Microsoft gibt Neuerungen rund um Windows 10, HoloLens, Cortana, Visual Studio und Co. bekannt

Build Konferenz 2016: Chatbots sind das neue Trend-Thema im Hause Microsoft
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Auf der derzeit stattfindenden Build Konferenz 2016 überrascht Microsoft mit einigen Neuheiten und Ankündigungen: So hat der Softwarekonzern Machine Learning und Chatbots zu den neuen Trend-Themen für dieses Jahr erklärt und es gibt neue Informationen zur Jubiläumsausgabe von Windows 10 alias „Windows 10 Anniversary“. Mit Project Centennial gibt es zudem eine neue Bridge-Technologie, Cortana Intelligence Suite hält neue Preview-Tools bereit und eine erste Preview der kommenden Visual Studio Version wurde ebenfalls veröffentlicht.

Viele Entwickler dürften dem Event gespannt entgegen gesehen haben, und nun ist es so weit: Derzeit findet Microsofts Build Konferenz 2016 in San Francisco statt. Microsofts CEO Satya Nadella eröffnete die Konferenz mit einem Ausblick darauf, wohin die Reise für Entwickler zukünftig gehen wird und stellte unter anderem Machine Learning als eines der neuen Top-Themen bei Microsoft vor:

As an industry, we are on the cusp of a new frontier that pairs the power of natural human language with advanced machine intelligence.

In diesem Kontext gab es einige spannendere Neuheiten auf der Build, mit denen die wenigsten gerechnet haben dürften. So will Microsoft dialogorientierte Chatbots mehr und mehr in den Alltag von Nutzern integrieren und stellte einen neuen Bot Framework für Entwickler vor. Microsofts neues Konzept fasste Nadella außerdem unter dem Begriff „Conversations as a Platform“ zusammen. Eine der obersten Prioritäten in Redmond soll es demnach sein, Microsoft Azure, Office 365 und Windows 10 künftig enger mit den hauseigenen Kommunikations-Lösungen (Skype, HoloLens, Cortana, die anstehende Windows Ink Platform) zu verzahnen.

Darüber hinaus hielt der erste Tag der diesjährigen Build noch einige weitere Ankündigungen bereit. So gab es ein Update zu Windows 10 und einige weitere Neuerungen in den Bereichen der Cloud-Dienste und Entwicklerwerkzeuge.

Neues Bot-Framework veröffentlicht

Geht es nach Microsoft, sollten Entwickler künftig verstärkt auf KI-Plattformen setzen, denn die Zukunft des Computings sieht der Software-Riese in dialogorientierten Chatbots. In diesem Zusammenhang hat Microsoft einen neuen Bot Framework vorgestellt, der aktuell in der Preview vorliegt. Das Tool soll es Entwicklern ermöglichen, eigene Chatbots für ihre Anwendungen zu erstellen. Zusätzlich steht das BotBuilder-Software-Development-Kit (SDK) Open Source auf GitHub bereit.

Die Bots sollen in eine Reihe von Anwendungen implementiert werden können, etwa in Slack, Telegram oder Mail- und Messaging-Apps. Wie ein solcher Bot aussehen und funktionieren kann, zeigt Microsoft unter anderem am Beispiel des BuildBots.

Cortana Intelligence Suite

Das neue Bot Framework ist Teil der Cortana Intelligence Suite (früher: Cortana Analytics Suite), die ebenfalls bei der Erstellung intelligenter Bots und Anwendungen unterstützen soll. Diese nutzt Technologien aus den Bereichen Big Data, Machine Learning, Analytics sowie weitestgehend automatisch arbeitenden Computerprogrammen („Bots“). So können Entwickler und Unternehmen auf Basis von Microsoft Azure selbstlernende Anwendungen und intelligente Bots programmieren, die mit ihren Nutzern personalisiert kommunizieren. Hierfür hat Microsoft die Preview von einem neuen Tool für die Cortana Intelligence Suite sowie auch das Skype Bot Platform SDK und neue APIs vorgestellt:

  • Microsoft Cognitive Services: ermöglichen eine natürliche Kommunikation mit Computersystemen. Die APIs bieten Entwicklern die Möglichkeit, Anwendungen das Sehen, Hören, Sprechen, Verstehen und Interpretieren menschlicher Bedürfnisse beizubringen.
  • Mit dem Skype Bot Platform SDK und den zugehörigen APIs können Entwickler Bots programmieren, die die unterschiedlichen Kommunikationsmittel von Skype nutzen, darunter Text-, Sprach- und Videonachrichten sowie interaktive 3D-Charaktere. Über die aktuellen Versionen für Windows, Android und iOS erhalten Anwender einen ersten Eindruck der intelligenten Skype Bots.

