.NET-Sprachen mit neuem Fokus

C#, F# und Visual Basic: Strategiewechsel bei Microsofts Programmiersprachen
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Microsoft hat die beiden Programmiersprachen C# und Visual Basic in der Vergangenheit stets parallel weiterentwickelt. Doch damit ist jetzt Schluss: Die populäre Sprache C# rückt ab sofort in den Fokus, während VB als Einstiegssprache fortgeführt werden soll. F# soll zur besten funktionalen Programmiersprache ausgebaut werden.

Dass sich Microsoft zur eigenen strategischen Ausrichtung der Programmiersprachen geäußert hat, ist schon eine ganze Weile her. In der Zwischenzeit hat sich allerdings viel getan: Die Open-Source-Revolution hat nicht nur die .NET-Sprachen erfasst, sondern den gesamten .NET-Stack. Grund genug, der .NET-Community einmal Einblick in die neue Sprachstrategie zu gewähren – die unter anderem eine Abkehr von der bewährten „Co-evolution Strategy“ für C# und Visual Basic mit sich bringt.

C# – auf Wachstum ausgerichtet

C# wird bereits von Millionen von Entwicklern genutzt und erreicht in Stack Overflows Developer-Survey einen der vordersten Ränge, was die Bekanntheit anbelangt. Zudem zählt C# zu einer der wenigen Mainstream-Sprachen, die es in die Top 10 der beliebtesten Programmiersprachen schafft. Dazu kommt, dass die Sprache mittlerweile plattformübergreifend Anwendung findet, so zum Beispiel in Mobile-Apps in Xamarin, Spielen in Unity oder Web-Apps in ASP.NET.

Diesen Entwicklungen folgend soll C# kontinuierlich weiter entwickelt werden, um seine Rolle zu festigen. Es ist von vielen Innovationen die Rede, die jedoch nicht den Charakter der Sprache verändern sollen. Vielmehr werden die Verbesserungen allen Entwicklern zugute kommen und kein bestimmtes Segment zu stark in den Fokus rücken, so Mads Torgersen, Program Manager bei Microsoft, im .NET-Blog. Zudem plane man, das große Ökosystem weiter auszubauen und dabei gleichzeitig eine Kohärenz von C# zu gewährleisten.

Visual Basic – die mächtige Sprache für Einsteiger

Visual Basic wird noch immer von vielen Developern genutzt, allerdings meist zum Einstieg ins Programmieren. Die meisten verwenden WinForms, um Business-Apps in Windows zu erstellen; einige wenige bauen mit ASP.NET WebForms Webseiten. Wer allerdings tiefer in die Materie einsteigen will, wechselt dann meist zu C# – das Ökosystem, die Codebeispiele und die Community sind einfach umfangreicher. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Visual Basic im Stack-Overflow-Survey die Liste der Sprachen anführt, die Nutzer lieber nicht mehr einsetzen möchten.

Allerdings zeigt sich, dass Visual Basic in Visual Studio über doppelt so viele neue Entwickler verfügt, wie es sonst der Fall ist. Das legt wiederum nahe, dass VB auch in Zukunft als einfache Einstiegssprache eine Rolle spielen wird.

Deshalb will Microsoft Visual Basic einfach und leicht zu erlernen halten. Zudem solle die Sprache ein „first class citizen“ des .NET-Ökosystems bleiben. Dabei sei es wichtig, zu überprüfen, ob neue Features in C# sich auch in Visual Basic natürlich anfühlen würden. Es werde auch weiterhin Wert auf sprachübergreifende Tools gelegt – gerade weil viele VB-Entwickler auch C# nutzen – doch der Fokus verschiebe sich nun mehr auf die Kernbereiche von Visual Basic. Dieser Schritt bedeutet eine Abkehr von der 2010 beschlossenen „Co-evolution Strategy“ von C# und Visual Basic.

Auf der praktischen Seite bedeutet das, dass VB 15 nur einen Teil der neuen Features von  C# 7.0 bekommen wird. Dazu gehören Tuple, die vor allem im Zuge der Interoperabilität und in APIs  als nützlich angesehen werden. Allerdings wird VB 15 keine Features wie is-Expressions, out-Variablen und Local Functions bekommen, da diese der Sprache mehr schaden als nutzen würden.

F# – Stern am Himmel der funktionalen Sprachen

F# ist mit mehreren zehntausend Nutzern die kleinste der drei .NET-Sprachen, kann aber auf eine starke Open-Source-Community bauen. So überrascht es auch nicht, dass die Sprache auf der Liste der beliebtesten Sprachen ziemlich weit vorne liegt. Ihre Einsatzmöglichkeiten konzentrieren sich auf Web- und Cloud-Services, Tools und Utilities, analytische Workloads und Datenbearbeitung.

In Zukunft möchte Microsoft die Community weiter fördern, indem die nötige Infrastruktur und das Tooling bereitgestellt werden. F# soll zur besten funktionalen Sprache auf dem Markt ausgebaut werden, indem sie und ihre Werkzeuge kontinuierlich verbessert werden. Zudem sollen in C# eingeführte Features auch mit F# funktionieren und die „experience gap“ mit C# und Visual Basic geschlossen werden.

Ausführliche Informationen zu Microsofts .NET-Sprachenstrategie finden sich im bereits oben erwähnten Blogpost von Mads Torgersen.

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