Kollaboratives Arbeiten, Suchfunktion, Startfenster und mehr

Visual Studio 2019: Die neuen Features im Überblick
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Visual Studio 2019 ist erschienen und bringt eine ganze Reihe an neuen Features mit. Unser Experte André Krämer liefert dazu viele anschauliche Beispiele. Vom überarbeiteten Startfenster bis hin zur Autovervollständigung mithilfe von künstlicher Intelligenz sind einige Funktionen dabei, die die Entwicklung mit Visual Studio erleichtern sollen.

Visual Studio 2019: Die neuen Features im Überblick

Am 2. April veröffentlichte Microsoft im Rahmen eines mehrstündigen virtuellen Launch-Events Visual Studio 2019. Die beliebte Entwicklungsumgebung bringt neben vielen Detailverbesserungen, die den Entwicklungsalltag erleichtern sollen, auch einige größere neue Features. Im Fokus stehen verbesserte Zusammenarbeit, höhere Performance, leichterer Zugang zu Cloud und Containern sowie Komfortfeatures.

Der erste Eindruck

Die erste Neuerung wird gleich zu Beginn offensichtlich, denn Visual Studio 2019 startet deutlich schneller als vorherige Versionen und begrüßt den Benutzer mit einer neuen Startseite. Diese ist nun nicht mehr in die Entwicklungsumgebung selbst integriert, sondern wird als separater Dialog vorgeschaltet. Dadurch gewinnt Microsofts IDE an Startperformance, da nicht mehr die komplette Entwicklungsumgebung geladen werden muss, bevor der Benutzer die erste Aktion durchführen kann.

Visual Studio 2019 - Highlights

Vollständig überarbeitet wurde auch der Dialog zur Anlage eines neuen Projekts. Microsoft entfernte die seit Jahren bekannte Baumstruktur auf der linken Seite des Dialogs zur Auswahl der gewünschten Projektvorlage. Stattdessen hat der Benutzer jetzt die Möglichkeit, über verschiedene Filter und ein Suchfeld schnell und zielgerichtet zur gesuchten Vorlage zu gelangen.

Visual Studio 2019 - Highlights

Mehr Übersicht und bessere Suchfunktion

Viele der Detailverbesserungen fanden am Herzstück der Entwicklungsumgebung, dem Code Editor, statt. Um dem Entwickler mehr Platz für den Quellcode zu geben, wurde die erste Menüzeile zum Beispiel in die Titelleiste integriert. Dadurch wird das Menü um eine Zeile kürzer, was mehr Raum für den Quellcode schafft.

Visual Studio 2019 - Highlights

Das Suchfeld, welches es bereits seit Visual Studio 2013 gab, rutschte von der rechten oberen Ecke in die Mitte der Menüleiste und somit mehr in den Fokus der Benutzer. Das Leistungsstarke Eingabefeld, welches in der Vergangenheit zu Unrecht wenig Beachtung bei den Visual-Studio-Nutzern fand, wurde deutlich aufgewertet. So verfügt die Suche, die man über die Tastenkombination Strg + Q erreicht, jetzt über eine Fuzzy-Suche. Gibt man also wie im Screenshot gezeigt fälschlicherweise Detei ein, findet Visual Studio trotzdem Menüpunkte und Aktionen für das Wort Datei.

Visual Studio 2019 - HighlightsZusätzlich zur Suche nach Menüpunkten unterstützt das Suchfeld auch die Suche nach Optionen und springt bei einem Treffer direkt in den entsprechenden Unterpunkt des Einstellungsdialogs. Langwieriges Klicken durch unzählige Untermenüs und Baumstrukturen gehört somit der Vergangenheit an.

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Visual Studio 2019: Neuigkeiten im Editor

Die Kernkomponente der Entwicklungsumgebung, der Code Editor, wurde an einigen Stellen überarbeitet. Am auffälligsten dürfte die Tatsache sein, dass Microsoft neue Farben in der Syntaxhervorhebung eingeführt hat. Methodennamen werden im hellen Theme jetzt in einem Bronzeton angezeigt, während Schlüsselwörter zur Steuerung des Programmflusses (for, foreach, if etc.) jetzt in lila erscheinen.