Windows 10: Windows Ink, Cortana und Windows Hello

Im Sommer 2016 soll das erste große Update für Windows 10 erscheinen, so viel war bereits vor der Build bekannt. Neu ist der Name der kommenden Version, die bisher mit Windows-10-Redstone bezeichnet wurde. Offiziell lautet der Titel nun aber „Anniversary Update“.

Das Upgrade für die Jubiläumsausgabe soll kostenlos für alle Windows-Nutzer zur Verfügung stehen, bisher ist allerdings unklar, was das konkret bedeutet. Fakt ist, dass am 29. Juli das kostenlose Upgrade-Angebot von Windows 10 knapp ein Jahr nach Erscheinen des OS ausläuft. Ab diesen Zeitpunkt ist der Umstieg auf die neue Windows-Version für Windows-7- und 8-Nutzer kostenpflichtig. Dazu, welche Kosten dann für die Lizenz anfallen und ob die Rabatt-Aktion im Zuge des Anniversary-Updates verlängert werden soll, gibt es bisher keine Informationen.

Für Entwickler steht ab sofort das Windows-10-Anniversary-SDK mit der Buildnummer 14295 bereit. Das Entwickler-Kit kann über die folgenden Downloadlinks bezogen werden: Windows SDK, Mobile Emulator, WDK.

Die Jubiläumsausgabe soll einige Neuerungen bringen, unter anderem sollen Stift und Stimme eine größere Rolle spielen. Ein neues Feature ist etwa Windows Ink, das die Stifteingabe natürlicher machen und für eine Schreiberfahrung wie auf Papier sorgen soll. Außerdem soll die Funktion die Erstellung von digitalen „Haftnotizen“ oder Zeichnungen auf Whiteboards ermöglichen.
Auch Rund um Cortana sind Änderungen angekündigt. Microsofts digitale Sprachassistentin soll auf Wunsch über den Tag hinweg proaktiv Ratschläge geben. Zudem soll der Austausch mit Cortana auch dann möglich sein, wenn sich das genutzte Gerät im gesperrten Modus befindet.

Die Sicherheitsfunktion Windows Hello soll zukünftig den biometrischen Zugang auf mehreren Geräten ermöglichen. Gleichzeitig soll sie für Anwendungen erhältlich sein, zum Beispiel für den Browser Microsoft Edge, um sich bei Webseiten anzumelden.

Visual Studio 15 in der Preview verfügbar

Im Rahmen der Build hat Microsoft außerdem die finale Version von Visual Studio 2015 Update 2 veröffentlicht. Im Vordergrund des Releases stehen Fehlebehebungen und Performanceverbesserungen, daneben gibt es aber auch eine Reihe neuer Tools und Funktionen. Darunter die Universal Windows Platform Tools, die Developer Analytics Tools und Python für Visual Studio in der Version 2.2.3 .

Darüber hinaus hat das Visual-Studio-Team eine Preview der kommenden Version der IDE veröffentlicht, die aktuell mit dem Codenamen Visual Studio 15 (nicht zu verwechseln mit Visual Studio 2015) bezeichnet wird. Einschlägige Neuerungen bringt die Vorabversion noch nicht mit, einen Überblick über die Funktionen findet sich in den Release Notes. Weiterführende Informationen haben wir außerdem in diesem Beitrag zusammengefasst.

Project Centennial und „Bash“-Shell

Ab sofort ist eine neue Bridge-Technologie für Windows Entwickler verfügbar: Project Centennial. Mithilfe der Bridge sollen Entwickler ihre klassischen Win32-Anwendungen in Universal Windows Apps konvertieren und in den Windows Store bringen können. Mit einem der kommenden Windows-Insider-Preview-Builds will Microsoft eine erste Preview-Version des Projekts an Insider ausliefern. Mehr Informationen zu Project Centennial gibt es im Windows Dev Center.

