-Nähkästchen.

In den ersten drei Teilen des Entwickler-Nähkästchens haben wir übergreifend nach Trends und Vorsätzen gefragt: Was war 2020 spannend, was wir 2021 besonders interessant, womit willst dud ich beschäftigen? Alle Autoren haben aber natürlich auch ihre Spezialgebiete. Darum geht es jetzt: Was tut sich bei JavaScript und .NET?

.NET

.NET 5 ist im November 2020 erschienen – was war daran dein persönliches Highlight?

Dr. Holger Schwichtenberg: Über 80 neue Features für meinen bevorzugten OR-Mapper, Entity Framework Core. Durch Table-per-Type-Vererbungsunterstützung und N:M-Abstraktion per Skip Navigations ist nun die Migration bestehender klassischer Entity-Framework-basierter Anwendungen nach Entity Framework Core viel einfacher geworden!

Roman Schacherl: Neben inhaltlichen Themen fand ich es großartig, dass .NET 5 schon am Tag der Veröffentlichung in Azure Web Apps verfügbar war. Super!

Was wünschst du dir für die Zukunft von .NET?

Dr. Holger Schwichtenberg: Ich wünsche mir neben den angekündigten jährlichen Hauptversionen im November (.NET 5, .NET 6, .NET 7 usw) noch ein bis zwei Feature-Releases (5.1, 5.2, 6.1, 6.2 usw) während des Jahres. Nur eine Version pro Jahr ist für mich etwas zu „unagil“. Mit Previews darf ich bei einigen unserer Kunden leider nicht arbeiten.

Roman Schacherl: Ich bin mit der aktuellen Entwicklung sehr zufrieden, vor allem was die offene Kommunikation und Dokumentation betrifft. Das Framework – und vor allem C# – werden aber natürlich immer komplexer, das fällt mir vor allem bei meiner Unterrichtstätigkeit auf. Ich hoffe, dass C# auch für Einsteiger eine attraktive Sprache bleibt.

JavaScript

Wie schätzt die die Entwicklung des JavaScript-Ökosystems eins: Erleben wir eine Konsolidierung oder stehen wir vor der nächsten Disruption?

Sebastian Springer: Momentan stehen für mich die Zeichen eher auf Stabilisierung als auf einem radikalen Umbruch. Ein Blick auf die Entwicklung im letzten Jahr sagt da schon viel aus. Alle Hersteller achten stark auf einen evolutionären Ansatz. Ein Vorgehen, wie es Google beim Umstieg von AngularJS auf Angular praktiziert hat, kann sich in der aktuellen Konkurrenzsituation kaum ein größerer Hersteller leisten. Zu groß ist das Risiko, dass die Community negativ reagiert und die Entwickler abwandern. Diese Situation kommt uns als Entwickler natürlich zugute, da wir uns nur wenige Sorgen machen müssen, dass wir unsere großen Applikationen radikal umschreiben müssen.

Daniel Mies: Auf Sprachebene eher eine Konsolidierung. Hier sollten Entwickler einfach die für sie passende Sprache wählen und, wo es weiterhilft, auch gerne im Projekt mischen. Die Entwicklung bei den Build-Tools verspricht, dass die Entwicklungserfahrung sich weiter verbessert.

Was würdest du dir für die Zukunft der JavaScript-Welt wünschen?

Marc Teufel: Weniger ist mehr! Die JavaScript-Welt ist so fragil, Frameworks und Bibliotheken schießen wie Pilze aus dem Boden. Wer nicht aufpasst, läuft gerade in JavaScript-Projekten Gefahr, in der Komplexitätshölle zu enden. Ich wünsche jedem einzelnen JavaScript-Entwickler von Herzen, dass er sich selbst vor diesem Höllenritt bewahrt. Und das geht ganz einfach: Nicht auf jeden Zug mit aufspringen, nicht jede coole Bibliothek sofort ins eigene Projekt aufnehmen, Nachdenken, Überlegen und auf das eigene Können vertrauen und vielleicht auch mal die eine oder andere Funktion selbst schreiben statt nach einer passenden npm-Abhängigkeit zu suchen. Auf Standards setzen, sich mit den reichhaltigen Funktionen von JavaScript und TypeScript auseinandersetzen und auch die ECMAScript-Proposals des TC39 im Blick zu behalten. Das wäre mein Wunsch an die JavaScript-Welt.

Daniel Mies: Ich warte weiter darauf, dass Web Components richtig durchstarten. Jetzt wo die Browser den passenden Support liefern, fehlt vielleicht nur noch eine Library oder ein Framework, welches sich gegen die großen Platzhirsche React und Angular durchsetzen kann.

Sebastian Springer: Ein bisschen weniger Geschwindigkeit und mehr Verlässlichkeit wären schön, aber das Chaos und die Schnelllebigkeit charakterisieren die JavaScript-Welt nun einmal. Aber gerade, wenn es um Applikationen mit einer erwarteten Lebenszeit von fünf bis zehn Jahren geht, ist es nicht unbedingt erstrebenswert, dass sich die Frameworks und das Ökosystem gefühlt jedes Jahr ändern.

Andererseits können wir uns als JavaScript-Entwickler glücklich schätzen, dass wir mit einer so lebendigen und aktiven Sprache arbeiten können. So wird man von der Sprache und den darauf aufsetzenden Lösungen schon fast gezwungen immer am Ball zu bleiben und sich stetig weiter zu entwickeln.

Die Fragen stellten Maika Möbus und Ann-Cathrin Klose.

Dr. Holger Schwichtenberg (MVP) – alias „Der DOTNET-DOKTOR“ – gehört zu den bekanntesten .NET- und Webexperten in Deutschland. Er ist Chief Technology Expert bei der Softwaremanufaktur MAXIMAGO. Mit dem Expertenteam bei www.IT-Visions.de bietet er zudem Beratung und Schulungen für andere Unternehmen an. Seit 1998 ist er ununterbrochen Sprecher auf jeder BASTA!-Konferenz und Autor von mehr als 70 Fachbüchern.


Sebastian Springer ist JavaScript-Entwickler bei MaibornWolff in München und beschäftigt sich vor allem mit der Architektur von client- und serverseitigem JavaScript. Sebastian ist Berater und Dozent für JavaScript und vermittelt sein Wissen regelmäßig auf nationalen und internationalen Konferenzen.


Daniel Mies arbeitet als Senior IT Consultant bei der codecentric AG. Seine Leidenschaft gilt der modernen Frontend-Entwicklung und Webstandards. In seiner Freizeit podcastet er unter https://mies.me.


Marc Teufel arbeitet als Softwarearchitekt und Projektleiter bei der Hama GmbH & Co KG und ist dort für die Durchführung von Softwareprojekten im Bereich Logistik zuständig. Er ist Autor zahlreicher Fachartikel im Umfeld von Eclipse und Web Services. Außerdem war er an den erfolgreichen Büchern „Java Web Services mit Apache Axis2“ und „Eclipse 4 – Rich Clients mit dem Eclipse 4.2 SDK“, alle erschienen bei entwickler.press, beteiligt.


Roman Schacherl ist Gründer und Geschäftsführer der Firma softaware gmbh und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit moderner Softwareentwicklung, vorwiegend im Microsoft-Umfeld. Roman ist nebenberuflich Lehrender an der FH Oberösterreich und als Sprecher auf Entwicklerkonferenzen im deutschsprachigen Raum tätig. Er wurde bereits mehrfach mit dem Microsoft MVP Award in der Kategorie „Artificial Intelligence“ ausgezeichnet.

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