Visual Studio 2019 - HighlightsWeitaus interessanter dürften für viele Entwickler jedoch die neu hinzugefügten Refactorings und Codefixes sein. So stehen nun zum Beispiel Optionen zum Invertieren von Bedingungen oder zum Verschieben von Methoden in Basisklassen zur Verfügung.

Eine weitere Detailverbesserung hat der Dialog zur Suche nach Verweisen erfahren. Die Ergebnisliste kann dort jetzt nach Lese- oder Schreibaktionen auf die gewünschte Eigenschaft oder Variable gefiltert werden. Dazu muss im Suchfeld lediglich lesen oder schreiben bzw. read oder write eingegeben werden. Dies ist besonders bei öffentlichen Eigenschaften sehr nützlich, die häufig gelesen, aber nur selten geschrieben werden.

Visual Studio 2019 - Highlights

Eine Verbesserung, die vor allem Benutzer mit mehreren Monitoren mit unterschiedlichen Pixeldichten erfreuen dürfte, ist die Tatsache, dass Visual Studio nun verschiedene DPI pro Monitor unterstützt, was zu einer weitaus angenehmeren Darstellung führt.

Code Cleanups, also das automatische Umformatieren des eigenen Quellcodes, sind ab Visual Studio 2019 über ein Icon mit einem Besensymbol direkt unterhalb des Quellcodeeditors mit einem Klick verfügbar. Die Code Cleanups berücksichtigen die Einstellungen der Datei .editorconfig, insofern diese im Projekt vorhanden ist.

Besserer Umgang mit großen Projektmappen

Für Entwickler, die mit sehr umfangreichen Projektmappen arbeiten, von diesen aber immer nur ein Subset an Projekten gleichzeitig benötigen, profitieren von der neuen Projektmappen-Filter-Funktion. Während es in der Vergangenheit bereits möglich war, einzelne Projekte aus einer Projektmappe zu entladen, können entladene Projekte jetzt auch vollständig im Projektmappenexplorer ausgeblendet werden. Die entsprechende Konfiguration der entladenen Projekte kann in Projektmappen-Filter-Dateien, welche die Endung *.slnf haben, gespeichert werden. Dies ermöglicht den Austausch der Konfiguration mit anderen Entwicklern im Team.

IntelliCode in Visual Studio 2019

Eine der Funktionen, die während des Launch-Events besonders hervorgehoben wurde, befindet sich aktuell noch im Preview-Status und muss deshalb separat als Erweiterung heruntergeladen werden. Die Rede ist von IntelliCode. Hierbei handelt es sich um eine Weiterentwicklung der IntelliSense-Autovervollständigung. Statt nach der Eingabe eines Punktes wie bisher eine alphabetische Liste der verfügbaren Eigenschaften und Methoden anzuzeigen, werden durch IntelliCode an den obersten Positionen jetzt die Methoden und Eigenschaften angezeigt, die der Entwickler am wahrscheinlichsten wählen wird. Diese Optionen werden mit einem vorangestellten Sternchen markiert.

Visual Studio 2019 – Highlights

Microsoft hat zu diesem Zweck über 2.000 Open-Source-Projekte auf GitHub analysiert und daraus ein entsprechendes Modell für IntelliCode erstellt. Zusätzlich zu diesen Projekten kann man IntelliCode auch mit eigenen Projekten trainieren und somit Vorschläge auf Basis des eigenen Coding-Stils erhalten. Für dieses Training ist eine Internetverbindung erforderlich, da Analysedaten in die Cloud übertragen und dort verarbeitet werden. Microsoft wies bei der Vorstellung ausdrücklich darauf hin, dass keine Quellcodes in die Cloud übertragen werden. Nach Abschluss des Trainings ist keine Internetverbindung mehr notwendig.