Microsoft öffnet die Windows Plattform außerdem gegenüber Linux: So unterstützt Windows 10 zukünftig die „Bash“-Shell und weitere Kommandozeilen-Werkzeuge aus dem Open-Source-Umfeld. Damit soll Windows 10 nicht nur eine emulierte oder virtuelle Variante von Bash erhalten. Ziel sei es, in Zusammenarbeit mit Canoncial die nativen Ubuntu-Binaries in Windows 10 zu implementieren.

Neues zu HoloLens und Microsoft Edge

HoloLens geht in die nächste Runde: Im Zuge der Build hat Microsoft die Auslieferung der Development-Edition der Augmented-Reality-Brille in den USA und Kanada gestartet. Natürlich gab es auf der Konferenz auch einige Beispiele von Unternehmenskunden, die HoloLens bereits heute im Einsatz haben – unter anderem die NASA. Entwickler können die Universal Windows Platform nutzen, um neue Augmented-Reality-Anwendungen mit Hologrammen zu erstellen.

Zudem hat Microsoft den angekündigten Development-Emulator für HoloLens bereitgestellt. Damit sollen Entwickler ihre holografischen Anwendungen ausprobieren können, ohne das physische Development Kit zu erwerben – das schlägt aktuell mit einem Preis von 3000 US-Dollar zu Buche. Microsoft beschreibt den Emulator wie folgt:

The emulator uses a Hyper-V virtual machine. The human and environmental inputs that would usually be read by the sensors on the HoloLens are instead simulated using your keyboard, mouse, or Xbox controller. Apps don’t need to be modified to run on the emulator and don’t know that they aren’t running on a real HoloLens.

Alle weiteren Informationen dazu gibt es im Windows Dev Center.

Neues gibt es auch zu Microsoft Edge: Mit einem der kommenden Builds von Windows 10 sollen weitere Browser-Extensions eingeführt werden, darunter AdBlock Plus, OneNote, Amazon, Evernote und LastPass. Außerdem soll es neue Funktionen für Nutzer und Entwickler geben. Geplant sind beispielsweise Verbesserungen für die „Neuer-Tab“-Seite und an der EdgeHTML-Front. Weiter soll Flash künftig als separater Prozess in Edge laufen, was sowohl die Stabilität als auch die Sicherheit des Browsers verbessern soll.

Windows 10 Mobile nicht im Fokus

Auch in Bezug auf Windows 10 Mobile konnte die Build Konferenz Klarheit schaffen: seinen Fokus will Microsoft in diesem Jahr definitiv nicht auf das neue Mobilbetriebsystem setzen, viel wichtiger ist dem Softwarekonzern Windows 10 als Ganzes. Wie Terry Myerson in seiner Keynote mitteilte, will man zwar weiter am Phone-Form-Faktor auf Windows arbeiten, ansonsten wolle man die Entwicklungsarbeiten an Windows 10 Mobile in nächster Zeit aber zurückstellen. Myerson hierzu:

We’re fully committed to that 4-inch screen, there will be a time for it to be our focus, but right now it’s part of the family but it’s not the core of where I hope to generate developer interest over the next year.

There’s no lack of recognition to realize how important that form factor is, but for Microsoft with Windows and for our platform it’s the wrong place for us to lead.

Als Begründung hierfür nennt Myerson, dass sich das Phone-Business nicht als der beste Weg herausgestellt hat, Windows 10 an die breite Masse zu bringen:

If you wanted to reach a lot of phone customers, Windows Phone isn’t the way to do it,“ admits Myerson. „If you want to reach a lot of Windows customers, then this is the largest install base of 9 to 30-inch screens. If you wanted to do new and exciting things, then the Xbox and HoloLens is the place to have a discussion.

Ganz vernachlässigen wolle man den Smartphone-Bereich jedoch nicht, einige „coole“ Neuerungen seien bereits in Planung, bis diese erscheinen, dürfte es aber noch eine ganze Weile dauern:

We’re going to do some cool things with phones, but this year phones are an important part of our family but not the tip of the spear.

Noch ist die Build nicht vorbei und wird sicherlich einige weitere Überraschungen und Ankündigungen bereithalten, über die wir Sie hier auf dem Laufenden werden. Alle weiteren Infos zur Build 2016 inklusive Videos gibt es außerdem auf Channel 9.

Aufmacherbild: © https://build.microsoft.com/

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