Die IntelliCode-Erweiterung kann für Visual Studio 2019 und Visual Studio 2017 mit letztem Update unter https://aka.ms/intellicode oder direkt über das Erweiterungsmenü in Visual Studio heruntergeladen werden. IntelliCode funktioniert nicht nur für die Auswahl von Eigenschaften und Methoden, sondern auch für die Auswahl von Argumenten.

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Visual Studio Live Share

Eine Funktion, die seit längerem bereits als Preview bereit stand und nun final ins Produkt integriert wurde, ist Visual Studio Live Share. Live Share ermöglicht eine gemeinsame Zusammenarbeit an der selben Quellcodebasis für bis zu 30 Benutzer. Standardmäßig sind zwar nur fünf gleichzeitige Benutzer erlaubt, in den Optionen kann dieser Wert jedoch auf 30 erhöht werden.

Im Gegensatz zur klassischen Bildschirmfreigabe über Remotedesktop, Videokonferenzen oder Fernwartungswerkzeuge wird bei Visual Studio Live Share kein Bild übertragen, sondern der Kontext der Entwicklungsumgebung. Das bedeutet, dass jeder Teilnehmer unabhängig vom Host andere Dateien bzw. andere Stellen des Quellcodes untersuchen und bearbeiten kann. Sogar die Möglichkeit zum gemeinsamen Debuggen ist vorhanden, inklusive der Inspektion von Variablen oder dem synchronisierten Setzen von Breakpoints.

Im Fall einer Webanwendung kann der Host den Port seines internen Webservers freigeben. Dies ermöglicht den Teilnehmern der VS Live Share Session, die Webanwendung im eigenen Browser auszuführen und dadurch Breakpoints auf dem Hostsystem auszulösen.

Das Besondere an der Lösung ist, dass jeder Benutzer in seiner gewohnten Umgebung bleibt, da – wie bereits gesagt – kein Bild übertragen wird, sondern ein Dateibaum und Kontextinformationen. Das bedeutet zum einen, dass der Client Visual Studio mit vollkommen anderen Farbeinstellungen und Erweiterungen nutzt, die alle verwendet werden können, zum anderen aber auch, dass der Client gar kein Visual Studio verwendet. Visual Studio Live Share ist zusätzlich nämlich auch für Visual Studio Code verfügbar und kann plattformübergreifend genutzt werden. So kann man zum Beispiel von einem Mac- oder Linux-System aus Visual Studio Code heraus den WPF Quellcode eines unter Windows laufenden Hosts debuggen.

Visual Studio 2019 - Highlights

 

Visual Studio 2019 - Highlights

Visual Studio Live Share ist zum einen für Entwickler interessant, die häufig andere Entwickler unterstützen, aber auch für vorgezogene Code Reviews, die noch vor dem Commit in eine gemeinsame Quellcodebasis durchgeführt werden sollen.

Verbesserungen im Debugger

Eine weitere Kernfunktion, die viele nützliche Überarbeitungen erfahren hat, ist der Debugger. Dieser ist nun beim Durchschreiten des Quelltexts nicht nur doppelt so schnell die Vorgängerversion, sondern auch der Speicherverbrauch beim Debuggen von Out-of-Process-C++-Anwendungen wurde deutlich reduziert.

Eine sehr nützliche Erweiterung, welche leider nur für .NET Core 3.0 oder höher zur Verfügung steht, welches immer noch in der Preview-Phase ist, sind Data Breakpoints. Data Breakpoints unterbrechen die Code-Ausführung, sobald sich der Wert einer Eigenschaft eines bestimmten Objekts ändert, unabhängig davon, wo dies geschieht. Das hilft besonders in Szenarien, in denen sich Werte unerwartet ändern.

Ein Komfortfeature, welches so manches Entwicklerherz höher schlagen lassen dürfte, ist die Suche nach Namen oder Werten in den Debugging-Fenstern (Watch, Locals und Autos). Sie funktioniert über mehrere Ebenen, erlaubt also auch die Suche in Unterobjekten oder Auflistungen.

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Für Entwickler von serverbasierten Lösungen ist die neue Time-Travel-Debugging-Funktion, welche eine Erweiterung des Snapshot Debuggings ist, interessant. Während des Debuggings einer produktiv ausgeführten Anwendung auf einem Remotesystem können über Snap-Points Snapshots des Speichers erstellt werden. Diese können mit Visual Studio 2019 im zeitlichen Verlauf untersucht werden.

Neues für Mobile-Developer

Neben allgemeinen Neuigkeiten gab es auch Neuigkeiten für Entwickler von mobilen Anwendungen mit Xamarin. Erfreulich ist, dass die Installationsgröße von 21 GB auf 7 GB reduziert werden konnte. Außerdem gibt es jetzt einen Eigenschaftseditor für Xamarin.Forms XAML-Eigenschaften sowie einen verbesserten Xamarin.Forms Previewer, der den Code vorher nicht mehr kompilieren muss. Auch die Kompilier- und Deployzeiten für Android konnten merklich beschleunigt werden.

Neues für Webentwickler

Für Entwickler von ASP.NET-Anwendungen ist unter anderem neu, dass die Standardprojektvorlage jetzt auf ASP.NET Core 2.2 basiert. Außerdem wurde die Projektvorlage aufgeräumt. Sie legt jetzt weniger Dateien an und schafft alles in allem eine aufgeräumtere Ausgangslage.

Die Razor-Werkzeugunterstützung wurde verbessert. Die Suche nach allen Referenzen funktioniert jetzt auch in Razor-Dateien.

Webanwendungen, die auf .NET Core 2.2 basieren, können während des Debuggings jetzt auch direkt im IIS Express gehostet werden. Vorher wurden diese immer über einen separaten dotnet.exe-Prozess gehostet, der durch den IIS Express genutzt wurde. Diese Änderung führt zu Verbesserungen in der Performance.

Visual Studio for Mac

Die meisten Neuerungen betreffen zwar Visual Studio 2019 für Windows, aber auch für Visual Studio for Mac wurde eine neue Version, die Version 8.0, vorgestellt. Diese hat eine ähnliche neue Startseite wie die Windows-Version. Außerdem können nun endlich mehrere Instanzen von Visual Studio for Mac gleichzeitig gestartet werden.

Die größte Neuerung betrifft allerdings den C#-Quelltexteditor und befindet sich aktuell noch im Preview-Status. Über die Optionen kann ein neuer C#-Quellcodeeditor aktiviert werden. Dieser teilt sich ca. 95 % des Quellcodes mit dem Visual Studio für Windows C#-Quellcodeeditor, er ist also ähnlich komfortabel.

Verfügbarkeit

Die kostenfreie Community Edition kann ab sofort unter https://visualstudio.microsoft.com/ bezogen werden. Inhaber eines MSDN-Abonnements finden ihre lizensierte Version unter https://my.visualstudio.com.

Visual Studio 2019 – das Fazit

Microsoft hat mit der Version 2019 nicht nur viele Details verbessert, die den Entwickleralltag erleichtern, sondern mit IntelliCode und dem RTM von Visual Studio Live Share sehr interessante Funktionen für komfortableres Arbeiten und eine bessere Zusammenarbeit geliefert.

Da Visual Studio 2019 parallel zu 2017 installiert werden kann, spricht nichts dagegen, Visual Studio 2019 selbst auszuprobieren. Alleine die Performanceverbesserungen rechtfertigen den Download der aktualisierten Entwicklungsumgebung, vor allem da der Speicherbedarf auf der Festplatte weiter reduziert werden konnte und die gewählten Workloads von Visual Studio 2017 automatisch installiert werden, was eine kurze Installationsdauer verspricht.

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